«Fricktaler Bibliothekarinnen empfehlen»
26.03.2026 FricktalSolange Bernstein, Bibliothek Wallbach
Julia R. Kelly
Das Geschenk des Meeres
Als die junge Lehrerin Dorothy um die Jahrhundertwende in einem Fischerdorf im abgelegenen Skerry eine Stelle antritt, hat sie Mühe, sich in die Gesellschaft einzufügen. Zu starr sind die ungeschriebenen Gesetze des Ortes, zu starr aber auch der Charakter der jungen Frau. Jahre später wird in einer stürmischen Winternacht ein kleiner Junge ans Ufer gespült, der dem verschollenen Sohn der Lehrer ein zum Verwechseln ähnlich sieht. Sie erklärt sich bereit, den Jungen aufzunehmen und entwickelt bald eine innige Beziehung zu ihm. Gleichzeitig brechen durch die Ankunft des Kindes aber auch alte Wunden auf und lange Ungeklärtes im Dorf drängt zurück an die Oberfläche.
Die rauen Menschen, die Beschreibung der ebenso rauen Landschaft und das filigrane Geflecht der Beziehungen der Protagonisten ziehen den Leser in diesem ruhigen, aber kraftvollen Roman in ihren Bann.
Ursula Poznanski
Das Signal
Bei einem Unfall verliert die Innenarchitektin Viola ein Bein und ist fortan ans Haus gefesselt. Ihr Mann verspricht, sich um alles zu kümmern, und engagiert eine Pflegerin – doch Viola fühlt sich von ihr zunehmend überwacht. Bald wird sie misstrauisch und vermutet, dass ihr Mann sie über den Unfallhergang und seinen Tagesablauf belügt. Heimlich schmuggelt sie ihm GPS-Tracker aus dem Internet unter. Während sie seine Wege verfolgt, entdeckt sie beunruhigende Muster – und es beginnt ein tödliches Katz- und Maus-Spiel.
Diesen fesselnden Pageturner mit beklemmender Atmosphäre legt man kaum aus der Hand, bevor man weiss, wie alles ausgeht.
Liz Moore
Der andere Arthur
Der ehemalige Literaturprofessor Arthur Opp wiegt 250 kg und hat sein Haus schon seit Jahren nicht mehr verlassen. Unerwartet bittet ihn Charlene, mit der ihn eine flüchtige Bekanntschaft und eine anschliessende langjährige Brieffreundschaft verbindet, sich um ihren Sohn zu kümmern. Kel ist ein junger Mann, der sich mit der Schule schwertut und hofft, sein Glück durch ein Sportstipendium zu machen. Auf den ersten Blick verbindet die beiden Charaktere nichts. Auf den zweiten wird aber deutlich, wie sie beide auf ihre Weise mit der Einsamkeit kämpfen.
Der Roman besticht vor allem mit seinen einfühlsam beschriebenen Figuren und der leisen Hoffnung am Schluss.
«Fricktaler Bibliothekarinnen empfehlen» erscheint einmal im Monat.


