Dort, im siebten Ryburger Fasnachtshimmel
Während ein Basler, ein Ostschweizer und ein Walliser darüber streiten, wer die besten Tambouren hat, hauen die Ryburger längst auf die Pauke.
Ronny Wittenwiler
Die Fasnachtzunft Ryburg (FZR) hat ihr Portfolio ...
Dort, im siebten Ryburger Fasnachtshimmel
Während ein Basler, ein Ostschweizer und ein Walliser darüber streiten, wer die besten Tambouren hat, hauen die Ryburger längst auf die Pauke.
Ronny Wittenwiler
Die Fasnachtzunft Ryburg (FZR) hat ihr Portfolio erweitert: mit einer Veranstaltung, wie man sie bisweilen einige Flusskilometer weiter unten kennt, dort am Basler Rheinknie.
Bis auf den letzten Platz war der Möhliner «Steinli-Chäller» besetzt (und das ist nicht eine dieser oft gebrauchten Halbwahrheiten, rappelvoll war es). Mit Rahmenstücken, Tambouren-Einlagen und Guggenmusik luden die Ryburger am Freitag und Samstag zum «Fasnachtsstärn».
Die Kälber von der Leine gelassen
Eigentlich hätten die Mitglieder der Fasnachtzunft Ryburg ja genug zu tun. Maskenbau. Wagenbau. Proben mit Pauken und Trompeten. Chirurgischer Feinschliff der phänomenalen Tambouren. Doch weil der Spass an der Freude nun mal grenzenlos ist, stellten eben diese Ryburger mit grossem Aufwand erstmals eine Vorfasnachts-Veranstaltung auf die Beine. Dabei liessen sie für die Rahmenstücke ein paar ihrer grössten Kälber von der Leine: So etwa Zunftmeister Christian Fritschin, der kurzerhand einen Walliser zum Besten gab, der sich als Juror an einem Wettspiel mit einem Basler (Christoph Burkhalter) und einem Ostschweizer (Oliver Weis) herrlich komisch darüber in die Haare gerät, woher die besten Trommler im Land kommen. Und als dann die Ryburger Tambouren einmal mehr eindrücklich demonstrierten, was in ihnen steckt – da fragte sich manch einer noch immer erheitert, ob der Basler und der Ostschweizer auch nur ein einziges Wort verstanden haben, was der Quoten-Walliser da eigentlich von sich gab.
Nachdem dann auch noch eine brillant aufspielende Nadine Condor als pedantisch beamtete Ingrid Controlli den Fasnächtlern die ganze Veranstaltung madig machen wollte – zu laut, politisch unkorrekt, etcetera und pipapo –, spätestens da war klar: Rahmestyggli? Ja, können sie, die Ryburger. Einfach im eigenen Dialekt.
Lokalkolorit in der Hochburg
Der «Fasnachtsstärn» war närrisches Lokalkolorit in Reinkultur. Da war der «Bürkligeist», der beim Tête-à-Tête mit dem «Galgevogel» erwischt wird; da waren weitere Ryburger Dorf-Ikonen wie der sagenumwobene «Waldo» vom Ryburger Hölzli mit einem filmischen Gastauftritt; und da war sogar die Frage, ob Möhlins junger Gemeindeammann Gerometta, der am Freitagabend auch im Publikum sass, überhaupt solange wachbleiben dürfe – der «Fasnachtsstärn» ist definitiv aufgegangen über der Ryburger Hemisphäre.
Dort wird er fortan leuchten, mindestens bis Aschermittwoch.
Gute Nachrichten zum Schluss
«Unser Ziel war es, die Vorfreude auf unsere Fasnacht zu wecken, die Menschen damit anzustecken», sagt Zunftmeister Christian Fritschin. Alle Mitglieder seien Feuer und Flamme für dieses Projekt gewesen und jetzt, alles wieder abgeräumt, die Anspannung abgefallen, der grosse Applaus verhallt, sagt er: «Ich bin einfach nur überwältigt. Ich schwebe gerade auf einem eigenen Fasnachtsstern.» All das sagt der begnadete Unterhalter jetzt übrigens in lupenreinem Ryburger Dialekt. Fritschin, der Quotenwalliser, ist wieder ganz der Alte. Gottlob. Man stelle sich vor, er bekäme es nicht mehr weg – man würde sich jetzt noch kugeln vor Lachen. (rw)