PETER SCHMIDS FRICKTALER CHECK
04.10.2024 FricktalDas Sieger-Interview (Nachbetrachtung zum Grenzweg)
Wie gut kennen Sie sich in unserer Region aus? Geografisch? Historisch? Allgemein? Machen Sie den Check!
Was bleibt im Rückblick auf die Radtour entlang der Fricktaler Aussengrenze? ...
Das Sieger-Interview (Nachbetrachtung zum Grenzweg)
Wie gut kennen Sie sich in unserer Region aus? Geografisch? Historisch? Allgemein? Machen Sie den Check!
Was bleibt im Rückblick auf die Radtour entlang der Fricktaler Aussengrenze?
Peter Schmid*
Die Zielankunft in der Rheinfelder Marktgasse hatte ich mir so vorgestellt: der totale Triumph! Viel Volk. Komplett aus dem Häuschen. Sie kennen ja diese Bilder von verrückten Fans, die den Velorennfahrern nachrennen, ihnen auf die Schultern klopfen. Und auch mir würden sie jetzt am liebsten das Trikot entreissen. Das Maillot jaune natürlich. Hatte ich angenommen. Zugegeben: Das Teilnehmerfeld der Tour de Fricktal war überschaubar. Um genau zu sein: Ich war der Einzige. Dennoch fühlte ich mich wie der wahre und verdiente Sieger. Auf einer Ebene mit Olympiasiegerin Chiara Leone und Weltmeister Matthias Kyburz. Auch sie erwartete ich mitten drin im Gewühl. Zusammen mit viel Cervelat- und Politprominenz von nah und fern.
Die Wirklichkeit holte mich anders ein. Gähnende Leere. Und am Strassenrand ein geparkter Besenwagen. Der Fahrer schaute gelangweilt auf die Uhr. Er müsse mich jetzt einsammeln. Am 15. April gestartet, am 5. September am Ziel. Ich sei nicht nur Letzter, sondern disqualifiziert. Maximal veranschlagte Gesamtdauer mehrfach überschritten. Hilflos hielt ich Ausschau nach den Kolleginnen und Kollegen der NFZ. Die mussten doch jetzt Protest anmelden gegen diese eindeutig unfaire Regelauslegung. Wahrscheinlich hatten die den Siegerchampagner, müde vom langen Warten, gleich selber leer getrunken. So musste ich auch das Siegerinterview selber machen.
Herzliche Gratulation, Peter, zu deinem grossartigen Sieg. Wie fühlst du dich?
Ich kann es noch gar nicht fassen. Ich brauche noch ein paar Monate, um zu begreifen, was ich geschafft habe.
Und wie ist es dir ergangen auf dieser rund 155 km langen, anspruchsvollen Strecke?
Wohl die letzten Kolumnen in der NFZ nicht gelesen? Nächste Frage.
Würdest du es wieder tun?
Ja, klar. Es war eine wertvolle Erfahrung und ich habe viel gelernt dabei.
Was denn?
Dass das Fricktal viel gebirgiger ist als bisher angenommen. Und auch nicht überall besiedelt. Viel Wald, viel Natur. Aber zu wenig Beizen. Und hast du endlich eine gefunden, herrscht gerade Ruhetag.
Weitere Erkenntnisse?
So ein Unternehmen müsste gründlicher geplant werden. Übernachtungsmöglichkeiten sind nur eingeschränkt verfügbar. Da bist du froh um eine verwaiste, bequeme Hüpfburg in einem schönen Garten. Aber das hatten wir ja schon.
Hattest du auch Begegnungen?
Meistens mit Kühen und Schafen. Leider nicht mit Luchsen. Oder vielleicht zum Glück. Natürlich auch mit netten und wanderfreudigen Seniorengruppen und fleissigen Bauersleuten. Gümmeler grüssen nicht immer, Biker und Töfffahrer schon eher. Wobei Letztere schon nerven können. Wenn sie die Kurven schneiden und dann bist du ihnen auf ihrer Ideallinie im Weg.
Etwas fürs Leben gelernt?
Ja, dass auch der mühsamste Anstieg irgendwann auf dem Gipfel endet. Und dann gibt’s als Belohnung den Bergpreis: äne wieder abe!
Hast du auch unliebsame Erfahrungen gemacht?
Eigentlich erst, wenn dann die Kolumne in der Zeitung erscheint und du liest deinen eigenen Bockmist. Dass ich tatsächlich aus dem Christoph Merian einen Christian gemacht habe, ist schon gfuxig. Der nach ihm benannten Stiftung gehört ja der Iglingerhof bei Magden. Der ist übrigens mit persönlichen Erinnerungen verbunden. Dort wurde nämlich (vor über 30 Jahren) unser Sohn getauft. Es war heiss, alle hatten Durst und sehnten sich nach einem kühlen Getränk. Auch der Tauf-Pfarrer. Doch er nahm sich zusammen. Hätte auch er eine Namensverwechslung veranstaltet, so hiesse unser Sohn heute wohl Rivello oder Pepito oder Hopfenmalz. Und man könnte es nicht mehr ändern.
Hat sich eigentlich deine Beziehung zum Fricktal mit dieser Grenztourerfahrung verändert?
(Denkt lange nach, kratzt sich am Bart). Wenn du tagelang meistens allein unterwegs bist, fokussiert auf das Hier und Jetzt, wirst du nachdenklich. Und ziehst dankbar dein Fazit: Hier zu leben, ist schon mehr als okay.
Aber jetzt muss ich mal noch etwas dehnen und relaxen. Knappe 3600 Höhenmeter. Das merkst du in den Wädli. Und Durst habe ich jetzt auch. Vielleicht ist ja doch noch ein Schluck Schämpis übrig.
(Anmerkung der Redaktion: Das Team der NFZ gratuliert Dir, Peter, zu dieser grossartigen Leistung!)
Zu den Wettbewerbsfragen:
1. Wo wurde das Foto aufgenommen?
a) bei Wittnau
b) bei Mumpf
c) bei Kaisten
2. Das Fahrrad, das zum Einsatz kam, ist ein …
a) Gravelbike (Rennvelo mit
breiteren Reifen)
b) E-Bike (mit Solarstrom betrieben)
c) Tandem (Rücksitz frei für eine Begleitperson der NFZ; aber niemand wollte)
Wissen Sie die Lösung?
Schreiben oder mailen Sie uns, die Lösungen. Unter den richtigen Antworten, welche bis am nächsten Mittwoch auf der Redaktion eintreffen, verlosen wir einen Einkaufsgutschein im Wert von 50 Franken. Der Gewinner oder die Gewinnerin wird in der NFZ vom nächsten Freitag publiziert.
NEUE FRICKTALER ZEITUNG
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4310 Rheinfelden
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Wettbewerbslösung in der nächsten Freitags-NFZ.



