PETER SCHMIDS FRICKTALER CHECK
31.03.2023 FricktalEseleien eines Weihwasserfrosches
Wie gut kennen Sie sich in unserer Region aus? Geografisch? Historisch? Allgemein? Machen Sie den Check!
Die Schlagzeile hätte gelautet: Pfarrer von Palme erschlagen. Zum Glück kam es nicht ...
Eseleien eines Weihwasserfrosches
Wie gut kennen Sie sich in unserer Region aus? Geografisch? Historisch? Allgemein? Machen Sie den Check!
Die Schlagzeile hätte gelautet: Pfarrer von Palme erschlagen. Zum Glück kam es nicht dazu.
Peter Schmid*
Normalerweise waren wir Messdiener. Heute nicht. Am Palmsonntag bildeten wir die prächtige Kulisse im Chorraum. Standen mit unseren langstieligen, mit Buchs, Lorbeer und Seidenbändern behängten Palmen hinter dem Altar. Vor unseren Augen Hochwürdens Eierglatzkopf. Er glänzte im morgendlichen Sonnenstrahl. Den Blick nach oben gerichtet. Die Arme zum Segen gebreitet. Nichts ahnend. Und auch der direkte Draht zu IHM half jetzt nicht. Denn das Unheil stürzte von schräg hinten geräuschlos herab. Doch – oh Wunder – jetzt griff sie doch noch ein, die Hand Gottes. Am starken Arm des Oberministranten. Und hielt ihn fest, den heruntersausenden Baum. Gerade noch. Bevor dieser aufschlagen konnte auf das Haupt von Hochwürden. Eiertütsch! Dabei war ja noch nicht Ostern. Und der vom Leid Verschonte schickte jetzt andächtig ein Stossgebet zum Himmel. Dabei hatte er es wohl gar nicht mitbekommen. Im Gegensatz zur Gemeinde der Gläubigen, die es genau gesehen hatten. Wie das entkräftete Ministräntli, statt die Palme fest im Griff zu halten, den Gesetzen der Schwerkraft nachgebend, das schwer und schwerer werdende Gewächs zuerst in Schieflage versetzte und schliesslich – einen Fluch unterdrückend – frei gab zum Absturz. Doch packte der um vieles kräftiger gebaute Jüngling neben ihm zu und konnte unter dem Raunen und angehaltenen Aufschrei der versammelten Gemeinde den Aufschlag gerade noch vermeiden. Der Pfarrer blieb unversehrt. Der Herr erbarmte sich seiner.
Meiner nur teilweise. Man mag einwenden, dass die Kommentare, denen ich in der Folge ausgesetzt war, angesichts der Qualen des Gekreuzigten wohl aushaltbar waren. Doch auch verbale Kopfnüsse schmerzen: Schwächliches Milchbubi! Saftloses Muttersöhnchen! Muskelbefreiter Weihwasserfrosch!
Der Ministrant litt. Und verwünschte nicht nur den heutigen Sondereinsatz. Auch das Messdienerdasein ganz allgemein schmeckte ihm oftmals nicht: etwa das Aufgebot zu langweiligen Aufmarschproben an schulfreien Nachmittagen. Das für Spott sorgende Weichei-Image? Bräveli mit Seitenscheitel erweichten Mütterherzen. Gefragt wären aber Mädchenaugen gewesen. Und die Gefahren von eselhaften Lachnummern und tollpatschigen Slapstickeinlagen in der damals noch vollen Kirche lauerten überall. Du läufst allein in die verkehrte Richtung, setzt dich auf den falschen Stuhl (den für Hochwürden reservierten, der dich entnervt wegscheucht), schepperst mit der Schelle (gerade als es heisst, so gedenken wir im Stillen). Und beherzt schwingst du das Weihrauchfass. Und haust es – versehentlich, ich schwöre! – mitten hinein in den ausladenden Allerwertesten des zum Kniefall ansetzenden Domherrn. Er dick, ich doof. Auch in der vermeintlich verlassenden Sakristei lauerten Fettnäpfchen. Wirklich nur kurz am Messwein genippt. Da tritt der Sigrist überraschend herein. Und jetzt hast du richtig Stress, denn ob der petzt oder nicht, hängt stark von seiner Sonntagslaune ab.
Solches bedenkt kaum ein Kirchgänger, der dem Tun der Messdienerinnen und -diener zuschaut. Dabei hängen Glück und Unglück des Teenagerdaseins so sehr vom Blick der anderen ab. Im Zeitalter des Selfies, des Dauerposierens in der Öffentlichkeit, erst recht.
Alles halb so wild? Und die Kirche sowieso kein Teenie-Treffpunkt mehr? Wie dem auch sei. Die grössten Palmen gehören jedenfalls in starke Fricktaler Hände. Das weiss man übrigens schon lange. So lese ich in den «Blättern für Heimatkunde» über den Palmsonntag in Hornussen: «Die Schulknaben tragen diese «Palmen» mit Stolz in die Kirche. Aber auch schon der kleinste Knirps, der kaum gehen kann, kaum die ersten Hosen trägt, hat sein «Pälmchen», wenn nötig von einem Erwachsenen gestützt.» «Wenn nötig». Aha. «Knirps» und «erste Hosen». Soso.
Zu den heutigen Check-Fragen:
• In der Beschreibung «Palmen im Fricktal» wird der Palmsonntag in Hornussen geschildert. Darin heisst es übrigens: «Der Palmen ist das Zeichen der Knabenwürde.» Aus welchem Jahr stammt wohl der Beitrag?
a) 1930
b) 1975
c) 2020
• Der Palmsonntag erinnert an den Einzug von Jesus in Jerusalem. Feierliche Prozessionen finden auch dieses Jahr im Fricktal statt. In Laufenburg ist das passende Reittier bei schönem Wetter mit dabei. Ist dies
a) ein Kamel
b) ein Ochse
c) ein Esel?
Wissen Sie die Lösungen?
Schreiben/ mailen Sie uns, aus welchem Jahr der Beitrag stammt und welches Tier bei der Prozession in Laufenburg dabei ist. Unter den richtigen Antworten, welche auf der Redaktion bis am nächsten Mittwoch eintreffen, verlosen wir einen Einkaufsgutschein im Wert von 50 Franken. Der Gewinner oder die Gewinnerin wird in der NFZ vom nächsten Donnerstag publiziert.
redaktion@nfz.ch
NEUE FRICKTALER ZEITUNG
Baslerstrasse 10
4310 Rheinfelden


