Mieter wehren sich gegen «unzumutbare» Sanierung
28.03.2023 RheinfeldenWährend Monaten auf Baustelle wohnen?
Die Coop-Pensionskasse will 30 Wohnungen an der Engerfeldstrasse in Rheinfelden umfassend sanieren. Die Mieter sollen während der Bauzeit in den Wohnungen bleiben können. Das ist unzumutbar, finden einige Bewohner und wenden sich an die ...
Während Monaten auf Baustelle wohnen?
Die Coop-Pensionskasse will 30 Wohnungen an der Engerfeldstrasse in Rheinfelden umfassend sanieren. Die Mieter sollen während der Bauzeit in den Wohnungen bleiben können. Das ist unzumutbar, finden einige Bewohner und wenden sich an die Schlichtungsbehörde.
Valentin Zumsteg
«Eine solch umfassende Sanierung ist für Mieter unzumutbar», hält George Weber fest. Sein 92-jähriger Vater Rudolf Weber, der gehbehindert und schwerhörig ist, wohnt seit vielen Jahrzehnten in einer Überbauung an der Engerfeldstrasse in Rheinfelden. Die Eigentümerin, die Coop-Pensionskasse, will die 30 Wohnungen in den kommenden Monaten umfassend sanieren. Leitungen, Küchen und Nasszellen sollen erneuert werden, daneben ist auch eine Asbest-Sanierung vorgesehen.
«Rechte der Mieter werden mit Füssen getreten»
«Angeblich sollen die Mieter nur zwei Tage ausziehen müssen, weshalb jede Mietperson für die beiden Auswärtsübernachtungen 150 Franken erhalten soll», so George Weber. Während der übrigen Bauzeit müssen sich die Mieter, gemäss Weber, mit Staubschutzwänden, Camping-WCs, Duschen im Keller und einer mobilen Herdplatte begnügen. Davon betroffen seien auch mehrere ältere Personen, welche im Rollstuhl sitzen oder einen Rollator benötigen. «Die Rechte der Mieter werden mit Füssen getreten, weshalb mehrere Mieter jetzt mit einer Art Sammelklage vor die Mietschlichtungsstelle gehen», kündigt George Weber an. Er und seine Mitstreiter hoffen, dass die Schlichtungsbehörde die geplante Sanierung in der vorgesehenen Art als «unzumutbar» taxiert. Falls die Sanierung doch als zumutbar erachtet wird, solle die Eigentümerin verpflichtet werden, die Kosten für die vollständige Räumung und Einlagerung des Hausrats, die Wohnungsreinigung sowie den Wiedereinzug zu bezahlen. Zudem soll die Coop-Pensionskasse auch die Kosten für eine angemessene Ersatzunterkunft (von Beginn Fensterersatz bis zum Bezugstermin nach erfolgter Reinigung) übernehmen. Ein Verbleiben der Mieter in der Wohnung während der Bauphase ist aus ihrer Sicht unzumutbar. «Das Verhalten von Eigentümerin, Verwaltung und deren Beauftragten erachten wir als Nötigung», halten sie im Schreiben an die Schlichtungsbehörde für Mietwesen fest.
Soweit die Kritiker. Es gibt aber auch Mieter, die das Ganze anders sehen. «Wir sind froh, dass die Wohnungen saniert werden. Wir wohnen schon seit 38 Jahren hier, in dieser Zeit ist nichts passiert», erklären Rudolf und Verena Hofer. Sie werden während der Sanierung in ihre Ferienwohnung ziehen.
«Verzicht auf Kündigungen»
Wie Coop auf Anfrage mitteilt, sind derzeit 25 der insgesamt 30 Wohnungen vermietet. «Die Pensionskasse-Coop führt die Sanierung in Rheinfelden in einem Rahmen durch, in dem die Wohnungen während der Bauphase grundsätzlich weiterhin bewohnbar sind. Damit verzichtet sie auf Leerkündigungen und nimmt Rücksicht auf die Mieterschaft. Dieser wird nämlich ermöglicht, ihre Wohnungen weiterhin zu behalten», erklärt Mediensprecher Caspar Frey. Eine Etappierung der Baumassnahmen sei nicht möglich. «Deshalb kann die Pensionskasse-Coop auch keine Ersatzwohnungen oder interne Provisorien zur Verfügung stellen.» Die Wohn- und Schlafräume sollen aber während der ganzen Bauzeit – mit Ausnahme von zwei bis drei Tagen während der Schadstoff-Sanierung – nutzbar sein. Während rund sieben Wochen nicht nutzbar sind hingegen die Küchen und Badezimmer. «Als Ersatz stehen den Mieterinnen und Mietern Kocheinrichtungen inklusive Kühlschrank in den Wohnbereichen zur Verfügung. Im Keller werden ausreichend Nasszellen zur Nutzung bereitgestellt. Falls gewünscht, erhalten die Mieterinnen und Mieter zusätzlich Chemietoiletten in der Wohnung», erläutert Frey. Wegen der Umtriebe werden den Mieterinnen und Mietern für die Sanierungszeit insgesamt zwei Monats-Nettomieten erlassen, so Frey. «Für die kurzzeitige vollständige Nichtnutzbarkeit der Wohnungen während der Schadstoff-Sanierung werden Pauschalen entrichtet, etwa für Hotelaufenthalte.» Er bestätigt, dass nach der Sanierung die Mieten erhöht werden: «Die Mietzinse werden entsprechend den gesetzlichen Vorgaben über wertvermeh rende I nvest it ionen u nd energetische Verbesserungen angepasst.»
Ist das alles zumutbar oder nicht? Mit dieser Frage wird sich nun voraussichtlich die Schlichtungsbehörde beschäftigen müssen.

