«In alte Gebäude zu investieren, lohnt sich»
19.03.2023 FricktalHaussanierungen für bessere Energieeffizienz
Roland Lenzin aus Laufenburg ist Architekt und hat seinen Masterabschluss (MAS) zum Thema Nachhaltiges Bauen gemacht. Im Gespräch mit der NFZ erklärt er, warum sich Haussanierungen lohnen und was in Bezug auf die angestrebten ...
Haussanierungen für bessere Energieeffizienz
Roland Lenzin aus Laufenburg ist Architekt und hat seinen Masterabschluss (MAS) zum Thema Nachhaltiges Bauen gemacht. Im Gespräch mit der NFZ erklärt er, warum sich Haussanierungen lohnen und was in Bezug auf die angestrebten Ziele vergessen wird.
Bernadette Zaniolo
Neuere Gebäude weisen aufgrund der gesetzlichen Anforderungen bereits eine bessere Energieeffizienz auf. Gemäss Roland Lenzin bewirken energetische Sanierungen von Gebäuden, die vor 1980 entstanden sind (zirka 70% in der Schweiz), am meisten. «Bewirken heisst für mich Energie und CO2 einsparen. Also nicht nur die Menge an Energie zu sparen, sondern bei der Energieerzeugung auch auf erneuerbare Quellen zu setzen», sagt Roland Lenzin.
Die gute Strategie zählt
Bei der Sanierungsstrategie sei wichtig, «dass diese erstmal unabhängig vom Eigentümer oder der Eigentümerin entwickelt wird. Jedes Gebäude hat gewissermassen sein eigenes ‘Leben’ und seine eigenen wirtschaftlich sinnvollen Sanierungszyklen». Ein grosser Vorteil sei dabei, dass man auf dem Weg zum Strategieziel die erforderlichen Massnahmen etappieren und auf die finanziellen Möglichkeiten abstimmen kann. Steuerersparnisse sind zudem ein stets willkommener Nebeneffekt.
Die Erstellung eines mit Subventionen unterstützten GEAK Plus dient als gute Standortbestimmung. «Der Gebäudeausweis der Kantone zeigt den Handlungsbedarf anhand von Varianten mit einer Grobkostenschätzung auf», so Lenzin.
Zugleich unterstreicht er: «Die Wärmedämmung der Fassade verändert den Ausdruck eines Gebäudes massgeblich. Dies führt aktuell nicht immer zu ästhetisch guten Resultaten.» Die dafür vorgesehenen Mittel könnten stattdessen auch in die Umstellung auf erneuerbare Energien investiert werden. Ein anderer Weg, um das ökologische Ziel dennoch zu erreichen.
Solaranlagen sorgsam gestalten
Bezüglich der Erhaltung einer guten Baukultur ist aktuell die stark angestiegene Zahl von neuen Solaranlagen zu beachten. «Der Zeitdruck durch die steigenden Stromkosten geht leider zu oft zulasten der Ästhetik. Ich denke, man wird diesbezüglich in wenigen Jahren auch kritisch auf die Resultate der aktuellen Solarwelle zurückblicken.»
Gesamtenergieverbrauch betrachten
«Oft wird bei der Planung viel über das Gebäude nachgedacht, dabei aber die Mobilität vergessen,» erklärt Lenzin in Bezug auf die «2000-Watt-Gesellschaft». «Fahrzeuge können durch die Photovoltaikanlage auf dem Dach mit Strom versorgt werden. Die Entwicklung markttauglicher Speichermedien spielt hier eine wesentliche Rolle. – Bezüglich Mobilität darf man sich aber auch grundsätzlich darüber bewusst werden, was man mit der Wahl seines Wohn- oder Arbeitsorts auslöst.»
Was ist es uns wert?
Subventionen können zwar ein Anreiz für Investitionen in Energieeffizienz sein. Ebenso hebt Lenzin jedoch hervor: «Energetische Massnahmen führen oft auch zu mehr Nutzungsqualitäten.» So könne die Behaglichkeit in Innenräumen spürbar verbessert werden oder die Fassadensanierung mit einer Vergrösserung der Aussenflächen (Terrasse, Balkon) einhergehen. Schliesslich umfasse Nachhaltigkeit neben Umwelt und Ökonomie auch den sozialen Aspekt.
Gemäss dem Fachmann für Nachhaltiges Bauen liegt die Sanierungsrate in der Schweiz bei «nur» einem Prozent. Damit macht Lenzin klar, wie gross der Nutzen wäre, wenn mehr in Altbauten investiert würde.
Angesprochen darauf, wieso die Sanierungsrate nur bei einem Prozent liegt, nennt Lenzin «mangelnde Anreize und die fehlende Gebäudeunterhaltstrategie mit Finanzierungsplan, was zum Beispiel bei Stockwerkeigentum sehr herausfordernd ist.» Und weiter: «Der Sanierungsplan mit Finanzierung kann schon unmittelbar nach der Fertigstellung von Gebäuden erstellt werden. Daher müsste also niemand von Unterhaltsmassnahmen überrascht werden.»
«Wohneigentum für Generationen»
Roland Lenzin ist Vorstandsmitglied beim Hauseigentümerverband (HEV) Fricktal. Sein Engagement im HEV widmet er derzeit als Projektleiter dem Projekt «Wohneigentum für Generationen». Dabei geht es auch darum, wie man den Nachkommen zukunftsgerichtetes Wohneigentum hinterlassen kann. Am Mittwoch, 29. März, um 19 Uhr, findet in der Stadthalle Laufenburg der zweite Anlass zu diesem Thema statt. Die Teilnahme ist für HEV-Mitglieder kostenlos; es können jedoch auch Nichtmitglieder teilnehmen. (bz)
Anmeldung und weitere Informationen unter www.generationen-wohneigentum.ch


