Schulhaus Gansingen erhitzt die Gemüter
10.02.2023 GansingenAm 26. Februar fällt der wichtige Entscheid
Schulhaus-Neubau oder Sanierung des bestehenden Gebäudes? Das Thema ist derzeit omnipräsent in Gansingen. An der Urnenabstimmung entscheidet der Souverän abschliessend, ob er den Verpflichtungskredit über 8,925 Millionen Franken für den Bau ...
Am 26. Februar fällt der wichtige Entscheid
Schulhaus-Neubau oder Sanierung des bestehenden Gebäudes? Das Thema ist derzeit omnipräsent in Gansingen. An der Urnenabstimmung entscheidet der Souverän abschliessend, ob er den Verpflichtungskredit über 8,925 Millionen Franken für den Bau eines neuen Schulhauses gutheisst oder ob Gansingen in Sachen Schulhaus wieder auf Feld 1 zurück muss.
Bernadette Zaniolo
Mit 142 Ja zu 47 Nein und einer Enthaltung hiess die Gemeindeversammlung Gansingen in geheimer Abstimmung den Kredit über 8,925 Millionen Franken für den Schulhaus-Neubau am 11. November 2022 deutlich gut. In diesem Betrag sind auch die Kosten für eine Photovoltaik-Anlage und einen Regenwassertank eingeschlossen. Für diese Begehren wurden zuvor zwei Zusatzanträge aus der Versammlung gestellt und gutgeheissen. Innert der gesetzlichen Frist wurde das Referendum gegen den geplanten Schulhaus-Neubau von fast neun Millionen Franken eingereicht (die NFZ berichtete). Deshalb befindet der Gansinger Souverän an der Urnenabstimmung vom 26. Februar nochmals über den Verpflichtungskredit von 8,925 Millionen Franken für den Neubau eines Schulhauses inklusive Holzschnitzelheizung, Photovoltaikanlage und Regenwassertank.
«Grenzen der Belastbarkeit»
In den letzten Tagen haben sich Neubau-Befürworter und -Gegner in Stellung gebracht. Obwohl René Brodmann und seine Frau Claudia Büttner Brodmann nicht mehr dem Referendumskomitee (Mine und Michael Frei) angehören, sind sie klar gegen den Schulhaus-Neubau. Als Gründe gegen den Neubau führen sie die Bevölkerungsentwicklung an. «Der Schulhausneubau ist für mindestens 125 Kinder ausgelegt. Auch in 30 Jahren ist diese Schülerzahl bei gleichbleibendem Trend laut Statistik Aargau kaum erreichbar.» Die schon an der Gemeindeversammlung eingebrachten Bedenken in Sachen Finanzen teilen sie. Finanziell stosse die Gemeinde mit einem Schulhausneubau für knapp neun Millionen Franken «klar an die Grenzen der Belastbarkeit, es sind zukünftig kaum Reserven vorhanden.» Sie sind überzeugt, dass mit «einer Komplettsanierung, einem anderen Raumkonzept und baulichen Ergänzungen viele der gestellten A nforderungen, wie auch die Aspekte der modernen Unterrichtsformen erfüllt werden können.» Sie sind sich bewusst, dass dies nicht für zwei Millionen Franken realisiert werden kann, jedoch «für die Hälfte der Kosten des Schulhausneubaus durchaus machbar.»
Das Referendumskomitee Mine und Michael Frei bemängelt unter anderem, dass das Neubauprojekt «über keine Preisgarantie verfügt». So könnten die Erstellungskosten «durchaus bei 11 Millionen Franken liegen.» Sie führen auch an, dass ein Schulhausneubau keine Garantie sei, dass es zu keiner künftigen Schulauslagerung in eine Nachbargemeinde kommen könnte.
Gutes Schul- und ÖV-Angebot
Auf einem Flyer mit dem Titel «Gansingen braucht eine neue Schule, kein Flickwerk» wirbt eine Familie für ein Ja zum Schulhaus-Neubau. Schüler sollen im Schulhaus ausreichend Raum für den Unterricht und ihre individuelle Förderung finden. Der Kindergarten soll «nicht als Dauerprovisorium fortbestehen müssen. Das neue Schulhaus wird dafür eine Lösung bieten, die Renovation nicht.» Das gute Schulangebot und die Anbindung an den öffentlichen Verkehr seien für sie vor 15 Jahren der Grund gewesen, weshalb sie sich entschieden hätten von der Stadt aufs Land, nach Gansingen, zu ziehen. Für sie hätten die Steuern keine Rolle gespielt. In einem Zeitungsartikel (siehe NFZ vom Dienstag) und Flugblatt hält eine weitere Gruppierung fest: «Ohne Schule wird unser Dorf zu einem ‹Schlafdorf›». Und an die Adresse jener, die nun bessere Ideen und Vorschläge haben, lassen sie verlauten: «Seit 2017 laufen Abklärungen und Planung! Wo war Ihr Engagement in diesen sechs Jahren?»
Über 80 Schüler seit 2018
In der Abstimmungsbotschaft schildert der Gemeinderat nochmals die Beweggründe für den Schulhausneubau und die Entwicklung. 2014 wurde der 1000. Gansinger Einwohner gefeiert. Durch die grosse Bautätigkeit in den letzten Jahren ist die Bevölkerungszahl kontinuierlich auf 1094 (Ende 2022, 40 Personen mehr gegenüber Ende 2021) gestiegen. Ebenso habe die Schülerzahl von 67 im Jahr 2014 auf 83 im Jahr 2022 zugenommen. «Seit 2018 liegt diese dauernd über 80 Schülerinnen und Schüler.» Die steigende Bevölkerungszahl habe auch zu mehr Steuereinnahmen geführt. Der Steuerertrag stieg seit dem Jahr 2000 von 1,403 Millionen Franken um 1,594 Millionen Franken auf 2,997 Millionen Franken im Jahr 2022. (bz)
Bereits an der Gemeindeversammlung im November 2020 wurde im Zusammenhang mit der Genehmigung des Projektierungskredites angekündigt, dass die Investition «Schulhaus-Neubau» nicht ohne Steuerfuss-Erhöhung realisierbar ist. Mit dem Ja zum Budget 2023 hat die Gemeindeversammlung im November 2022 eine Steuerfuss-Erhöhung um fünf Prozent gutgeheissen. Die Steuerfusserhöhung ist bereits rechtskräftig.


