PETER SCHMIDS FRICKTALER CHECK
10.02.2023 Fricktal«Häxefüür»
Wie gut kennen Sie sich in unserer Region aus? Geografisch? Historisch? Allgemein? Machen Sie den Check!
In der Fasnachtszeit treiben es allerlei Wesen ziemlich bunt. Zum Beispiel Hexen.
Peter ...
«Häxefüür»
Wie gut kennen Sie sich in unserer Region aus? Geografisch? Historisch? Allgemein? Machen Sie den Check!
In der Fasnachtszeit treiben es allerlei Wesen ziemlich bunt. Zum Beispiel Hexen.
Peter Schmid*
Am 18. Februar ist es wieder so weit. Die zwanzigste Ausgabe des grenzüberschreitenden «Häxefüürs» wird unzählige Besucherinnen und Besucher in die Kleinstadt locken. Der Werbeflyer garantiert «schaurig schöne» Momente. Gruselige Gestalten werden sich punkt 19.11 Uhr auf den Nachtumzug begeben. Darunter Stadt-, Berg- oder Waldhexen, eskortiert von «Scholleriitere», «Chrüdderwieble» sowie allerlei Höllenbrut und Lumpenpack. Den Zaungästen soll gehörig Angst und Schrecken eingejagt werden. Oder sie haben selber Lust auf einen rauschenden Besenritt hinauf in den gespenstischen Nachthimmel. Die traditionsreiche Hexerei ist als Gaudi für Einheimische und Touristen gedacht.
Dabei gab es auch im Fricktal finstere Zeiten, in denen die Brandmarkung als «Teufelsweib» weniger lustig gemeint war. Etwa im 16. Jahrhundert, als Krankheiten und Hungersnöte wüteten und die Lebenserwartung unter 40 Jahren lag. Da brauchte es Schuldige. Es waren oftmals Frauen: zugewanderte, verwitwete, verarmte, die Opfer von Volkszorn und Aberglaube wurden. Sie waren hilflos den absurdesten Anschuldigungen ausgeliefert. Jede Hexe treibe es mit ihrem Teufel. Gemeinsam würden sie nachts ihr Unwesen treiben. Mit eigenen Augen habe man sie gesehen beim Höllenritt. Unzüchtig! Abartig! Sie hätten Kinder durch blosse Berührung krank gemacht, sie hätten das Vieh verseucht, Brände verursacht, Hagel, Dauerregen oder Frost heraufbeschworen und die Ernte vernichtet. Und so rief man ihn wieder, den Wasenmeister (eine Art städtischer Tierkadaver-Entsorger), der auch als Scharfrichter amtete. Seine gefragten Folterdienste wurden gemäss einer detaillierten Tarifliste gut entlöhnt.
In Rheinfelden wurden zwischen 1545 und 1624 62 Hexenprozesse abgehalten. 60 von ihnen endeten mit dem Urteil «Tod auf dem Scheiterhaufen». Das Risiko für weibliche Zugezogene war besonders hoch, während Rheinfelder Bürgerinnen weniger und männliche Einheimische kaum verdächtig waren. Das blutige Handwerk des Scharfrichters wurde von einer Generation an die nächste weitergegeben. Der Hexenwahn wütete manchenorts. Er forderte allein in der Schweiz etwa 10 000 Opfer. Im letzten Hexenprozess Westeuropas wurde Anna Göldi in Glarus am 13. Juni 1782 im Alter von 48 Jahren enthauptet.
Man mag einwenden: Alles lange vergangen. Begangen wurde das Unrecht dennoch! Und das Eingeständnis kam entweder gar nie oder sehr spät. So wurde Anna Göldi erst im Jahre 2008 offiziell rehabilitiert. Immerhin. Doch die Gewalt an Frauen bleibt traurige Realität. Und es scheint, dass das Jagdfieber nichts an Aktualität eingebüsst hat. Der Liedermacher Konstantin Wecker beschreibt es in seinem «Hexeneinmaleins» wie folgt:
Immer noch werden
Hexen verbrannt
Auf den Scheitern der Ideologie
Irgendwer ist immer
der Böse im Land
Und dann kann man als Guter
und die Augen voll Sand
In die heiligen Kriege ziehn
Zurzeit läuft der grandiose Film «the banshees of Inishering» (eine fiktive irische Insel) im Kino. Ist die Todesfee (banshee) schuld daran, wenn aus Freundschaft Zwietracht wird, wenn Unglück und Tod ein einfaches Dorf heimsuchen? Das bleibt ungewiss, aber das Dorf könnte überall sein.
Zu den heutigen Wettbewerbsfragen:
In welcher Kleinstadt findet am 18.2.23 das grenzüberschreitende «Häxefüür» statt?
Wie hiess die berühmte Familie, deren Mitglieder von 1582 an in Rheinfelden und später in der ganzen Schweiz als Scharfrichter wirkten? Hiess sie:
a) Walpurgis
b) Merlinger
c) Mengis?
Wissen Sie die Lösung?
Schreiben/ mailen Sie uns, in welcher Kleinstadt das «Häxefüür» stattfindet und wie die berühmte Scharfrichter-Familie hiess. Unter den richtigen Antworten, welche auf der Redaktion bis am nächsten Mittwoch eintreffen, verlosen wir einen Einkaufsgutschein im Wert von 50 Franken. Der Gewinner oder die Gewinnerin wird in der NFZ vom nächsten Freitag publiziert.
redaktion@nfz.ch
NEUE FRICKTALER ZEITUNG
Baslerstrasse 10
4310 Rheinfelden


