Feuriges Spektakel
28.02.2023 OeschgenDas lichterloh brennende Rad verzaubert die Zuschauenden in Oeschgen Jahr für Jahr aufs Neue. Der uralte Brauch des Scheibensprengens mit dem Feuerrad als Höhepunkt soll immer am ersten Sonntag nach Aschermittwoch die Wintergeister vertreiben.
Karin Pfister
Spektakulär wie immer: ...
Das lichterloh brennende Rad verzaubert die Zuschauenden in Oeschgen Jahr für Jahr aufs Neue. Der uralte Brauch des Scheibensprengens mit dem Feuerrad als Höhepunkt soll immer am ersten Sonntag nach Aschermittwoch die Wintergeister vertreiben.
Karin Pfister
Spektakulär wie immer: Die Flammen des vier Meter hohen Feuerrades loderten in den dunklen Abend hinein, während der kalte Wind über die Hügelzüge beim Bollhof in Oeschgen fegte. Beeindruckend war auch die Aussicht bis zur Kirche in Frick und auf der anderen Seite zu den Lichtern des unteren Fricktals.
«Sie fangen an, sie fangen an, das Rad dreht schon», hallten die Rufe durch die Dunkelheit und im Nu war die eben noch volle Scheibensprengerhütte, in der sich die Festwirtschaft befand, leergefegt. In sicherem A bstand zum Rad stand staunend das Publikum, während das Feuer entzündet wurde. Die Menschen schauten, das Rad drehte, die Funken flogen und stiebten während sich die Wintergeister verzogen. Obwohl seit den 70er-Jahren eine alljährliche Tradition, verzaubert das Feuerrad die Zuschauenden jedes Jahr aufs Neue.
Glühende Scheiben fliegen durch die Nacht
Das drehende Feuerrad ist der Höhepunkt des Scheibensprengens. Mit Anbruch der Dunkelheit werden die handtellergrossen Holzscheiben von der Rampe Richtung Ebene geschossen. 1000 davon stellen die Scheibensprenger jedes Jahr im Dezember her. Die Holzscheiben werden über dem Feuer zum Glühen gebracht und danach über die Rampe mit einer ähnlichen Bewegung wie beim Hornussen ins Tal geschleudert.
Der Wind am Wochenende war ein Vorteil. «Wenn der Wind stimmt, ist alles möglich», sagte Marcel Hauswirth, Obmann der Scheibensprenger und meinte damit die zurückgelegten Entfernungen. Die weitesten Scheiben f liegen jeweils bis zum Hohlenweg unten im Tal.
Die Scheibensprenger seien kein Verein, sondern ein «Wilder Haufen» von rund 20 Personen. Zwei davon, Xaver Reimann und Alois Furrer – beide 80 Jahre alt – wurden kürzlich in den Veteranenstatus befördert.
Das Scheibensprengen findet nicht nur in Oeschgen, sondern auch an andern Orten im alemannischen Raum statt. Ziemlich spontan seien drei Oeschger Scheibensprenger am vergangenen Samstagabend ans Scheibenfeuer nach Buggingen in Baden-Württemberg gefahren. Die Bugginger revanchierten sich mit einer vier Mann starken Delegation, welche am Sonntagabend in Oeschgen eintraf. «Das war alles sehr kurzfristig, aber es ist toll, dass es diesen Kontakt gib», sagte Marcel Hauswirth.
Die Holzscheiben und das Feuerrad scheinen ausserdem als eine der wenigen Veranstaltungen fast immun gegen Corona zu sein. Marcel Hauswirth erinnert sich: «2020 konnten wir das Scheibensprengen noch durchführen bevor dann die ganze Schweiz in den Lockdown ging.» 2021 habe man wegen den Corona-Massnahmen nur intern eine Miniversion abgehalten.» Ein riesiger Erfolg sei 2022 gewesen. Die Scheibensprenger hatten alles vorbereitet im Wissen, dass die Corona-Massnahmen die Veranstaltung eventuell im letzten Moment verhindern würden. «Dann hat der Bundesrat gelockert und wir hatten so viele Leute wie noch nie», so Hauswirth. Mit der diesjährigen Ausgabe sei man nun wieder beim gewohnten Publikumsaufmarsch angekommen. Marcel Hauswirth schätzt die kollegiale Stimmung beim wilden Haufen und beim Publikum. «Alle kennen sich. Es ist familiär.»




