Eine Strasse am Bahndamm? – Unnütz!
15.12.2022 FrickWie die Geschichte rund um den Fricker Bahnhof begann
Als 1871 mit dem Bau der Bözbergbahnlinie begonnen wurde, baten Gipf-Oberfrick, Wittnau, Wölflinswil und Oberhof um eine direkte Strasse ab der Bahnunterführung in der Gipf zum Fricker Bahnhof. Es dauerte fast 30 Jahre, bis die Dammstrasse um 1900 gebaut wurde.
Simone Rufli
Bahnhof Frick 2022: Die rückwärtige Erschliessung von Gipf-Oberfrick her bleibt bis auf Weiteres dem Velo- und Fussverkehr vorbehalten. Auf die Erschliessung für den Autoverkehr wird vorläufig verzichtet. Dem Entscheid gingen jahrelange Diskussionen voraus.
Bahnhof Frick vor rund 150 Jahren: Gerade erst gebaut, bewegt die Erschliessung von Gipf-Oberfrick her die Gemüter – und zwar ebenfalls über Jahre hinweg.
In einem Beitrag zum Bau der Bözbergbahn in den Jahren 1871 bis zur Inbetriebnahme 1875, nachzulesen in der Dorfchronik FRICK – Gestern und Heute Nr. 2/1987 und Nr.12/2014, schildert Autor Heinz Schmid eindrücklich, wie bereits Ende des 19. Jahrhunderts die Vorstellungen über die Funktion und Erschliessung des Fricker Bahnhofs auseinandergingen.
Mit Befremden reagiert
Als die Talgemeinden Gipf-Oberfrick, Wittnau, Wölflinswil und Oberhof Regierungsrat und Bundesrat anno 1874 ersuchten, es möge ab Gipfer Damm eine direkte Zufahrt zum Bahnhof Frick erstellt werden, reagierte die Gemeindeversammlung in Frick «mit Befremden» auf diese Forderung. In der Dorfchronik ist zu lesen: «Die Gemeindeversammlung beauftragte den Gemeinderat und die lokale Eisenbahnkommission, sich vehement dafür einzusetzen, dass dieses Projekt nicht zustandekomme und stattdessen eine Strasse 1. Klasse ab der Hauptstrasse (Coop-Kreisel, Anm. d. Red.) bis zum Bahnhof geführt werde.»
Mit Schreiben an den Regierungsrat wurde festgehalten, dass Frick sich «niemals an den Kosten einer unnützen Strasse Richtung Gipf beteiligen würde.» Für die Fussgänger aus Gipf-Oberfrick, Wittnau, Wölflinswil und Oberhof wurde 1877 dann auch nur ein Fussweg entlang des Bahndamms bewilligt. Für Fuhrwerke aus den Talgemeinden sei der kleine Umweg durch das Dorf zumutbar. Der Bahnhof diene schliesslich auch noch anderen Gemeinden an der Linie Basel-Zürich und müsse daher von der Hauptstrasse her zugänglich sein, so dass Frick, «als für alle Zeiten bedeutendste Ortschaft des ganzen oberen Frickthals», als Marktort und Zentrumsgemeinde gut zu erreichen sei.
Sticheleien unter Nachbarn
Nach den Gründen für Fricks ablehnende Haltung muss man nicht lange suchen. Sie werden weiter unten im Schreiben aufgeführt: Wölflinswil und Oberhof hätten keinen Rappen an den Bahnbau geleistet und Gipf-Oberfrick sei «trotz inständigen Bittens» nicht bereit, einen finanziellen Beitrag an die Bezirksschule Frick zu leisten – obwohl diese «ökonomisch sehr gut gestellte Filiale von Frick» das grösste Schülerkontingent an die Fricker Bez entsandte.
In der Dorfchronik ist weiter zu lesen, dass sich 1883 der Besitzer der Kienberger Gipsfabrik über den zweieinhalb Kilometer langen Umweg durchs Dorf beschwerte. Auf wiederholtes Drängen – und unter Kostenbeteiligung des Staates – wurde die heutige Dammstrasse um 1900 endlich gebaut; mit einem Steinbett, darüber Flusskies und zuoberst eine Schicht aus feinem Kies. 14 Jahre später, im Juni 1914, bemühte sich ein Regierungsrat persönlich nach Frick, mit dem Ziel, zu erreichen, dass parallel zum Ausbau der Landstrasse Frick-Wittnau der Abzweiger zum Bahnhof grob beschottert, bekiest und dann gewalzt werde. Weil Gipf-Oberfrick anstatt der geforderten 850 Franken nur 500 Franken an die Gesamtkosten von 4500 Franken beisteuern wollte, blieb die Dammstrasse weiter ungewalzt.

