Das «weisse Rössl» ist in der Neuzeit angekommen

  08.10.2022 Kultur, Rheinfelden

Auf der Fricktaler Bühne laufen die letzten Vorbereitungen

Es dauert nur noch wenige Tage, bis im Rheinfelder Bahnhofsaal die Premiere des Singspiels «Das weisse Rössl» über die Bühne geht. Die NFZ durfte bei einer Probe dabei sein.

Janine Tschopp

Ein Liebespaar sitzt auf der Bühne, beide schauen in den Mond, sie sind verliebt. Die beiden Chormitglieder der Fricktaler Bühne üben diese Szene nicht zum ersten Mal. Die Regisseurin Bettina Dieterle ist auch schon sehr gut zufrieden mit ihnen. Beim Gesang wünscht sie sich «noch ein bisschen mehr Groove» und bewegt sich selber groovig, um den beiden zu zeigen, was sie genau meint.

Vor über einem Jahr wurde Bettina Dieterle von der Fricktaler Bühne angefragt, die Regie für das «weisse Rössl» zu übernehmen. Schon bei den «lustigen Weiber von Windsor», welche 2019 aufgeführt wurden, war die Basler Schauspielerin, Kabarettistin und Regisseurin für die Regie verantwortlich. «Die Figuren neu zu denken» war eine Aufgabe, mit welcher sie sich bei der Inszenierung des Stücks auseinandersetzte. «Wir sind in der Neuzeit angekommen», sagt Bettina Dieterle, die das Stück etwas «entstaubt» hat. Sie spricht zum Beispiel das Frauenbild an, das sich seit 1930, als das Stück geschrieben wurde, stark verändert hat. Bei der Inszenierung hat Bettina Dieterle auch Wert darauf gelegt, das Potential der einzelnen Darsteller auszuschöpfen. So ist Solist Wolf H. Latzel, der Wilhelm Giesecke verkörpert, kein Grossindustrieller, sondern ein gef lohener Opernsänger, weil ihm die modernen Inszenierungen im Opernhaus nicht mehr gefallen haben. Beim Zitieren bekannter Opernstücke kommt das grosse gesangliche Talent des Baritons zum Tragen.

Stärkere Interaktion mit dem Publikum
«Wir spielen mit vielen erfahrenen Solisten, sonst wäre das nicht möglich», sagt Dirigent Christof Brunner. Er spricht von der grossen Veränderung, welche die Fricktaler Bühne dieses Jahr erstmals umsetzt. Das Orchester spielt nicht mehr vor der Bühne, sondern auf der Bühne hinter dem Ensemble (die NFZ berichtete). So sind Dirigent und Sänger Rücken an Rücken, und die Solisten sehen den Dirigenten lediglich auf dem Bildschirm. Dies erfordert von allen Involvierten viel Flexibilität, führt aber dazu, dass Solisten und Chor dem Publikum viel näher sind und mit den Zuschauerinnen und Zuschauern interagieren können.

Nicht nur die Neuplatzierung des Orchesters, sondern eine Operette per se bedeute eine Herausforderung, sagt Bettina Dieterle. Das Ensemble müsse toll singen, immer präsent sein und auch Klamauk umsetzen können. «Es hat viel mit Rhythmus zu tun», ist Dieterle überzeugt.

In den nächsten Tagen werden Solisten, Chor und das Orchester, bei welchem auch drei Schüler der Musikschule Unteres Fricktal mitwirken, weiterhin intensiv proben. Die Vorfreude des ganzen Teams, wenn es am 15. Oktober, um 19 Uhr mit der Premiere im Bahnhofsaal losgeht, ist gross. Intendantin und OK-Präsidentin der Fricktaler Bühne, Jeanne-Pascale Künzli, meint zur NFZ: «Das ganze Leitungsteam mit Regisseurin, Dirigenten, Ensemble und Orchester sorgt für ein so hohes Niveau, dass man die Produktion eins zu eins auch auf einer ganz grossen Bühne zeigen könnte.»


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