Von Sri Lanka ins Fricktal
01.05.2022 PersönlichSatheeswaran Suppiah fühlt sich hier zu Hause
Satheeswaran Suppiah fühlt sich in Maisprach sehr wohl. Er hat nach seiner Flucht aus Sri Lanka in der Nordwestschweiz seine neue Heimat gefunden. Zusammen mit seiner Gattin Nanthini führt er in Maisprach das Restaurant zum Kloster.
Hans Zemp
MAISPRACH. Seit dem 1. Juni 2013 führt das Ehepaar Nanthini und Satheeswaran in Maisprach das Restaurant zum Kloster. Vor seiner eigenen Geschäftsführung arbeitete er während drei Jahren in der Küche des «Klosters», wie das Restaurant in Maisprach genannt wird. Dies war denn auch der Grund, warum der Deal zur Übernahme klappte.
Der heute 51-jährige Geschäftsmann flüchtete 1991 von Sri Lanka in die Schweiz. In seiner Heimat wütete der Krieg und machte das Leben vor allem im Norden des Landes gefährlich. Und er stammt aus dem Norden. Dort arbeitete er im Geschäft seines Vaters als Zimmermann, machte Hausdächer und auch Möbel. Der unternehmungslustige Bursche bekam die Wirren der Zeit in seiner Heimat zu spüren und sollte auch für unbestimmte Zeit in den Militärdienst einrücken. Viele mussten dort dienen, bis sie starben. Das war aber nicht das Ding des Satheeswaran Suppiah und löste bei ihm Gedanken an eine Flucht aus. Er hatte gehört, dass die Schweiz ein gutes Land ist, darum war sein Ziel bald klar. Per Flugzeug erreichte er sein gewünschtes Zielland.
Nach seinen ersten Erfahrungen in der Schweiz befragt meinte er, es sei kalt gewesen. Er lebte damals ohne seine Familie allein hier und die Sprache war ihm total fremd. Heute versteht er gut Schweizerdeutsch. Die Sprache hat er sich selber angeeignet. Nach einem Jahr bekam er den Ausweis N und durfte so ins Arbeitsleben einsteigen. Dies war ihm enorm wichtig. Seither hat er denn auch ohne Unterbruch gearbeitet. Und weil ihm das Kochen so gut gefiel, war auch klar, was er machen wollte.
Die Schweiz wurde seine Heimat
Er ist gegenüber der Schweizer Bevölkerung dankbar. Er sagt, dass ihm Langeweile ein Fremdwort sei und die Leute zu ihm gut und nett seien. Seine etwas dunklere Hautfarbe sei nie ein Problem gewesen und er habe nie Ausgrenzung erlebt.
Satheeswaran Suppiah fand sein erste Stelle im Augarten im Restaurant Weiher. 1997 kam dann auch Nanthini in die Schweiz. Im gleichen Jahr heirateten die beiden. Seine Frau fand immer an den gleichen Orten wie er Arbeit: Er in der Küche, sie damals in der Raumpflege. Während acht Jahren arbeiteten die beiden in Rheinfelden im «Drei König» bevor sie den Weg für zwei Jahre nach Wallbach ins Hotel Schiff fanden. In all diese Zeit war die Küche sein Wirkungsfeld, sei es als Pizzaiolo, als Küchenhilfe oder als Koch. Besonders mag er die echte Schweizer Küche, vor allem aber die verschiedenen Röstis und Cordon Bleus.
Satheeswaran Suppiah mag die Leute, findet sie sympathisch. Anfänglich habe er zwar etwas Angst gehabt, aber heute sei alles tipptopp. Es gefällt ihm so gut, dass er das Restaurant zum Kloster gerne kaufen möchte. «Ich fühle mich wirklich daheim», meint er. Wohnhaft ist Satheeswaran Suppiah mit seiner Familie in Buus. Ein Erfolgsrezept ist für Satheeswaran die Arbeit zusammen mit der Familie. Der Familienbetrieb ist ihm im Kloster wegen der idealen Grösse möglich. Für den Erfolg sind aber auch die Gäste verantwortlich. Dafür ist er dankbar. Dankbarkeit kommt bei ihm beim Gespräch immer wieder deutlich zum Vorschein. Weil die Gäste aus dem Unteren Fricktal und dem Baselbiet bei ihm zum Znüni, Mittagessen und auch am Abend einkehren, ist er überzeugt, dass er einen Beitrag an das kulturelle Leben in Maisprach leistet. Und kulturelle Beiträge werden in der Baselbieter Gemeinde geschätzt. Bei ihm sollen sich Stammgäste, Vereine, Wandergruppen, Teilnehmer von Versammlungen und Familienfesten wohl fühlen. «Ich bin dankbar, dass ich das kann und dass ich so gut aufgenommen wurde», meint er überzeugt. In seiner Jugend hätte er anderes erlebt.
Seine schwierigste Zeit in der Schweiz
Während der Corona-Zeit musste Satheeswaran Suppiah während acht Monaten schliessen. Dies war für den aktiven Mann kein Grund, die Hände in den Schoss zu legen. Er baute ein Take-Away auf und betreibt dieses bis heute. «Gute Ideen sind gefragt und können sich halten», ist er überzeugt. Dennoch sehnte er die Rückkehr zur Normalität herbei.
Wenn man Satheeswaran fragt, was ihn besonders macht, lacht er und meint, dass ihm Fleiss und Ausgeglichenheit sehr wichtig seien. Ganz oben steht bei ihm aber der Familiensinn, das Miteinander, sowie die gemeinsame Arbeit mit seiner Gattin. Die Ansprüche seien hoch und er danke Gott für das, was er habe. Seit 25 Jahren ist er glücklich verheiratet und Vater eines Sohnes und zweier Töchter. Alle drei sind unterdessen ebenfalls im Erwerbsleben, was ihm wichtig ist. «Gemeinsam ist man stark und hat Erfolg», ist er überzeugt. Und das mache Freude und das Leben schön. Und weil ihm der Umgang mit den Pfannen nicht fremd ist, ist er stets bestrebt, seinen Gästen mit gutem Essen auch Freude zu bereiten. Für den Part des guten Kontakts mit den Leuten, leistet seine Gattin mit ihrer freundlichen Art ebenfalls einen grossen Beitrag. Und weil Satheeswaran nicht stur ist, wird bei der Arbeit der Rollentausch ebenfalls gepflegt.
Er hat auch Ziele
Nach seinen Zielen gefragt meint Satheswaaran, dass er und seine Familie gesund bleiben möchten. Die Familie sei ihm sein grösstes Heiligtum. Dass er auch in Zukunft Arbeit hat, ist ihm wichtig und dass er vielen Leuten Freude bereiten kann, steht ihm hoch im Kurs. Vielleicht kann er das Restaurant zum Kloster ja wirklich einmal kaufen. Heute arbeitet er sieben Tage die Woche. Vielleicht kann er später etwas mehr reisen und den Kontakt zu seinen Landsleuten intensiver pflegen. «Die Corona-Zeit soll aber nicht mehr kommen», wünscht er sich.

