«Wir brauchen Bünn-Wohnbaugenossenschaften unter der Verantwortung der Gemeinde Magden»

  07.04.2022 Magden

Gastbeitrag von Peter Haller*

Magden steht eine zukunftsweisende Referendumsabstimmung bevor. Was hat das Referendumskomitee überlegt und auch schon geschafft?

Eine oder mehrere Wohnbaugenossenschaften, in Verbindung mit der Gemeinde Magden und/oder mit sozialen Wohnbauträgern sowie einen oder mehrere geeignete Kaufrechtsverträge sind unterschriftsreif zu formulieren und innert nützlicher Frist zu unterzeichnen. Darin verpflichten sich unter anderem die Landeigentümer zu einem Verkaufspreis von lediglich 600 Franken pro Quadratmeter sowie die Kaufrechtsberechtigten zur Einhaltung der auferlegten Verpf lichtungen. Ein Kaufrechtsvertrag im Umfang von maximal 4500 Quadratmeter à 600 Franken pro Quadratmeter zwischen Landeigentümern und Gemeinde Magden liegt bereit zur Unterschrift und soll innert nützlicher Frist unterzeichnet werden. Und vielleicht kommt vor dem Abstimmungs-Wochenende auch noch ein weiterer Vertrag mit einem sozialen Wohnbauträger zustand.

Wie stellt sich im aktuellen Zeitpunkt die Situation in Magden an Hand einzelner Parameter dar?

Magden ist «gebaut»! Es stehen nur noch wenige überbaubare Flächen zur Verfügung. Die Preise für Liegenschaften oder Grundstücke sowie die Mieten sind in Magden extrem hoch. Weder junge Leute noch junge Familien können sich derartige Objekte überhaupt noch leisten. Und auch ältere Bewohnerinnen und Bewohner haben keinerlei Möglichkeiten innerhalb von Magden der aktuellen Lebenssituation angepasste oder geeignete Wohnräume zu finden. Die Spezialzone «Bünn» ermöglicht die Weichenstellung für eine nachhaltige Weiterentwicklung des Dorfes. Gelingt dieses nämlich nicht, so steigen als Folge der selbst verursachten Verknappung Immobilienpreise und Mieten weiter. Die Bevölkerungszahl sinkt weiter. Die Zahl der in Magden lebenden Familien sinkt und damit reduziert sich auch die Zahl der Schulkinder, und schliesst auch noch die Unterstufe in Magden. Die Poststelle ist schon geschlossen, und wann schliesst die Bank? Die abnehmende Kinderzahl kann auch die Kindertagesstätte treffen. Und was ist, wenn diese auch noch schliessen müsste? Die Bevölkerung wird älter und älter und beansprucht vielleicht immer mehr den Heimliefer-Dienst irgendeines Grossverteilers. Vielleicht schliesst dann auch noch der letzte Laden im Dorf. Eine äussert attraktive Busverbindung von Magden via Wintersingen nach Sissach rückt in utopische Ferne, und die beiden bereits an der K496 Wintersingerstrasse gebauten Bushaltestellen werden zum Sinnbild «herausgeworfenen Geldes der öffentlichen Hand». Hier wird der öffentliche Verkehr und dessen Attraktivität nicht nur zögerlich behandelt, sondern sogar aktiv verhindert. Und das soziale Leben oder die Vereine? Eine stagnierende oder sogar abnehmende Bevölkerungszahl hat letztendlich auch Auswirkungen auf ein aktives und umfangreiches soziales Leben sowie auf die Mitgliederzahlen in den Vereinen. Und zu guter Letzt sinkt dann auch noch das Steuersubstrat und damit reduziert sich auch der finanzielle Handlungsspielraum der Gemeinde Magden. Wie abschliessend und zusammenfassend zu vermuten ist: Nein-Sagen ist keine Lösung und schon gar nicht eine nachhaltige. Es braucht Mut zur Gestaltung der Magdener Zukunft, Neues zu denken und zu schaffen, und seine Kreativität walten zu lassen. Wer gestalten und sich damit auch den Herausforderungen der Zukunft stellen will, darf nicht im «business-as-usual-modus» verharren, sondern sollte sich eigentlich aktiv einbringen, und nicht nur Pläne zeichnen oder Reglemente schreiben lassen. Und dieser Vorwurf muss sich der Magdener Gemeinderat gefallen lassen. Man hat die Teiländerung der Nutzungsplanung sowie die Schaffung einer Spezialzone «Bünn» mit Gestaltungsplanpflicht verwaltet und nicht gestaltet. Die Einzonung «Bünn» war bereits im Jahre 2016 Gegenstand der Gesamtrevision der Nutzungsplanung und von der Gemeindeversammlung zur Überarbeitung an den Gemeinderat zurückgewiesen. Und dann wurden wieder einmal Varianten geplant und evaluiert. Über die Wichtigkeit der Zone «Bünn» für eine zukunftsorientierte und nachhaltige Entwicklung wurde kaum diskutiert. Auch die Ergebnisse des Mitwirkungsverfahren wurden «widerspruchslos» hingenommen. Und dann wurde das «Geschäft» an der Einwohnergemeindeversammlung vom 3. Dezember 2021 erneut traktandiert, und ging, wie der «Volksmund» so trefflich sagt, ganz einfach «den Bach ab»! Das sich daran anschliessend formierende Referendumskomitee Bünn ergriff gegen den Entscheid der Einwohnergemeindeversammlung erfolgreich mit 313 gültigen Unterschriften, bei einer notwendigen Zahl von 267 Unterschriften, das Referendum, und so kommt’s nun am 15. Mai 2022 zur Abstimmung für eine nachhaltige Weiterentwicklung des Dorfes Magden. Bau- und Nutzungsordnung § 4 bis: «Wohnbaugenossenschaften unter der Verantwortung der Gemeinde und/oder unter der Verantwortung sozialer Wohnbauträger müssen Teil einer nachhaltigen Lösung werden.» Der geänderten Bau- und Nutzungsordnung kann unter anderem entnommen werden: «Im Rahmen des gemeinnützigen Wohnungsbaus sind mindestens 30 Prozent preisgünstiger Wohnraum zu erstellen.» Wenn diese Formulierungen keinen «toten Buchstaben» bleiben sollen, muss man etwas dafür tun! Und was ist zu tun?

Zuzgen als Vorbild
Will man preisgünstigen Wohnraum schaffen, so stehen der Grundstückpreis und die Zweckdienlichkeit der zu erstellenden Bauten im Vordergrund. Ein Musterbeispiel dafür ist unter anderem die Wohnbaugenossenschaft Zuzgen (www.wobazu.ch) im Allgemeinen sowie deren Statuten und Reglemente im Besonderen dar. Auf diese Art und Weise können Grundstücke und Wohnobjekte der preistreibenden Spekulation entzogen werden. Und nur so schafft man genügend Wohnraum für junge Familien und Singles, Alte und Junge gleichermassen, Berufstätige Studis, Schülerinnen und Pensionierte. Über 60 Prozent wohnen heute in Einfamilienhäusern. Das neue Quartier bietet Alternativen zu den Einfamilienhäusern. Ein Angebot, das bislang fehlte und ein echtes Bedürfnis ist. Eine nachhaltige Planung und Realisierung ist erforderlich. Das Quartier ist naturnah, ökologisch und nachhaltig. Begrünte Flachdächer und ein Grünstreifen von zehn Metern am Siedlungsrand betten die zukunftsorientierte Wohnanlage harmonisch in ihr Umfeld ein. Auch die Lage zwischen Dorfrand und Zentrum ist äussert attraktiv: Die Erschliessung ist bereits gegeben und das Zentrum wird langfristig belebt. Das ganze Dorf profitiert von der einmaligen Lage des neuen Quartiers.

*Mitglied des Referendumskomitees (https://www.buenn-belebt.ch)

Das Komitee gegen die Einzonung des Gebiets «Bünn» in Magden erhält in einer nächsten Ausgabe der NFZ Gelegenheit, mit einem Gastbeitrag Stellung zu nehmen. Die Referendumsabstimmung findet am 15. Mai statt.


Meine Motivation

Ich wurde vor bald vierzig Jahren in Magden willkommen geheissen; Keine oder Keiner hat mir damals gesagt, für dich haben wir keinen Platz hier. Für mich ist die nachhaltige Weiterentwicklung von Magden eine Angelegenheit des Herzens. Kennen Sie das zur Jahrtausendwende von Urs Kaiser und Peter Haller der Magdener Bevölkerung geschenkte Buch «MAGDEN»? Eine Momentaufnahme vor mehr als zwanzig Jahren, macht deutlich, wie sich Magden schon immer entwickelt hat und auch weiter entwickeln wird.


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