«Die Überbauung des Bünn zerstört den Dorfcharakter von Magden»

  14.04.2022 Magden

Gastbeitrag von Regula Bachmann-Steiner* und Marion Eschler*

Am 3. Dezember 2021 lehnten die Stimmberechtigten der Gemeinde Magden an einer sehr gut besuchten Gemeindeversammlung die Einzonung des Bünn überdeutlich ab mit 267 zu 67 Stimmen. Dass trotz dieser klaren Ablehnung das Referendum ergriffen wurde, ist unverständlich.

Ein fragwürdiges Versprechen
Mit dem Versprechen auf preisgünstigen Wohnraum im Bünn versucht das Referendumskomitee nun die Einzonung zu erzwingen. Günstige Wohnungen im Bünn sind bei den aktuellen Landpreisen eine Illusion. Deshalb wird nun kurz vor der Abstimmung eine neue Lösung aus dem Hut gezaubert. Die Landeigentümer im Bünn sollen dem Gemeinderat 1400 bis 4500 Quadratmeter Land für einen Preis von 600 Franken anbieten, damit Wohnbaugenossenschaften und preisgünstiger Wohnraum realisiert werden kann.

Das Komitee spricht von Verträgen, die kurz vor dem Unterschreiben stehen. Sie vergessen aber zu sagen, dass der Gemeinderat bei einem Kauf von Land, das mehr als 1 Million Franken kostet, das Vorhaben der Gemeindeversammlung zum Beschluss vorlegen muss.

Wohnraum für eine Genossenschaft im Zentrum
Die Einwohnergemeinde Magden ist unter anderem im Besitz von Bauparzellen im Zentrum (zum Beispiel alter Werkhof, Areal alte Mühle). Hier liesse sich die Idee von einer Wohnbaugenossenschaft in der Grösse von deutlich mehr als 1400 Quadratmetern mit zahlbaren Wohnungen realisieren. Dafür ist keine übertriebene Einzonung von 26 000 Quadratmetern im Bünn nötig! Weshalb hat der Gemeinderat diese Lösung nicht in seine Planung einbezogen?

Massloses Wachstum
Mit der Überbauung des Bünn würde die Einwohnerzahl Magdens in den nächsten 10 Jahren um 10 Prozent wachsen. Das entspricht nicht dem klaren Wunsch der Bevölkerung nach moderaterem Wachstum. Magden wird sich auch ohne Bünn weiterentwickeln. Denn gemäss Raumplanungsgesetz, dem wir deutlich zugestimmt haben, sollen zuerst die bestehenden Reserven im Dorf genutzt werden. Mit einer sorgfältig geplanten Verdichtung kann neuer Wohnraum geschaffen werden, ohne eine für uns wertvolle Grünfläche am Dorfrand zu zerstören.

Gestaltungsplan bietet den Investoren einen grossen Spielraum
Voraussetzung für die Überbauung im Bünn ist ein Gestaltungsplan, der vom Gemeinderat beschlossen wird. Dieser erlaubt ein zusätzliches Geschoss, deshalb sind vier Vollgeschosse erlaubt und nicht nur drei, wie immer wieder behauptet wird. Auch Länge und Dichte der Bauten sind nicht vorgeschrieben, es ist also höchst wahrscheinlich, dass ein Quartier entsteht, das nicht zu den umliegenden Bauten und nicht zu Magden passt.

Ungelöste Verkehrserschliessung
Gemäss den Vorgaben des Aargauischen Richtplans dürfte das Gebiet Bünn gar nicht eingezont werden, weil das Gebiet die Voraussetzung einer genügenden ÖV-Erschliessung nicht erfüllt. Bereits 2009 wurde im Grossen Rat ein Postulat zur besseren Erschliessung von Magden eingereicht. Angedacht war eine Buslinie Rheinfelden-Magden-Sissach. Wegen der schlechten Kostendeckung lehnten die Kantone BL und AG diese Linie aber ab. Die wiederholt durch die Gemeinde untersuchte Erschliessung der Weihere wurde verworfen, weil die billigste Shuttle-Variante zu teuer war. Die Verkehrsproblematik sowie die Erschliessung des Bünn ist nicht gelöst. Sicher ist nur, dass wir weiterhin auf bessere Verbindungen warten und viele zusätzliche Autos die angrenzenden Quartierstrassen belasten.

Kein Gewinn
Wir sind der Überzeugung, dass dieses Mega-Projekt «Überbauung Bünn» den Dorfcharakter nachhaltig zerstört, jahrelange Baulärmbelastung für die Bevölkerung bedeutet, enormen Mehrverkehr auf den Haupt- und Quartierstrassen bringt und das Problem der Wasserversorgung im Sommer verschärft. Der günstige Wohnraum wird eine Illusion bleiben.

Wir empfehlen ein Nein zum Referendum Bünn
Ein Nein bedeutet, den Boden, eine unserer wichtigsten Ressourcen, zu erhalten.Ein Nein heisst, nachhaltig handeln und auch kommenden Generationen Gestaltungsspielraum überlassen.

*Mitglieder des Komitees «Nein zur Einzonung Bünn» www.4312.ch

Der Gastbeitrag des Komitees für die Einzonung des Gebiets «Bünn» in Magden wurde in der NFZ am 7. April publiziert. Die Referendumsabstimmung findet am 15. Mai statt.


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