«Wir müssen haushälterisch mit dem Boden umgehen»
29.03.2022 KaiseraugstRevision der Nutzungsplanung Kaiseraugst liegt öffentlich auf
Die Gemeinde Kaiseraugst kann kein zusätzliches Land einzonen. Am Donnerstag informierte der Gemeinderat über die Gesamtrevision der Nutzungsplanung.
Valentin Zumsteg
Das Interesse hielt sich in Grenzen: Nur rund 40 Bürgerinnen und Bürger waren der Einladung des Gemeinderates zur Informationsveranstaltung am Donnerstagabend gefolgt, 16 Leute verfolgten die Ausführungen per Live-Stream von Zuhause aus. Der Anlass markierte den Start der öffentlichen Auflage der Nutzungsplanung.
«Können keine weiteren Gebiete einzonen»
Die neue Nutzungsplanung soll wieder für rund 15 Jahre gelten. Die letzte Revision erfolgte 2004. «Wir haben also ein bisschen Verspätung», sagte Gemeindepräsidentin Françoise Moser. Das Ziel ist klar: Mit dem neuen Planwerk will der Gemeinderat «die Grundlage für eine positive Weiterentwicklung der Gemeinde legen», so Moser. Dabei soll kein zusätzliches Bauland geschaffen werden, im Gegenteil: Die Bauzone wird um 2,2 Hektaren respektive 1,25 Prozent verkleinert. Die grösste Auszonung erfolgt durch die Bereinigung einer Überlagerung von Bauzone und Naturschutzzone.
«Wir haben keine weiteren Gebiete, die wir einzonen können. Der Siedlungsdruck ist aber gross», betonte Françoise Moser. Deswegen soll nach Innen verdichtet werden. «Wir wollen die Quartiere ohne Verlust an Wohnqualität weiterentwickeln.» Ein Instrument dafür soll die Gestaltungsplanpflicht bei Zentren und grossen, unbebauten Arealen sein. Zudem ist das Instrument der Arealüberbauung neu schon ab einer Fläche von 2000 Quadratmetern zugelassen. Im Weiteren erhält einen Nutzungsbonus, wer mehr kleine statt wenige grosse Wohnungen realisieren will. «Ziel ist bei allem, dass wir mit dem Boden haushälterisch umgehen», sagte Moser. Das grösste Entwicklungspotential für die Gemeinde liegt im Bereich zwischen Bahn und Landstrasse. Dort befindet sich unter anderem das Recyclingunternehmen Thommen AG, das schon seit längerem auf der Suche nach einem neuen Standort ist. Wird ein solcher gefunden, könnte auf dem bisherigen Areal ein neues Zentrum für Wohnen und Dienstleistungen entstehen. Gemäss Moser sind dort auch höhere Gebäude denkbar.
«Archäologische Schutzzone»
Ein wichtiges Thema in Kaiseraugst mit seiner reichen römischen Vergangenheit ist die Archäologie: Vertreter der Kantonsarchäologie konnten sich bei der Erarbeitung der Revision einbringen: Zusätzlich wird neu in drei Bereichen (Kastell, Violenried und Gstaltenrain/Guggeregge) eine überlagernde «archäologische Schutzzone» geschaffen. In diesen Bereichen sind Bodeneingriffe ohne Zustimmung der Kantonsarchäolog ie nicht erlaubt. Ein weiteres Thema, das regelmässig für Diskussionen sorgt, sind die Mobilfunkantennen. Diese sollen, wenn immer möglich, in der Arbeitszone realisiert werden. Als zweite Priorität gilt die Zone für öffentliche Bauten und Anlagen und als dritte Priorität die Mischzone. In der Wohnzone sollen gemäss Moser Antennen nur aufgestellt werden, wenn sie für die Versorgung dieses Gebietes nötig sind. An der Infoveranstaltung gab es keine Diskussion, lediglich eine Frage zur «archäologischen Schutzzone» wurde gestellt. Die Revision der Nutzungsplanung liegt jetzt bis am 22. April öffentlich auf. Die Einwendungsverhandlungen sollen im Juni stattfinden. Wann die Vorlage der Gemeindeversammlung vorgelegt wird, ist derzeit noch offen. Wahrscheinlich aber im November 2022 oder sonst an einer separaten Gemeindeversammlung.

