Das Bünn in Magden soll Landwirtschaftszone werden
07.12.2021 MagdenUmstrittene Einzonung deutlich abgelehnt
Der Antrag des Gemeinderates hatte an der Magdener Einwohnergemeinde-Versammlung vom Freitagabend keine Chance: Mit 67 Ja zu 267 lehnten die Stimmbürger die Einzonung im Gebiet Bünn deutlich ab. Damit kommt das Land jetzt in die Landwirtschaftszone. Anwesend waren an der Versammlung 346 von total 2659 Magdener Stimmberechtigten.
Clara Willers
Eine mögliche Einzonung des Bünn bewog zahlreiche Magdener, ihre Meinung in den letzten Wochen in Form von Leserbriefen auszudrücken. Das Bünn wurde 1996 von der Gemeinde einer Übergangszone zugewiesen, um die Bauzone auf ein rechtskonformes Mass zu reduzieren. Eine Einzonung des Bünn wurde an der Magdener Gemeindeversammlung vom 17. Juni 2016 an den Gemeinderat zur Überarbeitung zurückgewiesen. Am vergangenen Freitag konnten die 346 Stimmbürger, die an die Gemeindeversammlung kamen, erneut über eine Einzonung abstimmen. Als Chance für Wohnraum von 250 bis 300 Personen, insbesondere für günstige und altersgerechte Wohnungen an zentraler Lage, wurde die Einzonung vom Gemeinderat präsentiert. Erschwingliches Wohnen für Jüngere und Ältere war denn auch einer von zahlreichen Wünschen an der Zukunftskonferenz im Jahr 2007 und an der Ergebniskonferenz von 2008. Entgegen der von einer Bevölkerungsgruppe auf Flyern entworfenen Visualisierung, kämen «höhere als dreistöckige Wohnblöcke nicht in Frage», so Gemeindeammann André Schreyer. In der anschliessenden fast 90-minütigen kontroversen Diskussion wurde insbesondere deutlich, dass die Gemeinde, die nicht Landeigentümerin des Bünn ist, keine Garantie für günstigen Wohnraum geben kann. Manche Stimmen betonten ihr Misstrauen, gerade in Anbetracht der hohen Landpreise Magdens.
«Alibiübung» und «emotionale Abstimmung»
Einerseits wurden in längeren Beiträgen das Thema Bevölkerungszuwachs und ökologische Themen behandelt, andererseits wurde die Einwohnergemeindeversammlung auch als «Alibiübung» oder «emotionale Abstimmung» bezeichnet. Nicht nur Reden prägten die Diskussion über das Bünn, sondern selbst eine Power-Point-Präsentation wurde von Marco Petraglio für diesen Abend vorbereitet. Im Namen der SVP Magden sprach er sich für eine Einzonung aus. Auch Peter Müller als Vertreter der Partei «Die Mitte» setzte sich mit pointierten Argumenten für eine Einzonung ein. Die SP Magden forderte eine geheime Stimmabgabe, die jedoch von der Mehrheit der Versammlungsteilnehmenden abgelehnt wurde.
Schliesslich wurde die Vorlage mit 267 Ja gegen 67 Nein deutlich abgelehnt. Das Land wird nun der Landwirtschaftszone überwiesen. Es besteht jedoch noch die Möglichkeit eines Referendums. Dazu müssten innerhalb von 30 Tagen mindestens 10 Prozent der 2659 Magdener Stimmberechtigten, also 266, ein entsprechendes Begehren unterzeichnen.
Annahme des Budgets 2022 und Ehrung der abtretenden Schulpflege
Angenommen wurden die übrigen Traktanden, so auch das Budget 2022. Der Gemeinderat belässt den Steuerfuss unverändert bei 95 Prozent. Bei Investitionen von 2,1 Millionen Franken und einer Selbstfinanzierung von rund 600 000 Franken rechnet der Gemeinderat mit einem Finanzierungsfehlbetrag von zirka 1,5 Millionen Franken. Dadurch sinkt das Nettovermögen auf knapp sechs Millionen Franken. Gemeinderätin Carole Binder-Meury ehrte die Mitglieder der Schulpflege, die als Institution wie überall im Kanton Aargau abgeschafft wird. Sämtliche Aufgaben der Schulpflege liegen nun bei der Gemeinde. «Das operative Geschäft soll dort ablaufen, wo die Beteiligten täglich zusammenarbeiten, sprich in der Schule», sagte Carole Binder-Meury. Deshalb werde Magden den Grossteil der Geschäfte an die Schulleitung übergeben. Während die Anstellung der Lehrpersonen bei der Schulleitung liege, werde wiederum die Strategie der Schule, die bis dato Thema der Schulpflege war, an die Gemeinde gehen. Unterstellt ist die Schulleitung dem Gemeinderat.
Verabschiedung von Vizeammann Rudolf Hertrich
Besonders geehrt wurde der abtretende Vizeammann Rudolf Hertrich. Am 25. September 2005 in den Gemeinderat gewählt, amtete er 16 Jahre lang im Gemeinderat, davon fünf Jahre als Vizeammann. Er war zehn Jahre Präsident des Abwasserverbands Rheinfelden-Magden und acht Jahre Mitglied der Controllinggruppe Repla Fricktal. Bei vielen Projekten engagierte er sich, unter anderem beim Projekt von Tempo 30, beim Neubau des Dorfplatzes 2011, bei der Sanierung der Wintersingerstrasse, beim Bauprojekt des Neuen Bauamtes Magden 2020, bei der Planung des Neubaus Werkhof und beim An- und Umbau des Feuerwehrmagazins. Die letzten beiden Projekte stehen für das kommende Jahr an. Sichtlich gerührt bedankte sich Rudolf Hertrich bei seiner Familie und insbesondere bei seiner Frau Elisabeth Hertrich für die grosse Unterstützung.

