«Schreiben ist manchmal ein Knochenjob»
04.10.2021 FricktalDer Fricktaler Phil Brutschi erzählt, wie sein erster Roman entstanden ist
Phil Brutschi (44) ist in Schwaderloch aufgewachsen, wohnt heute in Windisch und hat kürzlich seinen ersten Roman veröffentlicht. Der Weg dahin war nicht nur einfach.
Andrea Marti
Phil Brutschi ist kein Autor, wie man ihn sich halt so vorstellt: Er hat nicht Germanistik studiert oder schon fast sein Leben lang Texte geschrieben. Nein, das Schreiben, das wurde erst später zu Brutschis Leidenschaft.
Bevor er zum Schreiben kam, machte der 44-Jährige eine Lehre und studierte an der Fachhochschule Bauingenieurswesen. Erst danach begann er, erste Texte zu verfassen: Angefangen mit Songtexten für die damalige Band seines Bruders, schrieb er bald humoristische Sketches, Werbespots und schliesslich ganze Drehbücher. Das Schreibfieber hatte ihn gepackt – und so war auch der Gedanke an ein eigenes Buch bald nicht mehr weit. Über die Geschichte, aus welcher schliesslich sein Erstlingswerk «Grandhotel Giessbach» wurde, sprach er erstmals mit Freunden. Sie liess ihn nicht mehr los.
Spione im Grandhotel
Also machte sich Brutschi an die Arbeit: Er suchte nach einem Schauplatz für seine Geschichte (er fand ihn mit dem Grandhotel Giessbach im Berner Oberland), sprach mit dem Archivar des Hotels und las Bücher über die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, in welcher der Roman spielen sollte.
Im Zentrum der Geschichte steht die geheimnisvolle Orion-Gesellschaft, welche einen Deutschen Generalleutnant zu ihrem Kongress einlädt und nicht weiss, dass auch französische Spione mit dabei sind. Ebenso nichtsahnend wie die Geheimgesellschaft ist der Tüftler Carl Lohser. Er will am Kongress der Gesellschaft eigentlich nur sein Unternehmen vorstellen und ein paar Investoren gewinnen, gerät aber direkt in die Irrungen und Wirrungen der Verschwörung von Giessbach.
Schreiben trotz Risiko
Um die Geschichte der Orion-Gesellschaft zu Papier zu bringen, entschied sich Brutschi, nur noch Teilzeit zu arbeiten. Ein riskanter Entscheid: Ob sein Buch jemals erscheinen würde, wusste er damals noch nicht. Das spielte für den Jungautoren aber zu diesem Zeitpunkt auch noch gar keine Rolle. Er war zunächst getrieben von seiner Leidenschaft fürs Schreiben. Die Arbeit am Buch machte ihm Spass, aber manchmal, sagt Brutschi, «war das Schreiben auch einfach ein Knochenjob». Deshalb musste Brutschi während dem Schreibprozess noch vieles lernen: So gewöhnte er sich daran, die Arbeit am Buch nicht immer strikt zu planen, sondern auch mal zu improvisieren und Pläne zu ändern. Das wirkliche Schreibhandwerk, sagt Brutschi, habe er sich ebenfalls erst während der Arbeit am Roman angeeignet. Sobald er mit dem Buch begonnen habe, habe er auch anders gelesen: Er überlegte mehr, wie die grossen Autoren ihre Wirkung auf die Leser erzielen, versuchte herauszufinden, warum deren Bücher so spannend, gruselig oder berührend sind. Ausserdem musste der Autor feststellen, dass die Arbeit an einem Buch nicht nur das eigentliche Schreiben, sondern auch viel, viel überarbeiten umfasst. «Kein Text ist von Anfang an gut», ist Brutschi überzeugt.
Zwanzig Absagen vor der Annahme
Rund drei Jahre, nachdem er mit der Arbeit an «Grandhotel Giessbach» begonnen hatte, war das Manuskript fertig. Doch auch mit dem fertigen Manuskript in der Hand war die Arbeit noch nicht getan. Brutschi schickte seinen Roman an Verlage – erst an einen, zwei, drei, irgendwann an zwanzig. Erst dann hatte er Glück: Sein Buch wurde angenommen und veröffentlicht. Die Disziplin, die ihm das Schreiben manchmal abverlangt hatte und die Leidenschaft für seinen Roman hatten sich endlich ausbezahlt.
Voller neuer Ideen
Wenn Brutschi heute sein gedrucktes, fertiges Buch in der Hand hält, wirkt er stolz. Er hat es geschafft – nicht wie viele andere, sagt er, die ein Buch anfangen, aber nicht zu Ende bringen. Und nicht nur das: Brutschi arbeitet schon an einem zweiten Roman, sogar Ideen für einen Dritten hat er bereits im Kopf. Auch wenn der Autor also noch nicht als Kind vom Schreibfieber gepackt wurde: So schnell loslassen wird es ihn wohl nicht mehr.

