«Ich bin mit der Bibliothek gewachsen und die Bibliothek mit mir»

  01.10.2021 Rheinfelden

Während 35 Jahren hat Barbara Scholer die Stadtbibliothek Rheinfelden geführt. Jetzt geht sie in den Ruhestand – mit einem Gefühl der Dankbarkeit.

Valentin Zumsteg

Die beiden gehören einfach zusammen: Barbara Scholer und die Stadtbibliothek Rheinfelden. Während 35 Jahren hat Scholer diese Rheinfelder Institution geprägt. Der Abschied fällt der 63-Jährigen entsprechend nicht ganz leicht: «Ich spüre eine grosse Dankbarkeit, dass ich eine so wunderbare Arbeit an einem so schönen Ort so lange machen durfte.» Am 20. Oktober ist ihr letzter Arbeitstag, damit schliesst sich dieses grosse Kapitel ihrer Arbeitslaufbahn.

«Angenehme Leute»
Begonnen hat alles im November 1986. Barbara Scholer, gerade mal 28 Jahre alt, trat ihre Stelle als Leiterin der Stadtbibliothek an. Damals war die Bibliothek noch in der Rindergasse angesiedelt. «Ich hätte nie gedacht, dass ich so lange bleiben würde», sagt sie mit einem Schmunzeln. Es habe aber nie einen Grund gegeben, zu wechseln. «Ich machte regelmässig Standortbestimmungen. Dabei durfte ich jeweils feststellen, dass ich gerne bleibe. Ich konnte mit der Bibliothek wachsen und die Bibliothek mit mir. Es gab immer wieder neue Herausforderungen.»

Natürlich habe sie auch schwierige Zeiten erlebt, als es nicht vorwärts ging. Die Wertschätzung der Kunden habe sie aber über alles hinweggetragen. «Bibliotheksnutzer sind einfach angenehme Leute. Im Umfeld der Bücher habe ich mich immer geborgen gefühlt.» Den Weg als Bibliothekarin hatte sie als junge Frau eingeschlagen, weil sie immer über die Welt staunte und einen grossen Wissensdurst verspürte. Diesen wollte sie mit Büchern stillen.

Viele Veränderungen
Waren die Platzverhältnisse im Gebäude an der Rindergasse relativ bescheiden, konnte die Bibliothek 2015 einen grossen Sprung nach vorne machen. Damals erfolgte der Umzug in die neuen und grosszügigen Räumlichkeiten im umgebauten «Salmen» an der Marktgasse. «Das war ein Höhepunkt. Ich hätte nie zu träumen gewagt, dass wir einen solch fantastischen Standort erhalten. Alles passt hier zusammen.» Durch den zusätzlichen Platz sind vermehrt Veranstaltungen in der Bibliothek möglich – wenn nicht gerade Corona einen Strich durch die Rechnung macht. «Die Bibliothek soll ein öffentliches Wohnzimmer sein.»

Blickt Barbara Scholer auf die vergangenen Jahrzehnte zurück, so gab es viele Veränderungen: Die Digitalisierung hat Einzug gehalten, die Bedürfnisse der Kunden haben sich teilweise gewandelt. Heute bietet die Bibliothek auch E-Books und einen Streamingdienst für Musik an. «Das Buch wird aber nie verschwinden, davon bin ich überzeugt», sagt Scholer, die in Allschwil aufgewachsen ist und seit vielen Jahren in Basel lebt. Der Bibliothek, die neu von Isabelle Cladé geführt wird, wünscht sie weiterhin eine positive Entwicklung.

Fällt der Abschied nach so vielen Jahren auch nicht leicht, freut sie sich doch auf den neuen Lebensabschnitt. «Ich möchte mich viel in der Natur bewegen. Ich habe mir ein E-Bike gekauft, mit dem ich Streifzüge durch die Region geniesse.» Daneben singt sie in einem Chor und nimmt am Kulturleben teil. Und nicht zu vergessen: «Ich freue mich, dass ich jetzt abends lange lesen kann, ohne an das Aufstehen wegen der Arbeit am nächsten Morgen denken zu müssen.»


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