Einblick in die Bettlerszene des letzten Jahrhunderts

Di, 10. Aug. 2021
Die Schauspielerinnen und Schauspieler des Lehrertheaters Möhlin mit Regisseur Dieter Schlachter (links, untere Reihe) und Musiker Jannis Isenegger (links, obere Reihe). Fotos: Janine Tschopp

Lehrertheater Möhlin präsentiert «Die Dreigroschenoper»

Als die Idee aufkam, sei die Zeit immer schon zu knapp gewesen, diesen Klassiker bis nach den Sommerferien einzustudieren. Dieses Jahr, dank Corona, war ein bisschen mehr Zeit und das Lehrertheater Möhlin wagte sich an das bald 100-jährige Stück «Die Dreigroschenoper».

Janine Tschopp

Eine lange Durststrecke liegt hinter den Machern des Lehrertheaters Möhlin. Aufgrund von Corona durften sie letztes Jahr nicht spielen. «Seit der Gründung 1958 haben wir zum ersten Mal nicht aufgeführt», weiss Urgestein Dieter Schlachter, der bereits «zirka ein Dutzend» Mal Regie geführt hat und dies auch heuer tut.

Im August 2020 standen die Spielleute des Lehrertheaters Möhlin also ausnahmsweise nicht auf der Bühne, beschlossen aber, im Folgejahr «die Dreigroschenoper» zur Aufführung zu bringen. Der Klassiker sei in den letzten Jahren schon fast zum «Running Gag» geworden, wie Dieter Schlachter berichtet. «Immer im Frühling sagten wir: ‹Komm, wir führen ‹die Dreigroschenoper› auf.›» Für eine Aufführung nach den Sommerferien sei die Zeit aber jedes Mal zu knapp gewesen. «Dank» Corona blieb dieses Jahr zwischen der Entscheidung für den Brecht-Klassiker und dem Aufführungszeitpunkt genügend Zeit.

«Ein komplexes Stück»
«Das Stück ist recht komplex», sagt Schlachter. Dies in mehrerlei Hinsicht. Einerseits sei der Gesang sehr bedeutend. Entsprechend führte Daria Würz mit den Schauspielerinnen und Schauspielern bereits Ende 2020 Gesangsproben durch. Erst im Anschluss daran inszenierte Schlachter das Stück. Komplex sei «die Dreigroschenoper» auch, weil 13 Spielerinnen und Spieler involviert sind. Je mehr Schauspieler, desto schwieriger sei es für den einzelnen auf der Bühne durchgehend präsent zu sein. «Die Belastung fürs Team ist grösser», so der Regisseur.

Neben Stammschauspielern stehen dieses Jahr viele neue, und auch einige junge Spieler auf der Bühne. Dieter Schlachter freut sich, dass mit Jannis Isenegger auch für die Musik ein Junger gewonnen werden konnte. Es sei eine tolle Mischung, und das Verhältnis untereinander sei sehr gut. «Sie haben sich immer viel zu erzählen», scherzt der Regisseur, entsprechend müsse er während der Proben immer wieder einmal um Ruhe bitten.

Karton passt zur Bettleroper
Man spiele eine Bettleroper, also könne auch mit einfachen Materialien gearbeitet werden, erklärt die Produktionsleiterin Doris Becker. Entsprechend baute die Firma Smurfit Kappa für die Gestaltung des Bühnenbilds, welches einerseits aus einem Baugerüst besteht, Möbel aus Wellpappe. So sitzen die Schauspieler auf einem Kartonsofa und auf Kartonstühlen. Die Möbel werden für die verschiedenen Szenen durch die Spieler laufend umgestellt. «Es muss schnell gehen, damit das Publikum dranbleibt. Das erfordert einerseits Toleranz und Flexibilität der Zuschauer, aber auch Qualität der Schauspieler», betont Schlachter.

Obschon vieles schon vorbereitet war, entschied das Lehrertheater Möhlin aufgrund der Pandemie erst am 29. Juni, ob dieses Jahr tatsächlich gespielt wird. Nach dem definitiven Startschuss gab man dann «Vollgas», wie der Regisseur berichtet. Nach den Proben in der Schule konnte ab Ende Juli im Bata-Clubhaus geprobt werden. Worauf darf sich das Publikum bei Schlachters Inszenierung von Bertolt Brechts «Dreigroschenoper» einstellen? «Ich will kein Betroffenheitstheater machen», stellt der Regisseur klar. Mit dem Stück, in welchem der Konkurrenzkampf zwischen dem Ganoven Macheath und dem Bettlerkönig Peachum thematisiert wird, würden zwar Probleme aufgezeigt, aber hauptsächlich gehe es darum, zu unterhalten.


Einlass mit Ticket und Covid-Zertifikat

Die Premiere von Brechts Dreigroschenoper, welche das Lehrertheater Möhlin zur Aufführung bringt, findet am 21. August statt. Zudem wird am 25., 27. und 28. August sowie am 1., 3., 4., 8., 10., 11., 15., 17. und 18. September gespielt. Alle Aufführungen beginnen um 20.15 Uhr und gehen im Bata-Clubhaus in Möhlin (Bata-Park 1) über die Bühne. Einlass mit Ticket und Covid-Zertifikat (genesen, geimpft oder getestet). Weitere Informationen und Tickets unter www. lehrertheater.ch. Vorverkauf auch bei der Papeterie Isenegger, Riburgerstrasse 1, Möhlin. (jtz)

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