«Der Mutter vom Eintritt abraten, kann der falsche Entscheid sein»

Sa, 07. Aug. 2021
Das Alterszentrum Bruggbach in Frick. Foto: Simone Rufli

Während dank den Impfungen die Normalität weitgehend in die Pflegeheime zurückgekehrt ist, dominiert in der öffentlichen Wahrnehmung noch immer das Bild vom massiv eingeschränkten Leben aufgrund von Corona-Massnahmen. Mit der Pflegeheim-Kampagne will der Aargauer Gesundheitsverband (vaka) das Heim-Leben nun ins rechte Licht rücken. Die Kampagne ist aktuell auch im Fricktal weitherum sichtbar.

Simone Rufli

Sie stehen an vielbefahrenen Strassen, an Bahnhöfen und sind auf Bussen zu finden – die Plakate des Aargauer Gesundheitsverbands und wo sie auch hängen oder stehen, sie verfolgen überall das gleiche Ziel: das angeschlagene Image der Pflegeheime aufbessern. Oder wie es Andre Rotzetter, Geschäftsführer des Vereins für Altersbetreuung im Oberen Fricktal ( VAOF) und Spartenpräsident Pflegeinstitutionen vaka formuliert. «Die Kampagne hat das Ziel, das Bild zu korrigieren, das sich die Bevölkerung seit Ausbruch der Corona-Pandemie über das Leben in unseren Pflegeheimen macht.»

Noch sei es zu früh, um die Wirkung der Kampagne anhand von Rückmeldungen zu beurteilen. Die Plakate hängen seit Anfang Juli und noch bis Ende August. «Rückmeldungen bekommen wir zurzeit vor allem von den Medien», so Rotzetter. Ob die Kampagne den gewünschten Erfolg zeitige, werde sich erst später weisen. «Auf jeden Fall haben wir ein paar Politiker aufgescheucht. Sie haben das Gefühl, dass wir die Leute in die Heime locken wollen. Dabei geht es um etwas ganz Anderes», so Rotzetter. Es gehe darum, ein Bild in den Köpfen der Mensch zu korrigieren. Ein Bild, das mit der Realität nichts zu tun habe. «Viele Leute haben nach wie vor das Gefühl, dass die Bewohner in den Heimen eingeschlossen und eingesperrt sind.» Dass das Leben in den Alters- und Pflegeheimen ganz anders ablaufe, könnten sich viele nicht vorstellen. «Tatsächlich hat sich die Gefahr von Ansteckungen im gleichen Tempo reduziert, wie geimpft wurde.» Heute sei die Ansteckungsgefahr durch das Corona-Virus in den Pf legeeinrichtungen gebannt. Die Durchimpfungsrate in den Heimen liege bei 97 oder 98 Prozent.

«Das ist längst nicht mehr so»
«Wir möchten mit der Kampagne falschen Entscheiden entgegenwirken», so Rotzetter. Wenn er mitbekomme, dass Angehörige der Mutter nach einem Sturz davon abraten würden, in ein Heim einzutreten, dann müsse er einfach sagen, «das ist der falsche Entscheid, den die Angehörigen da treffen.» Wer heute noch behaupte, den Menschen in den Pflegeheimen gehe es aufgrund der Schutzmassnahmen schlecht, der missachte einfach die Fakten. Dass es zu Beginn der Corona-Krise starke Einschränkungen gegeben habe, dass auch Fehler gemacht wurden, stellt Rotzetter nicht in Abrede. «Aber das ist längst nicht mehr so. Bei Umfragen zur Zufriedenheit unter den Bewohnern können wir ja fast von kommunistischen Verhältnissen sprechen. So hoch ist die Zufriedenheit.»

Und noch etwas will der Geschäftsführer des VAOF klarstellen: «Das auf den Plakaten sind keine bezahlten Models. Das sind Heimbewohnerinnen und -bewohner, die aus Überzeugung mit ihrem Namen hinter ihren Aussagen stehen.» Die Pf legeheim-Kampagne wurde von einer Arbeitsgruppe mit Vertretungen aus den Aargauer Pflegeheimen zusammen mit der Geschäftsstelle der vaka konzipiert.

 

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