«Fast wie damals im Hallenstadion»

Do, 29. Jul. 2021
Sie waren gekommen, um zu geniessen – und um den Hofkiosk (links) einzuweihen.

Trionettli auf dem Sunnehof ob Hornussen

Wenn der Klang beim Soundcheck im Apfelbaum verschwindet, der sich als Mirabellenbaum entpuppt und ein Trio im Süden von Laufenburg ein Konzert gibt, dann wird ganz sicher ein Hofkiosk am Fricktaler Höhenweg eingeweiht.

Simone Rufli

Fragen hatte im Vorfeld niemand, was Sonja Wunderlin akzeptierte. Gabriel Kramer hätte gerne das Schlagzeug leiser gestellt, «wenn wir denn eins hätten». Und Marc Suter? Er suchte nach den Schlausten und fand sie unter den Jüngsten. Rund 50 Personen fanden sich am Dienstagabend hoch über Hornussen auf dem Sunnehof von Familie Schüttel ein zur musikalisch umrahmten Eröffnung eines roten Bauwagens, der sich ab sofort stolz Hofkiosk nennen darf. «Wir wollten es offiziell machen», erklärte Regula Schüttel auf die Frage, weshalb die Einweihung erst jetzt erfolgte, wo der Wagen doch schon eine Weile am Wegrand steht. «Die Leute trauten sich bisher nicht so recht, den Wagen zu betreten.» Diese Idee mit dem Wagen, wie kam es dazu? «Wie soll ich das sagen, sie ist nicht geboren, sie ist entstanden, und zwar in den Ferien.»

Nun steht er also da am Fricktaler Höhenweg und bietet Wanderern und Velofahrern Gelegenheit zum Verweilen. Je nach Wetter an lauschigen, schattigen oder regengeschützten Sitzplätzen, immer mit der Möglichkeit, etwas Regionales und Saisonales zur Verpflegung mit auf den Weg zu nehmen. Etwas mitnehmen durften an diesem Dienstagabend auch die Konzertbesucherinnen und -besucher: Fröhlichkeit, Leichtigkeit und den Klang vertrauter Schweizer Volkslieder, gesungen abwechselnd in allen Landessprachen. Das schöne Vögelein aus dem Wald (Bell üselin del bosch) es machte sich gut unter dem Baum. «Nein, das ist kein Apfelbaum», hatte Regula Schüttel noch vor Konzertbeginn korrigiert, als Gabriel Kramer beim Soundcheck den Klang im Apfelbaum verschwinden sah. «Das ist ein Mirabellenbaum». Das Üselin auf jeden Fall machte sich gut unter dem Baum. Sicher auch, weil das Trio auf einem Bauernhof zu Gast war, vor allem aber, weil Trionettli im Süden spielte. «Im Süden von Laufenburg passt etwas Tessinerisches», meinte Sonja Wunderlin und übersetzte den Gesang spontan simultan auf Papier. «Schön isch das Henneli», «Joli tambour», «le ranz des vaches» – Vertrautes in überraschender Form gesungen und interpretiert, dazu das Spiel mit dem Publikum und leider auch Probleme – gravierende Probleme. Heisst es «Maidrescher» oder «Mähdrescher»? Marc Suter wollte das ausdiskutieren.

Trotz grammatikalischer Differenzen war dann aber doch Harmonie in den Tönen. Lieder mit zwanzig Strophen, die nach fünf Strophen zu Ende waren, ein Publikum, das beim Singen des Refrains ganz leise ausser Rand und Band geriet, was die Drei zur Bemerkung veranlasste: «Fast wie damals im Hallenstadion.» Nur das Lied vom Tod spielten sie nicht, weil das nämlich nicht das älteste noch bekannte Schweizer Volkslied ist, «S’Vreneli ab em Guggisberg» aber eben schon. Und dann, als Petrus das Licht schon etwas zurückgefahren hatte, spielte es auch keine Rolle mehr. Zeit für ein Sauflied, ein welsches noch dazu. «Du musst die Gitarre nicht stimmen für das Sauflied», meinte Gabriel Kramer in Richtung Marc Suter. Dass es unter diesen Umständen für eine Zugabe reichte, das war nicht zu erwarten. Mit dem «Schacher Seppli» aber ging der Abend auf dem Sunnehof zu Ende.

Am Ende blieb der ungläubige Blick gen Himmel – es regnete tatsächlich noch immer nicht – und die Frage: Was hätte besser zu Trionettlis Programm in seiner geplant spontanen Art passen können, als eine Hofkiosk-Idee, die nicht geboren, sondern entstanden ist?

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