Vom Cockpit in den Küchenbus

Fr, 14. Mai. 2021
Bereit zum Durchstarten: Jean Kyburz und Roberta Turoldo Kyburz vor ihrem Kitchenbus. Foto: Valentin Zumsteg

Über 20 Jahre lang war Jean Kyburz Linienpilot. Jetzt betreibt er zusammen mit seiner Frau Roberta Turoldo Kyburz einen Food-Truck. Mit Gerichten aus aller Welt wollen sie den Kunden ein Lächeln aufs Gesicht zaubern.

Valentin Zumsteg

«Es macht süchtig, das Leben selber in die Hand zu nehmen», sagt Jean Kyburz. Der 51-Jährige ist sich gewohnt, am Steuerknüppel zu sitzen und die Richtung vorzugeben. Nach der Handelsschule und einigen Jahren im kaufmännischen Bereich verwirklichte er mit 27 Jahren seinen Bubentraum und wurde Pilot. Zuerst flog er für die Crossair, später für die Swiss. Mit 36 Jahren beschloss er, zusammen mit seiner Familie nach Dubai auszuwandern. Dort arbeitete er als Linienpilot für «Emirates». 2018 ging es zurück in die Schweiz, wo er für «Chair Airlines» im Cockpit sass.

«Etwas Neues suchen»
«2020 habe ich gekündigt. Wenn man seinen Bubentraum erfüllt hat, muss man sich irgendwann wieder etwas Neues suchen.» Das macht er jetzt. Zusammen mit seiner Frau Roberta Turoldo Kyburz, die im Eventbereich tätig ist, startet er an diesem Wochenende den «Kitchenbus 360°»; das Wirtepatent hat er in der Tasche. «Ich koche sehr gerne. Freunde haben immer zu mir gesagt, du solltest eigentlich einmal ein Restaurant eröffnen. Jetzt habe ich ein kleines Restaurant auf vier Rädern», sagt Kyburz mit einem Lachen. Beim Fahrzeug handelt es sich um einen smaragdgrünen Citroën HY Bétaillère, der aus den 1960er-Jahren stammt. «Wir haben ihn in Baden gekauft. Er war bereits mit einer Küche ausgerüstet», erzählen die beiden.

Ein Fahrzeug mit Geschichte
Kyburz ist ein Macher. Er imkert, braut Bier und liebt es, Lebensmittel zu fermentieren. «Ich bin sehr viel gereist und habe grosse Teile der Welt gesehen. Neue Kulturen lerne ich am liebsten über das Essen und die Küche kennen.» Das zeigt sich im Angebot des Food-Trucks. Gestartet wird an diesem Wochenende mit indischen Spezialitäten. Später sind Gerichte aus Hongkong, Mexiko oder den USA denkbar. «Unsere Kunden sollen kulinarisch reisen, ohne wirklich reisen zu müssen. Wenn sie nachher ein zufriedenes Lächeln auf dem Gesicht haben, sind wir glücklich.» Tatsächlich verbreitet der alte Citroën Ferienstimmung, egal, wo er steht.

Kyburz, der Wurzeln in der Romandie hat, ist in den USA und im Rheinfelder Augarten aufgewachsen. Seit die Familie zurück in der Schweiz ist, lebt sie mitten in der Rheinfelder Altstadt. «Das Städtchen ist wunderbar», findet Kyburz. Hier macht der «Kitchenbus 360°» seinen ersten Halt. An diesem verlängerten Wochenende wird er beim Roten Haus stehen. «Der Platz gegenüber der Schiff lände ist sehr schön», sagt Kyburz. Neben diesem Standort soll der Bus jeweils samstags beim Zähringerplatz anzutreffen sein.

Auch wenn der ehemalige Linienpilot künftig auf dem Boden bleibt, will er mit seinem «Kitchenbus» nochmals richtig durchstarten.

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