Viele Libellen stehen auf der Roten Liste

Sa, 10. Apr. 2021
Das Kleine Granatauge (hier im Paarungsrad) besiedelt seichte Teiche. Es ist eine von rund 80 Libellenarten, die in der Schweiz vorkommen. Fast die Hälfte steht auf der Roten Liste oder der Vorwarnliste. Foto: Hansruedi Wildermut

BirdLife Schweiz fordert besseren Schutz

Schon bald schlüpfen die ersten Libellen und erobern wie jeden Frühling den Luftraum über unseren Gewässern. Doch ein grosser Teil der Libellen steht auf der Roten Liste, weil unverbaute, saubere Fliessgewässer mit grossen Auen rar geworden sind. Auch mangelt es an nährstoffarmen Stillgewässern und Feuchtwiesen.

Den Libellen geht es in der Schweiz nicht gut: Von den 76 als heimisch nachgewiesenen Arten sind inzwischen drei ausgestorben, 30 werden nach neuen Einschätzungen verschiedenen Gefährdungsstufen zugeteilt, nur 42 gelten noch als «nicht gefährdet». Für eine Art sind die Datengrundlagen für die Einstufung ungenügend.

Libellen sind für die Fortpflanzung auf Gewässer angewiesen. Während einige Arten sich in vielen verschiedenen Lebensräumen entwickeln können, sind andere auf ganz bestimmte Gewässertypen wie z. B. Quell- und Moorgewässer, subalpine und alpine Bergseen, Kiesgruben mit Pioniercharakter oder Fliessgewässer spezialisiert.

Vielerorts sind diese Lebensräume jedoch gefährdet. Fliessgewässer sind kanalisiert und deren Auen mit immer wieder neu entstehenden Pioniergewässern und verlandenden Altarmen weitgehend zerstört worden. Es braucht grosse Räume für Revitalisierungen, damit solche Lebensräume wieder entstehen können. Teiche in Mooren und im Kulturland sind oft durch den Eintrag von Pestiziden und Dünger in ihrer Qualität stark beeinträchtigt. Ökologisch ausreichende Pufferzonen müssen daher endlich ausgeschieden werden. Extensiv genutzte Magerwiesen, Buntbrachen und Waldränder werden von vielen Arten als Landlebensräume und vor allem bei der Nahrungssuche genutzt. Die erwachsenen Libellen ernähren sich von Insekten aller Art und sind somit ebenfalls durch das Insektensterben beeinträchtigt.

Ökologische Infrastruktur für Libellen dringend nötig
Am Beispiel der Libellen lässt sich eindrücklich zeigen, dass eine willkürliche Anzahl und Verteilung beliebiger Gewässer nicht ausreicht, um sie zu erhalten. Es braucht ein Netz an Gewässern geeigneter Grösse und Qualität, um den Lebensraumansprüchen der einzelnen Arten gerecht zu werden.

Die Ökologische Infrastruktur ist eine Generationenaufgabe in einem so dicht besiedelten Land wie der Schweiz, wo vor allem Ansprüche der Landwirtschaft mit Ansprüchen der Biodiversität oftmals kollidieren. Die Schweiz braucht daher eine Landwirtschaftspolitik, die beides unter einen Hut bringt, da sonst auch die vielen Ökosystemleistungen eines Tages nicht mehr gewährleistet sein werden. BirdLife Schweiz engagiert sich für die Umsetzung der Ökologischen Infrastruktur, für ausreichende Räume für Gewässer und für eine naturnahe Landwirtschaftspolitik. (mgt)

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