«Ich ging schon zu Goar, da hatte ich noch nicht mal Haare»

Do, 29. Apr. 2021
Goar Treier, hier mit Kunde und Freund Kurt Glaus, verabschiedet sich nach 53 Jahren aus dem Coiffeursalon. Foto: zVg

Ein letzter Schnitt – Ende der Ära Goar Treier

Von der Lehre bis über die Pensionierung hinaus hat Goar Treier sein ganzes Berufsleben als Coiffeur an der Hauptstrasse in Frick verbracht. Am Samstag macht er den letzten Schnitt – nach 53 Jahren. Langjährige Kunden erinnern sich.

Simone Rufli

Man muss sich das einmal vorstellen. Von 15 bis 68 im selben Beruf. Von der Lehre bis drei Jahre über die Pensionierung an derselben Adresse in Frick. Gut, einmal in seinem Berufsleben hat Goar Treier die Strassenseite gewechselt, kam nach wenigen Jahren aber wieder auf die rechte Seite zurück – Dorf aufwärts betrachtet. Am 7. Mai wird der Coiffeur aus Leidenschaft 68 Jahre alt. Diesen Samstag nun sagt er auch seinen letzten Kunden adieu.

Zwar hat er bereits im Juni 2018 das Geschäft offiziell seiner Nachfolgerin Elisa De Mori übergeben. Ganz auf hören mochte er damals aber noch nicht. Zwei, drei Tage die Woche arbeitete er weiter im Betrieb. Für Elisa De Mori, die während sechs Jahren Seite an Seite mit Treier gearbeitet hat, war es stets eine erfreuliche Zusammenarbeit, wie sie gegenüber der NFZ betont.

Freude an jeder Begegnung mit Goar hatte auch Yves Welte. Ihm fällt der Abschied von seinem Coiffeur schwer. Für den 34-Jährigen, der keine hundert Meter von Goars Salon entfernt wohnt, gibt es nämlich bis heute nur diesen einen Coiffeur. «Schon mein Vater liess sich die Haare von Goar schneiden und ich begleitete meinen Vater schon, da hatte ich noch nicht mal Haare auf dem Kopf», Welte lacht. Und mit einem Ausdruck von Bewunderung bemerkt er: «Dass einer von der Lehre bis zur Pensionierung am gleichen Ort arbeitet und das immer mit Freude, das ist schon sehr beeindruckend.»

Bleiben werden Welte auch die vielen Geschichten, die er von seinem Coiffeur jeweils zu hören bekam. «Er hatte immer etwas zu erzählen. Manche Geschichten waren dramatisch und traurig, viele lustig.» Wie man es von manch einem seiner Berufsgattung kenne, sei Goar auch ein guter Psychologe. «Und trotz des Altersunterschieds wurden wir Kollegen. Immer wieder traf man sich an geselligen Anlässen, sei es am Strassenfest, am Jodlerfest oder einfach nach Feierabend zu einem Bier. Oft im «Adler» bei Kurt Glaus», erzählt Welte.

Zeit für einen Kaffee
Mit Kurt Glaus ist Goar Treier auch privat eng verbunden. Von 1970 bis 2014 hat Glaus zusammen mit seiner Frau Hanni während 44 Jahren im «Adler» in unmittelbarer Nachbarschaft zu Treiers Geschäft gewirtet. Zwei Jahre zuvor hatte Treier seine Lehre begonnen. Kurt Glaus erinnert sich noch heute gerne an die zwei bis drei Besuche täglich, die sein Kumpel, wie er Goar liebevoll nennt, jeweils in Begleitung von Kundschaft bei ihm im Restaurant gemacht hat. «Man musste sich bei ihm ja anmelden zum Haareschneiden und so konnte er es immer wieder einrichten, dass er Zeit für einen Kaffee hatte.» Und lachend erzählt Glaus, wie er von seinem Freund jeweils auf den nächsten Coiffeur-Termin aufmerksam gemacht wurde: «Jetzt isch denn öppe Zyt, dass de verbi chunsch», habe ihn Goar jeweils ermahnt, sobald seine Haare ein bisschen länger waren.

Auch Ueli Stettler liess sich bis vor wenigen Wochen von Goar die Haare schneiden. «Als ich 1994 nach Frick zog, wurde er mir empfohlen.» Stettler schmunzelt und fügt an: «Ich hatte damals noch eine recht aufwändige Frisur.» Seit 18 Jahren wohne er nun in Küttigen. «Aber ich sah nie einen Grund, den Coiffeur zu wechseln. Ich schätzte Goars Art, die Freude, mit der er seinen Beruf ausübte und ich war froh, dass er es noch über die Pensionierung hinaustat.»

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