«Die Leute verhalten sich ruhig und anständig»

Mi, 07. Apr. 2021
Centerleiter Patrick Stäuble führt seit 1. Oktober 2011 die Geschäfte des Shoppi Tivoli in Spreitenbach. Der Fricktaler lebt mit seiner Familie in Stein und nennt als Hobbys Fitness, Biken und den TV Stein. Foto: SHA

Interview mit Patrick Stäuble, Centerleiter und CEO Shoppi Tivoli

Seit bald zehn Jahren ist Patrick Stäuble Centerleiter im Shoppi Tivoli Spreitenbach. Der Fricktaler blickt trotz Corona positiv in die Zukunft.

STEFAN HALLER

Patrick Stäuble, wie ist Ihre Gefühlslage, nachdem alle Läden im Shoppi Tivoli, mit Ausnahme der Gastronomie seit März wieder offen sind?
Ich bin glücklich, dass wir wieder öffnen konnten. Auch beim Verkaufspersonal verspüre ich grosse Erleichterung, dass es wieder zur Arbeit kommen darf. Anfänglich waren einige vielleicht noch froh über mehr Freizeit, doch nach einigen Wochen war das sicher nicht mehr so. Auch in Gesprächen mit Kundinnen und Kunden spüre ich Freude. Bei allem Verständnis für die Vorsichtsmassnahmen ist die Lust, wieder einmal shoppen gehen zu können, sehr gross.

Die Mall gab in den Lockdown-Wochen ein ungewohnt unbelebtes, düsteres Bild ab!
Die vergangenen Wochen waren sehr schwierig. Der Aargauer Alleingang mit dem Lockdown kurz vor Weihnachten traf unsere Läden sehr hart. Die Einkäufe wurden bis Mitte Ja nuar entsprechend in die Nachbarkantone verlagert, das haben mir Centerleiter aus den Kantonen Zürich und Baselland bestätigt. Mit dem nationalen Lockdown war zwar die Wettbewerbsverzerrung aufgehoben, das tröstete uns aber wenig. Maximal 30 von total 150 Geschäften im Shoppi-Tivoli waren offen. Einige Bereiche der Mall und ganze Parkgeschosse mussten wir abriegeln, um Nebenkosten zu sparen. Im Januar und Februar verzeichneten wir noch 10 bis 15 Prozent der üblichen Kundenfrequenz.

Konnte der Lockdown auch für Arbeiten genutzt werden?
Genau, während des Lockdowns haben wir Unterhaltsarbeiten vorgenommen, die wir sonst ausserhalb der Öffnungszeiten hätten machen müssen. Einige Geschäfte wie C&A, H&M oder PKZ haben den Laden während der Schliessung umgebaut und erneuert. Diese Zeit konnte also auch positiv genutzt werden.

Wie verlief der Kundenandrang nach Aufhebung des Shutdowns?
Ich möchte betonen, dass sich die Leute sehr ruhig und anständig verhalten. Die Maskenpflicht wird praktisch vollständig und korrekt eingehalten, wie ich bei Rundgängen festgestellt habe. Die Kunden kommen jetzt vermehrt unter der Woche und zu Randzeiten, was von uns gewünscht und gefördert wird. Die Öffnungszeiten bis 20.00 Uhr kommen uns zugute.

Wie stellen Sie sicher, dass sich nicht zu viele Menschen gleichzeitig im Center aufhalten?
Über unser Kamerasystem wird die Anzahl der Anwesenden bestimmt, und via Parksystem steuern wir den Zustrom. Befinden sich zu viele Kunden vor Ort, wird der Einlass beim Parking gebremst. Bei den Eingängen neben der Post und beim Manor sind zusätzliche Sicherheitsleute postiert, die den Einlass kontrollieren. Zudem wurden sämtliche Sitzgelegenheiten im Mall-Bereich demontiert, und das Essen und Trinken ist untersagt. Sobald die Regeln missachtet werden, schreiten wir konsequent und rigoros ein.

Machen Sie sich aufgrund der Pandemie Sorgen, dass es im Shoppi Tivoli zu Leerständen kommt?
Nein, als flächenmässig grösstes und ältestes Ein kau fszentru m der Schweiz am Rande von Zürich sind wir attraktiv genug, um auch weiterhin gut im Markt zu bestehen. Die Pandemie wirkt aber sicherlich als Brandbeschleuniger für die Digitalisierung. Bereits heute findet eine Bereinigung im Schweizer Detailhandel statt. Ich gehe davon aus, dass in den kommenden Jahren ein Viertel bis ein Drittel der Verkaufsläden an sogenannten C- oder D-Lagen geschlossen werden könnte. Man hört, dass grosse Ketten zwischen zehn und fünfzehn Filialen dicht machen werden.

Wie kann das Shoppi Tivoli dem Trend des Online-Shoppings entgegenwirken?
Die Retailflächen dürften in Zukunft auch bei uns schrumpfen, da die Anbieter nur noch einen Teil ihres Sortiments vor Ort zeigen und den Grossteil online anbieten können. Wir werden mit neuen Gefässen reagieren, die den Mietern grössere Flexibilität bieten. Dazu zählt etwa eine Fläche, die fix für temporäre Pop-up-Stores reserviert ist.

Warum werden die Einkaufszentren auch in Zukunft ein grosses Publikum ansprechen?
Weil wir ein attraktives Gesamtpaket vor Ort anbieten. Der gute Mix in der Mall macht es aus. Einkaufen bedeutet viel mehr, als «nur» Lebensmittel und die Dinge des täglichen Bedarfs zu besorgen. Nebst dem Fokus auf Fashion-Anbieter und dem Grundangebot spielen Dienstleister aus den Bereichen Schönheit und Gesundheit wie etwa Coiffeure, Make-up-Artisten, Nagelpf legerinnen, Zahnärzte, Fitnesscenter, aber auch Kinos oder Versicherer als komplementäre Nutzung eine wichtige Rolle. Die Gastronomie dient zur Förderung der Aufenthaltsdauer und -qualität.

Warum ist das Shoppi Tivoli auch nach 51 Jahren noch der «Place to be»?
Ganz einfach, weil man sich bei uns wohlfühlt (lacht). Ich glaube, wir haben eine schöne Mall. Einmal liess sich ein asiatisches Hochzeitspaar sogar bei uns am schönsten Tag ihres Lebens ablichten. Und wenn ich Jugendlichen Hausverbote aussprechen muss, was vorkommt, können diese mir in einem Brief nach einem Jahr darlegen, warum sie sich gebessert haben. Dann dürfen sie nach einer Prüfung das Shoppi Tivoli wieder betreten.

Gibt es Ideen zur Belebung der Mall?
Ja, die gibt es! Ich hoffe, schon bald unsere beliebte Rolltreppen-Challenge wieder durchführen zu können. Weiter planen wir Aktionen wie einen «Woman’s Day» oder auch einen «Man’s Day». Eine Ausstellung von Blaulichtorganisationen ist geplant, wobei die REGA den Auftakt machen soll.

In Spreitenbach herrscht derzeit ein Bauboom. Profitiert das Shoppi Tivoli?
Davon bin ich überzeugt. In der Nachbarschaft wurde bereits ein Kino-Komplex realisiert, und unmittelbar in unserer Nähe entsteht eine Obi-Filiale. Mit der neuen Haltestelle der Limmattalbahn erhalten wir 2022 eine weitere attraktive Anbindung an den ÖV. Damit wird man uns noch umweltfreundlicher und rascher erreichen können.

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