Lesen in der Pandemie

Sa, 27. Mär. 2021
Das Team der Bibliothek Möhlin weibelte im Hintergrund, damit auch während des Lockdowns niemandem der Lesestoff ausging. Das Bild – aufgenommen vor Corona – zeigt Leiterin Andrea Fischler (von links), Colette Schneider, Nadja Soder und Hanke Nobbenhuis. Foto: Ronny Wittenwiler

Die Bibliothek Möhlin war zuletzt für viele Menschen eine seltene Abwechslung in einer schwierigen Zeit. Die Ausleihzahlen mitten in der Pandemie machen das deutlich.

Ronny Wittenwiler

Mit Maske und Abstand und auch mit etwas Distanz aufs vergangene Jahr lässt sich diesem 2020 doch noch etwas Positives abgewinnen. Ausgerechnet jenes unsägliche Jahr nämlich hat dem Team der Bibliothek Möhlin aufgezeigt, wie wertvoll «ihre» Institution für viele Menschen ist. Andrea Fischler, Leiterin der Bibliothek Möhlin, sagt: «Wir haben von vielen Leuten eine riesige Dankbarkeit erfahren, dass wir sie während Corona weiterhin mit Medien versorgen.» Zahlen aus dem Jahresbericht 2020 bestätigen, dass Fischlers Aussage mehr als bloss ein Gefühl ist.

Die Ausleihzahlen sind 2020 gestiegen
Trotz Lockdown im Frühling und einem zuerst vorsichtig-zögerlichem Besucheraufkommen im Anschluss daran konnte die Bibliothek Möhlin gegenüber dem Vorjahr die Ausleihzahl aller physischen Medien sogar leicht steigern – auf 50 789. Das ist umso bemerkenswerter, als dass diese leichte Steigerung nicht zulasten der elektronischen Medien ausfiel. Bei diesen e-Medien kam es im Pandemiejahr 2020 gar zu einer massiven Steigerung der Ausleihzahlen von über vierzig Prozentpunkten, von 7046 im Jahr 2019 auf 9927 im Jahr 2020. Nicht Corona allein sei diese Zunahme geschuldet, glaubt Andrea Fischler; dazu beigetragen hätte auch die eingeschlagene Informationspolitik. «So haben wir unsere Kunden gerade während des Lockdowns stets auf unser e-Angebot verwiesen und die Plattform ‹ebookplus› während der Schulschliessungen für alle Kinder und Jugendlichen aufgeschaltet.»

Lesefutter in der Pandemie
Die nackten Zahlen 2020 sind so etwas wie eine nüchterne Liebeserklärung an die Bibliothek. Von politischer Seite hingegen erhielt die Bibliothek die viel zitierte Systemrelevanz erst während des zweiten Lockdowns attestiert, als der Bundesrat erlaubte, die Bibliotheken mit Einschränkungen fürs Publikum offen zu halten. Beim ersten Lockdown im März 2020 erarbeitete das Möhliner Bibliotheks-Team innerhalb kürzester Zeit ein Konzept für einen kontaktlosen Takeaway. Fischler erinnert sich: «Von zu Beginn zwei Halbtagen, an denen das Telefon besetzt war, mussten wir bald einmal auf vier Halbtage aufstocken. Das Angebot wurde rege genutzt. Im Schnitt mussten sechzig Medien pro Ausgabetag herausgesucht, verbucht und auf den abgemachten Abholzeitpunkt vor der Bibliothekstür deponiert werden. Wir waren mehr als beschäftigt, unseren Kunden bei der Lesefutter-Zufuhr behilflich zu sein.»

Insgesamt hatte die Bibliothek Möhlin im vergangenen Jahr 750 Stunden für das Publikum geöffnet. Ob während dieser Zeit oder während der insgesamt acht Wochen im Frühlings-Lockdown mit Takeaway: Dieses verrückte 2020 hat mit der grossen Nachfrage gezeigt, dass viele Menschen die Bibliothek vermissen würden – wenn es sie nicht gäbe.

bibliothek.moehlin.ch

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