Grosses Bedürfnis nach Entlastung

  05.03.2021 Frick

Hätte das Coronavirus nicht alle Pläne über den Haufen geworfen, die Gäste in der Tagesstätte in Frick kämen bereits in den Genuss von längeren Öffnungszeiten. So aber läuft der Betrieb – trotz steigender Nachfrage nach Betreuungsplätzen – bis auf weiteres mit einem stark reduzierten Angebot.

Simone Rufli

Für gewöhnlich sind acht bis neun Gäste pro Tag in der Tagesstätte des Aargauer Roten Kreuzes willkommen. «Im ersten Lockdown im Frühling 2020 fuhren wir den Betrieb radikal herunter. Damals nahmen wir noch drei Gäste pro Tag auf. Jetzt sind es immerhin sechs», erklärt Astrid Schreiber, die Leiterin der Tagesstätte. Die rund 30 freiwilligen Betreuungspersonen werden noch einmal pro Woche an einem fixen Tag in einem festen Team eingeteilt und die beiden Angestellten gehen sich bei der Arbeit zurzeit aus dem Weg. «Vor Corona haben wir am Dienstag jeweils zusammengearbeitet. Jetzt arbeitet immer eine von uns im Homeoffice», so Schreiber. Alle Massnahmen haben ein Ziel: Durchmischung vermeiden und damit das Risiko von Ansteckungen mit dem Coronavirus reduzieren. Der einzige Mitarbeiter, der zurzeit täglich im Einsatz ist, ist ein Zivildienstleistender.

Weil die meisten Gäste in der Tagesstätte dement sind, besteht für sie keine Maskenpflicht. Die Betreuungspersonen aber tragen alle Masken. Von der benachbarten TexMask GmbH hatte die Tagesstätte im letzten Jahr 175 Stoffmasken als Spende erhalten. Ein Geschenk, über das sich Astrid Schreiber sehr gefreut hatte. «Inzwischen sind die Stoffmasken aufgebraucht. Jetzt tragen wir die normalen Einwegmasken.»

Singen fehlt
Ein grosser Verlust sei, so Schreiber, dass sie mit den Gästen zurzeit nicht singen könnten. Um nicht ganz auf den geliebten Gesang verzichten zu müssen, greifen die Betreuerinnen gelegentlich zum Tablet und veranstalten ein Wunschkonzert. Auch bei Gesellschafts-Spielen sei derzeit viel weniger möglich, erklärt die Tagesstätten-Leiterin. Was an Spielen benutzen wird, muss auch immer gründlich desinfiziert werden. «Schwierig ist es auch, unseren Gästen zu erklären, warum wir alle so oft die Hände waschen müssen, warum sie immer nach einer Stunde aufstehen müssen und wir das Zimmer durchlüften»

Astrid Schreiber hofft, dass sich möglichst viele ihrer Gäste gegen Corona impfen lassen. «Eine gute Durchimpfung würde viel erleichtern.» Mehr als eine Empfehlung aussprechen und auf Wunsch bei der Impf-Anmeldung helfen, kann Astrid Schreiber aber nicht. Dazu kommt, dass der Impfstoff noch immer knapp ist. Und so ruhen die Hoffnungen auf dem Sommer.

Von Anfang März bis zum Sommer ist es noch ein ganzes Stück steiniger Weg. Und das obwohl Astrid Schreiber sagt: «Das Bedürfnis nach Entlastung ist gross. Viele Angehörige sehnen sich seit langem nach einem Tag für sich allein und ich bekomme auch immer wieder Telefonanrufe von Angehörigen, die sich in einer Notfallsituation befinden und ganz dringend einen Tagesplatz benötigen.» Auch ohne Notfall ist die Situation für die Angehörigen schwierig. «Einige Gäste besuchen die Tagesstätte normalerweise zweibis dreimal pro Woche. Aktuell können sie nur einmal pro Woche zu uns kommen und es können erst noch weniger Personen aufs Mal betreut werden.» Und das obwohl erwiesen sei, dass sich die fehlenden Betreuungstage negativ auf die Entwicklung der Gäste auswirke. «Isolation tut diesen Menschen gar nicht gut. Wir beobachten, dass viele in den letzten Monaten stark abgebaut haben.» Umso wichtiger sei der stete Austausch mit den Angehörigen. Astrid Schreiber hofft, «dass wir im Sommer zur Normalität zurückkehren können und dann auch die verlängerten Öffnungszeiten anbieten können.»


Schwesternhaus und Kindergarten

Die Tagesstätte, die 2006 an der Maria-Theresia-Gasse in Frick eröffnet wurde, richtet sich an betagte oder demente Personen, die regelmässige Tagesstrukturen mit Betreuung benötigen. Getragen wird sie von der Benz’schen Stiftung zusammen mit dem Schweizerischen Roten Kreuz (SRK) Kanton Aargau.

Die Benz’sche Stiftung wurde 1905 in Frick gegründet und geht auf ein Legat der Familie Benz zurück. Mit dem Legat sollte Unterkunft für die Baldeggerschwestern, die von 1905 bis 2011 in Frick stationiert waren, geboten werden. Die Schwestern waren in der Krankenpflege und später auch in der Kinderbetreuung tätig. Im Mai 2011 sind die Schwestern ins Kloster Baldegg zurückgekehrt und die Gemeinde Frick hat per Ende August 2012 das Mietverhältnis für den Kindergarten aufgelöst. Im 2013 wurde das ehemalige Schwesternhaus für eine Wohngruppe der MBF (Menschen mit Behinderung im Fricktal) umgebaut.


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