Er ist Pferdeliebhaber und Biobauer

So, 14. Feb. 2021
Erwin Kalt ist bis heute gerne Bauer. Foto: Hans Zemp

Erwin Kalt mag seine Tiere und die Tiere mögen ihn

Wenn man auf dem Zuzger Urmishof das Auto abstellt, begrüssen einem zuerst die Hunde lautstark, das Rindvieh verweilt im Auslauf und Erwin Kalt legt die Arbeit nieder, um der Neuen Fricktaler Zeitung Red und Antwort zum «Persönlich» zu stehen.

Hans Zemp

Erwin Kalt liebte Pferde schon in seiner Jugend. Darum ist es nicht erstaunlich, dass er in den Jahren 1975 bis 1982 bei der Feldschlösschen Getränke AG mit den robusten belgischen Kaltblütern in der Region edlen Gerstensaft ausführte. Seine mit den Pferden damals und bis heute unfallfreie Zeit zeugt von einem gekonnt guten Umgang mit diesen Tieren. «Ich mag Pferde und den Umgang mit ihnen», meint der ruhige Bauer dazu.

Im Jahr 1983 hat Erwin Kalt den Urmishof von seinem Vater übernommen. Auf dem Milchwirtschaftsbetrieb standen damals zehn Kühe. Daneben wurde auf den zwölf Hektaren eigenem und den heute fünf Hektaren Pachtland noch etwas Ackerbau betrieben. In seinen Anfangsjahren führte Erwin Kalt den Betrieb so weiter, wie dies sein Vater schon machte. Milchwirtschaft mit typischen Zweinutzungskühen (Milch und Fleisch) sowie Ackerbau brachten ihm den Taglohn. Er meint zu dieser Zeit: «Ich hatte nie Hochleistungskühe und mehr auf das Zweinutzungsrind gesetzt.» Heute begegnet man auf dem Hof des Erwin Kalt vielen verschiedenen Tieren. Da sind nicht nur die Hunde. Auch Katzen wohnen auf dem Hof. Der Pferdefreund Kalt besitzt zwei eigene Pferde, ein Maultier und zwei Esel. Zwei Pensionspferde haben auf dem Urmishof ebenfalls ein Daheim gefunden.

Im Jahr 1990 stellte Erwin Kalt auf die biologische Bewirtschaftung seines Betriebes um. Schon als Kind hätte er diese Bewirtschaftungsform im Hinterkopf gehabt. Mit dem Besuch verschiedener Biobetriebe und von Kursen holte er sich das Know-how für diese Bewirtschaftungsform. Weiteres Wissen fand er in der Fachpresse. Die Umstellung sei für ihn aber gar nicht so einfach gewesen. Es waren da viele Dafürs und Dawiders abzuwägen. «Am Schluss sagte ich mir: Das mache ich und fertig», blickt er zurück. Und diese Umstellung gelang von Beginn weg ganz ordentlich. Die Misserfolge hielten sich in Grenzen.

Die Tiere müssen es gut haben
Anfänglich sei auch ein richtiger Run auf seine Biomilch gewesen. «Man hat sie mir beinahe aus den Fingern gerissen», so der Rückblick. Er hätte noch viel mehr davon brauchen können, wollte aber diese Leistungsseite der Kühe nicht forcieren. Die Milch, die er nicht direkt vermarktete, wurde abgeholt.

Ein wichtiger Betriebszweig sind heute seine zwölf Mutterkühe, zehn von ihnen mit Kälbern. Hinzu kommt ein Limousin-Stier. Mit diesen Einkreuzungen erhalten seine Mastkälber die gewünschte Fleischqualität. Auf Mutterkuhhaltung umgestellt hat Erwin Kalt vor rund zwanzig Jahren. Mit ein Grund sei gewesen, weil er die Auf lage erhielt, seine Jauchegrube zu sanieren. Auch das Abholen der Milch war immer weniger gewünscht. «Die Umstellung zur Mutterkuhhaltung stimmt für mich. Der Fleischpreis ist in Ordnung, obwohl er nicht mehr so viel höher ist als bei den traditionellen Masttieren. Aber wichtig ist, dass es die Tiere bei uns gut haben.»

Wenn Erwin Kalt zurückblickt, ist die Umstellung auf den biologischen Landbau eine Frage der Überzeugung und der Einstellung gewesen. Es war ihm ein Anliegen, den Chemieeinsatz von seinem Hof wegzubringen. Darum sei es für ihn leichter gewesen, auch wenn sich der breitblättrige Ampfer in den Getreidefeldern wohl fühlte. «Der natürliche Umgang mit Natur und Tier ist halt für mich eine Philosophie und tat darum auch nicht weh», meint er. Lachend erzählt er, dass er damit begonnen habe, bevor dafür Direktzahlungen ausgeschüttet wurden. Das sei erst zwei Jahre später gekommen. Aber es mache Freude, Biobauer zu sein.

Wichtig sind ihm aber auch die 500 Legehennen auf seinem Hof. Diese bleiben ein Jahr lang bei ihm, bevor sie weggehen. Kürzlich konnte in der NFZ gelesen werden, dass die ausgestallten Hühner bei andern Bauern oder Privatleuten Asyl erhalten haben und dort die Fortsetzung ihres Lebens fristen dürfen. Die grössten Feinde der Hühner auf dem Hof seien die Milane und der Fuchs. Nur zu gerne holen sich diese auf der grossen Weide ihren Futterschmaus.

Der Betrieb ist auf verschiedenen Standbeinen
Für Erwin Kalt ist es wichtig, dass sein Betrieb auf verschiedenen Standbeinen steht. Dies gebe ihm eine gewisse Sicherheit. Seine Vorlieben bleiben aber die Pferde. Mit ihnen macht er auf den Getreidefeldern Unterhalts- und Pflegearbeiten, oder er setzt sie beim Holzen ein. Aber nicht nur das. Im «Gesellschaftswagen» zeigt er Leuten von seinem Fuhrwerk aus seine Heimat.

Erwin Kalt ist gerne Landwirt. «Ich habe den richtigen Beruf gewählt», sinniert er erneut. In seinem Beruf geniesst er viele Freiheiten. Die industrielle Landwirtschaft sei nicht sein Ding. Heute hätten zwar viele Nichtlandwirte ihr Bewirtschaftungskredo und sähen dieses gerne umgesetzt. Ob dies sinnvoll zu machen sei oder nicht, spiele keine Rolle. Auch wenn die Erträge beim Biolandbau tiefer liegen, leiste man einen Beitrag an die Biodiversität. Und die grössere Vielfalt mache Freude.

Im nächsten Jahr möchte er den Betrieb altershalber seinem Sohn übergeben und es würde ihn freuen, wenn der so viel Erfolg hätte, dass seine Freude nicht verloren geht und ihm das Überleben gesichert bleibt.

Erwin Kalt als Familienmensch
Der mit Beatrice verheiratete Bauer ist Vater von vier Töchtern und drei Söhnen. Wenn man Erwin Kalt auf seinem Hof besucht, ist es heute ruhig geworden. Söhne und Töchter wohnen und arbeiten auswärts. Er und seine Gattin besorgen den Hof und freuen sich darauf, wenn die Grosskinder bald in der tollen Umgebung auf dem Berg ihre Zeit verbringen werden. Klar dürfe er noch mit der Hilfe seines Nachwuchses rechnen, wenn Bedarf da ist. Erwin Kalt schätzt Besuch sehr. Das friedliche Beisammensitzen und Diskutieren, besonders im Sommer vor dem Haus, ist ihm ein wichtig Gut, das nicht fehlen darf. Der ruhige Ort, der Urmis, ist die beste Umgebung dafür.

«Ich hatte das Leben bis jetzt eigentlich so, wie ich es wollte, bin zufrieden und will nicht jammern», blickt er zurück.

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