Direkt aus der Tüfelschuchi bis in die Liebrüti

Mi, 27. Jan. 2021
Die Kapelle beim Flurnamen Leidikon, früher stand hier am Wasserlauf sogar eine Mühle. Der Name weist auf eine ehemalige alemannische Siedlung hin. Foto: Beatrice Hofmann

Neue Serie über Fricktaler Flurnamen

In «Mümpfeli us em Brotchörbli» werden Flurnamen-Leckerbissen aus dem Chörbli erklärt. Brotchörbli ist dabei eine Anspielung auf den Flurnamen Brotkorb, der im Fricktal dreifach vorkommt.

Beatrice Hofmann

Tschuepis, Zwidellen oder Rampert – Namen von Flurnamen klingen zuweilen etwas seltsam. Bei vielen Flurnamen ist aber die ursprüngliche Bedeutung noch gut verständlich. Bei der Grossmatt (Hornussen) handelt es sich um eine grosse Matte, der Chrummacher (Gipf-Oberfrick) zeichnet sich durch seine krumme Geländeform aus, die Moosmatt (Gansingen) charakterisiert feuchtes Mattland und auf der Schofmatt (Laufenburg) weideten früher Schafe.

Alte schweizerdeutsche Ausdrücke als Relikte
Flurnamen bezeichnen kleine Landschaftsteile; sie geben etwa Wäldern, Wiesen oder Äckern ihre Namen und helfen somit den Menschen, sich im Raum zu orientieren. Sie geben Auskunft über deren Nutzung (Geissacher in Schupfart), über die Vegetation oder Bestockung (Eichholz in Oeschgen) oder über die Ausdehnung einer Flur (Grossacher in Kaisten). In der Regel werden Flurnamen von Generation zu Generation mündlich weitergegeben und enthalten dadurch oft ältere schweizerdeutsche Ausdrücke, die heute nicht mehr verstanden werden. Dazu gehören etwa die zahlreichen schweizerdeutschen Ausdrücke, die Feuchtgebiete bezeichnen. Etwa «Au», «Ei», «Schlatt» oder «Brüel». Flurnamen, die auf feuchtes Gebiet hinweisen, gibt es noch zahlreiche in der Landschaft, etwa der «Augarten» (Rheinfelden), die «Eimatt» (Kaisten), das «Schlattzelgli» (Laufenburg) oder «Brüel» (Herznach, Kaisten, Rheinfelden, Schupfart, Wallbach). Ebenfalls auf ein schweizerdeutsches Wort geht der Flurname «Tschuepis» (Möhlin) zurück, nämlich auf «Schuepis, Schueposs» und bezeichnet damit ein kleineres Bauerngut, im Schnitt in der Grösse von 12 Jucharten. Der Name ist bereits seit dem 15. Jahrhundert schriftlich überliefert und zeigte damals die Form «schupposs». Und auch die Jucharte ist ein heute nicht mehr verwendetes Flächenmass von ungefähr 27 bis 36 Aren. Einige Flurnamen gehen auch auf vergangene Siedlungen, die heute nicht mehr als Ortsnamen überliefert sind, zurück. Etwa der Name Leidikon bei Suhr, der auf eine ehemalige Siedlung verweist, in der die Sippschaft einer Person namens Laidolf gewohnt hatte. Die Endung -ikon weist dabei auf eine alemannische Besiedlung hin, die wohl im 6. und 7. Jahrhundert stattgefunden hat.

Zigeuner auf dem Heimetloseblätz
Um Grenzen geht es beim so genannten Heimetloseblätz, der an die drei Kantone Basel-Landschaft (Anwil), Solothurn (Kienberg) und Aargau (Wittnau) grenzte. Bis 1931 gehörte dieses Landstück zwar zur Schweiz, lag aber ausserhalb der Hoheitsgebiete der drei Kantone, da niemand Anspruch auf dieses steile Waldstück erhob. Auf diesem weissen Fleck auf der Landkarte suchten damals Heimatlose, Bettler und Zigeuner Zuflucht. Im Herbst 1931 wurde dann ein dreikantiger Stein in den Graben gesetzt und das Landstück unter den Kantonen aufgeteilt. Solche Grenzsteine waren und sind noch heute von grosser Bedeutung, wenn es um die Besitzverhältnisse von Landschaftsstücken geht.

Mit einem Philipp auf der Liebrüti
Und wie sieht es auf der Wüestmatt (Herznach) aus? Dass es weder dort noch in der Wüesti (Hornussen, Schupfart) hässlich oder besonders sandig ist, liegt daran, dass beide Namen aufs althochdeutsche Wort «wuest» zurück gehen, das öde, einsam, aufgelassen bedeutet. Wüst-Namen bezeichnen demnach Landstriche, die abgelegen liegen oder an denen einst besiedeltes Land aufgegeben wurde. Abgelegen liegt auch die Tüfelschuchi (Kaisten). Ob hier wirklich der Teufel am Werk ist? Als Bestimmungswort verweist Tüfel meist auf felsige und grabenartige, eingeschnittene Örtlichkeiten, die von der Bevölkerung als unheimlich und abgeschieden empfunden wurden. Meist auch schlecht begeh- und bewirtschaftbares Land. Dann also lieber in der Liebrüti als in der Tüfelschuchi verweilen? Lieb-Namen gehen entweder auf den Familiennamen Lieb zurück und würden so ein Besitzerverhältnis anzeigen oder aber bezeichnen eine ertragreiche und schöne Landfläche. Die Liebrüti in Kaiseraugst etwa zeigt jedoch im 19. Jahrhundert die schriftliche Form «Liprüti». Sollte diese Form stimmen und kein Verschrieb des damaligen Schreiberlings sein, dann bezeichnet der Name eine Rüti – also eine Rodung – die einer Person namens Philipp gehörte, denn Lip ist eine Koseform des Personen- oder Familiennamens Philipp. Klärung kann hier aber nur ein Gang ins Archiv geben.

Fragen fürs Brotchörbli stellen
Die Serie «Mümpfeli us em Brotchörbli» wird Flurnamen-Leckerbissen aus dem Chörbli erklären. Brotchörbli ist dabei eine Anspielung auf den Flurnamen Brotkorb, der im Fricktal dreifach vorkommt. In Stein und Zeihen sowie historisch in Magden, jüngst in einem Beleg von 1764. Mit Brotkorb werden Fluren bezeichnet, die auffällig ertragreich sind; so sehr, dass mit dem Ertrag metaphorisch ein ganzer Brotkorb gefüllt werden kann. Aber auch die spezielle Korbform kann namengebend gewesen sein. In diesem Fall bezeichnen solche Flurnamen korbartige Mulden im Gelände.

Möchten Sie jetzt nun auch noch wissen, was die Namen Zwidellen, Rampert oder eines sonstigen, Ihnen bekannten Flurnamens bedeuten, dann fragen Sie nach.


Beatrice Hofmann erforscht mit dem Verein Aargauer Namenbuch die Aargauer Flurnamen und ist im 2021 im Fricktal unterwegs. www.aargauer-namenbuch.ch

Fragen Sie nach: Senden Sie Ihre Flurnamen mit der genauen Ortsangabe per Mail an redaktion@nfz.ch oder per Post an: Neue Fricktaler Zeitung, Hauptstrasse 61, 5070 Frick.

Category: 

Kommentare

Neuen Kommentar schreiben

CAPTCHA
Diese Frage hat den Zweck zu testen, ob Sie ein menschlicher Benutzer sind und automatisiertem Spam vorzubeugen.

Kommende Events

Stellen

Immobilien

Diverses