Arbeit auf Spitalschiff macht Freude

Sa, 30. Jan. 2021
Larissa Obrist liebt fremde Kulturen, Sprachen, Sitten und Bräuche. Foto: Hans Zemp

Larissa Obrist liebt die weite Welt und fremde Kulturen

Die Zuzger Pflegefachfrau Larissa Obrist liebt soziale Einsätze. Sie liebt fremde Kulturen und sie liebt die Herausforderung. Dank dieser Vorlieben hat sie bereits zwei Einsätze auf dem Spitalschiff der Mercy Ships geleistet und dabei viel Lebenserfahrung gesammelt.

Hans Zemp

Ihre Jugendjahre erlebte Larissa Obrist in Wallbach. Dort und in Rheinfelden besuchte sie die Volksschule, bevor sie erstmals fremde Luft schnupperte. In Genf erlebte sie als Au-pair ein Jahr in einer anderen Familie, bevor sie sich im Kinderspital UKBB der Ausbildung als FAGE, Fachangestellte Gesundheit, zuwandte. Erstmals wagte sich Larissa Obrist anschliessend auf ein Spitalschiff, der Mercury Ships, und arbeitete auf diesem drei Monate. Wieder daheim setzte sie ihre nun folgende zweijährige Ausbildung an der Höheren Fachschule für Pflege am Erstausbildungsort fort. Nach Abschluss im September 2020 lockte wieder das Spitalschiff. Diesmal blieb sie bis Weihnachten.

Auf die Frage, warum die Pflegefachfrau Larissa Obrist ihren beruflichen Schwerpunkt auf Kinder legt, erinnert sie sich daran, wie ihr Grossvater im Spital war und sie bei Krankenbesuchen bei ihm in die Arbeit des Pflegepersonals hineinschauen konnte. Diese Arbeit faszinierte sie. Eine anschliessende Schnupperlehre, allerdings bei Kindern, löste den Wunsch nach ihrer Berufswahl im Gesundheitswesen aus. Sie konnte feststellen, dass die Herausforderung bei Kindern unterschiedlich zu der bei den Erwachsenen ist. Das überzeugte sie.

Den Umgang mit Patienten kann man lernen
Für Larissa Obrist ist es immer wieder etwas Spezielles, wenn Patienten über längere Zeit zu betreuen sind. Man müsse allerdings einen gewissen Abstand zu ihnen einhalten. Dies hat die junge Pflegefachfrau gelernt. Klar gehe es nicht spurlos an einem vorbei, wenn ein Patient sterben muss. Für sie ist es sehr wichtig, dass man sich beim Betreten des Spitals wirklich voll und ganz in der einem zustehenden Funktion sieht, dass man diese wirklich ernst nimmt. Verlässt man das Spital nach der Arbeit, muss aber das Privatleben den ihm zustehenden Stellenwert haben. «Diese Abgrenzung gelingt mit recht gut», meint sie dazu.

Zu den Sonnenseiten in ihrem Beruf zählt sie das Begleiten von Patienten in einer nicht immer einfachen Zeit. Auch wenn es manchmal ganz traurig sein kann, ist die Unterstützung für Patienten, Angehörige und Familien für die Pflegefachfrau wertvolle Arbeit. «Und das macht Freude.»

Nicht immer einfach sei es aber, wenn man als Pflegende als Ventil beim Ablassen von Frust herhalten muss. «Das ist nicht immer leicht.» Sie kann aber mit aller Arbeit im Zusammenhang mit Patienten und Angehörigen gut umgehen.

Zum Thema Corona hat die junge Frau festgestellt, dass man sich im Kinderspital in dieser Beziehung in einer etwas weniger belasteten Zone befindet. Anfänglich seien die Massnahmen galoppierend angepasst worden. So sei etwa die Besuchsregelung für Kinder und Eltern nicht immer für alle nachvollziehbar und darum auch nicht einfach gewesen. Heute bringt man diesem Punkt Verständnis entgegen.

Wie kommt man auf ein Spitalschiff?
Larissa Obrist hegte den Wunsch nach einem ehrenamtlichen Einsatz schon längere Zeit. Im Internet stiess sie auf Mercy Ships. Dies ist ein Schiff der Mercy Ships-Organisation. Mit diesem Spitalschiff will man den Ärmsten auf dieser Welt medizinische, sehr stark auch chirurgische Hilfe angedeihen lassen. Der Gründer wollte ein Spital auf einem Schiff bauen und so die Erreichbarkeit in Einsatzgebieten deutlich erleichtern. Einsatzgebiete sind Küstengebiete vor afrikanischen Ländern. Während zehn Monaten ist das schwimmende Spital jeweils in einem Einsatzgebiet vor Anker. Das erste Mal war Larissa Obrist in Guinea mit dabei.

Und wie werden die Patienten gefunden? Ein Screening-Team bestehend aus Krankenschwestern und Übersetzern geht in die Provinzen der besuchten Länder hinein, besucht die Bevölkerung und macht auf Behandlungsmöglichkeiten aufmerksam. Wer die Aufnahmekriterien erfüllt, ist für eine Behandlung willkommen. Auf der Afrika Mercury hat es Platz für 84 Patienten. In fünf Operationssälen werden die chirurgischen Eingriffe vorgenommen. Die Belegschaft auf dem Schiff zählt 450 Personen. Hinzu kommen die Patienten und 250 helfende Einheimische. Es gibt ja schliesslich wirklich viel Arbeit zu erledigen.

Welche Gefühle hat man vor so einem Einsatz?
Larissa Obrist war unterdessen zwei Mal auf dem Schiff. Das erste Mal erlebte sie vor Arbeitsbeginn auf dem für Schweizer Sichtweise riesigen Schiff viel Freude, aber mindestens so viel Ungewissheit. Die Freude blieb, die Ungewissheit baute sich ab. Man gewöhne sich sehr rasch an die Gepflogenheiten. Die Belegschaft setzt sich aus Leuten aus der ganzen Welt zusammen. Dies bringt dann auch viele verschiedene Sichtweisen mit sich. Dies sei aber nicht nur ungewohnt, sondern auch wertvoll und herausfordernd. Der zweite Einsatz auf dem Schiff war für die Fricktalerin dann wie ein «gewisses Heimkommen». Viele Leute waren nicht mehr, wenige sah man wieder. Wegen Corona werden heute alle vor Arbeitsbeginn auf dem Schiff in Quarantäne gesetzt.

Speziell für Larissa Obrist war, dass sie erlebte, wie man 24 Stunden am Tag mehr oder weniger eng beisammen lebt. Die Privatsphäre lässt sich nicht wie daheim ausleben. Schön und speziell sei ebenso, dass in der Belegschaft auch Familien mit Kindern seien. «Dies macht es dann wie in einer grossen Familie», bringt sie es auf den Nenner. Wegen den vielen verschiedenen Leuten lernt man andere Kulturen näher kennen. Mit Patienten kann man auf den Schiff Zeit beim Spielen verbringen und so Beziehungen aufbauen. «Das ist wertvoll.»

Was macht die Medizin auf dem Schiff?
Das Angebot der Hilfe ist recht breit gefächert. Chirurgische Hilfe erlebt man auf grosser Breite. Daneben stehen ein Paliativprogramm, die Behandlung von Augenkatarakten und einfachere Eingriffe bei den Zähnen im Programm. Die medizinische Weiterbildung der Einheimischen gehört dazu wie ein Landwirtschaftsteam, das Wege aufzeigt, wie man ertragreicher «bauert». Larissa Obrist durfte sich in verschiedenen Bereichen nützlich machen.

Alle diese Arbeiten sind ehrenamtlich. Reisen und Essen bezahlt man selber. Besoldung gibt es keine. Der grosse Gegenwert ist reichliche Lebenserfahrung. Dies ist auch der Grund, warum Larissa Obrist erneute Einsätze gar nicht ausschliesst. Sie schliesst auch allfällige Einsätze auf dem afrikanischen Festland nicht aus. Und dies durchaus für lange Zeit. Die Freude am andern, an den verschiedenen Kulturen, sind faszinierend und wertvoll. Und mit ihrem Beruf kann sie sich vor Ort wirklich gut einbringen. «Wer weiss, was kommt?», lacht sie dazu. Sie liebt schliesslich auch die Sprachen, die fremden Kulturen und Sitten.

Daheim in der Schweiz schreibt sie den Sport gross, turnt aktiv im Turnverein oder geht wandern und reisen, reisen, reisen. Freunde und Familie stehen bei ihr hoch im Kurs. Und damit die Laune gut bleibt, gehört halt auch kochen und backen dazu.

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