Agnes Zimmermann ist gerne am Steuer

Sa, 09. Jan. 2021
Agnes Zimmermann liebt ihre Arbeit hinter dem Steuer. Foto: Hans Zemp

Eine Frau, die Herausforderungen liebt und sich integriert hat

Seit letztem Jahr steuert die Zuzgerin Agnes Zimmermann Postautos. Sie liebt diese Arbeit und sie liebt die Verantwortung. Mit Leib und Seele ist sie jeweils bei ihrer Arbeit. Abwechslung findet sie in der Natur und in ihrer Familie.

Hans Zemp

Auf einem polnischen Bauernhof, rund 80 Kilometer entfernt von der Stadt Lublin, erlebte Agnes Zimmermann ihre Kinderjahre zusammen mit zwei Brüdern. Schon früh lernte sie von den Eltern das Zupacken und damit verbunden die Vielseitigkeit der landwirtschaftlichen Arbeiten. Kühe und Gemüse gaben ihnen zusammen mit dem, was der Vater nebenbei verdiente, die Lebensgrundlage. Ihre liebsten Tiere waren aber Hunde und Katzen. Diese umsorgte sie mit besonderer Sorgfalt. Nach der Grundschule und dem Abitur erweiterte sie ihr Wissen während fünf Jahren in Lublin. In Biologie mit Schwerpunkt Umweltschutz bildete sie sich an der Universität weiter. Ihr weiterer Berufsfavorit, der Sport, blieb wegen Schwimmdefiziten auf der Strecke. Die Studenten hatten auch in Polen einen Beitrag an ihre Studiengänge zu leisten. Und das bedeutete für Agnes Zimmermann gegen Ende des Studiums, irgendwo im Ausland zwischenzeitlich Geld zu verdienen. Ihre Saisonstelle für vier Monate erhielt sie bei Familie Zimmermann auf der Erfleten in Zuzgen. Sie erinnert sich zurück, dass sie hier Glück gehabt habe. Schon von Beginn weg war die Schweiz für Agnes Zimmermann faszinierend. Die Strukturen, aber auch die Berge beeindruckten die Flachländerin. Und sie tun es bis heute. Diese Faszination erhielt mit den zarten Banden, die zu Nicola entstanden, weiteren Schub. Daraus resultierte 2003 die Heirat. Wer in der Schweiz bleiben möchte, soll eine der Landessprachen können. In Zuzgen ist dies Deutsch, Fricktaler Deutsch. In einem dreimonatigen Intensivkurs lernte die sprachbegabte junge Frau schon sehr gut Deutsch. Und sie hat ihre Sprachkenntnisse seither stark erweitert, so sehr, dass man beinahe keinen Unterschied zu den Einheimischen im Fricktal mehr ausmachen kann.

Verschiedene Arbeiten stärken das Selbstvertrauen
Nach der Heirat begann Agnes Zimmermann neben dem, was sie auf dem Hof leistete, Reinigungsarbeiten in der Kirche zu übernehmen. 2005 nimmt sie in der Reha in Rheinfelden ein Teilzeitpensum an. Der Job dort kam der sozialen und fröhlichen Frau sehr entgegen und machte ihr viel Freude. «Das Team war super», meint sie dazu. Während knapp fünfzehn Jahren hat sie dort gearbeitet. Aber Agnes Zimmermann wäre nicht Agnes Zimmermann, wenn sie nicht wieder etwas Neues in Angriff genommen hätte. Die nächste Veränderung führte an das Steuerrad von Postautos. «Ich suchte etwas, das mir Freude macht und spannend ist», lacht sie dazu. Vor einigen Jahren schaffte die PostAuto AG Quereinsteigern die Möglichkeit, ohne vorweg das Lastwagenbillett zu machen, die Ausbildung zu Postautochauffeuren zu absolvieren.

Und Agnes Zimmermann kennt eine Frau, die sie zu dieser Ausbildung animierte. Nach der Ausbildung lacht Agnes Zimmermann mit den Worten: «Nach einer spannenden Ausbildung erhielt ich die Bewilligung, hinter dem Steuerrad dieser grossen Personentransporter zu sitzen.» Die Chauffeusen sind in dieser Sparte noch bis heute eine Minderheit. Als Minimalforderung beinhalte der Ausbildungslehrgang 54 Pf lichtfahrstunden. Für Agnes Zimmermann ist das okay, schliesslich sei die Verantwortung beim Fahren mit Gästen gross. «Es war spannend, als Frau zu erleben, wie man am Steuer von den Fahrgästen aufgenommen wird.» Und dieser Prozess ist heute noch recht variantenreich. Anfangsunsicherheiten konnten zerstreut werden und die Aufnahme im Team sei sehr freundlich und ausnehmend schön gewesen. Das mache Freude und Spass an der Arbeit. «Ich bin in meinem ganzen Leben auf gute, liebe Leute gestossen. Das macht das Leben schön», bringt sie es auf den Punkt.

Das Fahren bringt auch viele Erlebnisse mit sich. Wenn man aus Gründen von Problemen auf der Strasse die Fahrzeiten nicht einhalten kann, gibt es Fahrgäste, die das gar nicht schätzen. Es gibt aber auch Gruppen, die den Riesenbetrieb schätzen. Dann sei es wichtig, dass man ruhig Blut bewahre. Eine wertvolle Belohnung sei ganz besonders, wenn aussteigende Fahrgäste sich am Zielort bedanken.

In der Anfangszeit war Agnes Zimmermann so sehr in ihrem Job drin, dass sie sogar mit ihrem Privatauto auf der Heimfahrt von der Arbeit die Bushaltestellen ansteuerte. Also wirklich mit Leib und Seele im Job.

Hobbies bringen weitere Abwechslung
Leidenschaftlich gerne frönt Agnes Zimmermann in Möhlin dem Volleyball. Seit fünfzehn Jahren leistet sie wertvollen Dienst in der Feuerwehr Wabrig. Die Freude an der Natur, dem Gebiet ihrer Erstausbildung, ist ihr geblieben. Sie liebt ihren Garten und auch ganz generell Spaziergänge. Vielleicht mag sie darum fast alle hier gedeihenden Früchte. Wenn es etwas ruhiger zu- und hergehen soll, verbringt Sie gerne die Zeit mit dem Lesen von einem Buch. Dass sie gerne backt, freut ihre Familie ganz besonders. All die vielen Sachen und die Arbeit auf dem Bauernhof lassen für das Reisen nicht so viel Zeit übrig. Mit ihren beiden Töchtern unternimmt sie aber schon kleinere Trips und jedes Jahr zwei Wochen Ferien bei ihrer Familie in ihrer Herkunftsgemeinde.

Sie liebt Kontakte wirklich
Die Hilfsbereitschaft ist bei ihr Stärke und Schwäche zugleich. Die Schwäche liegt darin, dass sie nicht nein sagen kann. Die Stärke: Sie kann niemanden hängen lassen. Der Umgang mit Menschen macht ihr Freude und ist für sie wertvoll.

So bleibt ihr der ausserordentlich gute Empfang in Zuzgen von damals in bester Erinnerung. Positives erlebte sie in der Frauenriege und ganz besonders auch mit ihrer Nachbarin Heidi Reinle. Diese war für sie eine einzigartige Gotte und sie ist es heute noch. Auf das Schweizer Bürgerrecht ist sie stolz. Sie meint dazu: «Wenn ich in einem Land lebe, bin ich für dieses Land auch da.» Man müsse darum ganz klar Gegenleistung erbringen. Und das macht Agnes Zimmermann. Sie will selbständig sein, möglichst ohne fremde Hilfe ihre Sachen auf die Reihe bringen. Mit der nötigen Sprachkompetenz und Einstellung wird man in die Gemeinschaft eingebunden. Man kann das Leben geniessen, Freude haben und andern helfen.

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