«Im Fricktal wird viel gebaut»

Mi, 20. Jan. 2021
Peter Senn leitet als Vorsitzender der Bankleitung die Raiffeisenbank Regio Laufenburg. Foto: zVg

Walter Herzog

Interview mit Peter Senn, Raiffeisenbank Regio Laufenburg

NFZ: Herr Senn, wie erleben Sie persönlich die aktuelle Situation, beruflich wie privat?
Peter Senn:
Die Corona-Situation hat grosse Auswirkungen auf unser berufliches Tun und Handeln. Als Dienstleistungsbetrieb sind wir im ständigen physischen Kontakt mit unseren Kunden, sei dies am Bankschalter oder in den Sitzungszimmern während den Beratungsgesprächen. Dabei versuchen wir, den Hygienestandard auf einem hohen Niveau zu halten. Als einer der ersten Dienstleistungsbetriebe überhaupt führten wir auch für unsere Mitarbeitenden in den Büroräumen eine generelle Maskenpf licht ein. Inzwischen haben wir uns an die Sicherheitsvorkehrungen gewöhnt, ein gewisser Automatismus hat sich eingestellt. Trotzdem sind auch wir nicht vor den Folgen von Corona gefeit: immer wieder kommt es vor, dass Mitarbeitende für einige Tage fehlen, weil sie die Resultate ihres Corona-Tests abwarten müssen. Bei einer Bank, mit einem relativ kleinen Personalbestand, eine nicht zu unterschätzende Herausforderung.

Im privaten Bereich arrangiert man sich bestmöglich mit den derzeitigen Einschränkungen. Was mich beschäftigt, sind die stark reduzierten sozialen Kontakte in der Familie mit den Eltern, den Schwiegereltern, unseren Kindern und den Geschwistern. Grundsätzlich jedoch geht es uns im Fricktal im Vergleich zu anderen Regionen ja wirklich gut. Wir können uns mehr oder weniger frei bewegen, sei dies beim Einkaufen oder in der Natur, wo wir uns weiterhin aktiv erholen können.

Die Bankenlandschaft im Aargau ist mit dem Aufgehen der Neuen Aargauer Bank in der Credit Suisse enorm in Bewegung – ganz besonders im Fricktal. Weitere Banken drängen in den Markt. Wie beurteilen Sie die Situation?
Ja, das Verschwinden der Neuen Aargauer Bank beziehungsweise die Umbenennung in die Credit Suisse war schon ein Paukenschlag. Es zeigt aber auch die Dynamik, mit welcher sich die Schweizer Bankenlandschaft derzeit verändert. Nicht überrascht, aber doch ein wenig erstaunt bin ich, dass sich immer mehr Banken in den hiesigen Markt drängen. Das Fricktal prosperiert und anscheinend erhoffen sich auch die «neuen» Banken, sich ein Stück vom Kuchen des wirtschaftlichen Aufschwungs und dem damit verbunden Wohlstand abzuschneiden.

Ich gehe davon aus, Sie sehen diese Veränderung auch als Wachstumschance für ihre Raiffeisenbank. Ist dies so und wenn ja, in welchem Bereich wollen Sie ihren Marktanteil steigern?
Im Fricktal wird derzeit viel gebaut. Das ist auch in unserem Geschäftskreis mit den Gemeinden Laufenburg, Sulz, Ittenthal und insbesondere Kaisten der Fall. Da ist es selbstverständlich, dass wir unseren Anteil an Hypotheken steigern wollen. Im Fokus steht jedoch ganz klar die ganzheitliche Beratung, wo die Finanz- und Pensionsplanungen eine immer wichtigere Rolle einnehmen.

Damit neue Firmen und Arbeitsplätze entstehen, braucht es gute Ideen, Jungunternehmer und Risikokapital. Wie aktiv unterstützt ihre Raiffeisenbank solche Projekte?
Raiffeisen spielt als Partnerin der KMU eine wichtige Rolle und bietet vor Ort eine Reihe von Bankleistungen, die auf die Anliegen von Firmenkundinnen und -kunden optimal zugeschnitten sind. Mit ihrem starken Netzwerk fördert Raiffeisen die Konkurrenzfähigkeit von Schweizer Unternehmen durch eine breite Unterstützung in allen Entwicklungsphasen eines Unternehmens. Institutionen wie das Raiffeisen Unternehmerzentrum RUZ bieten Dienstleistungen an, die über das klassische Angebot einer Bank hinausgehen. Das ist einzigartig in der Schweiz.

Wird es in den kommenden Jahren im oberen Fricktal weitere Zusammenschlüsse von Raiffeisenbanken geben?
Derzeit existieren im oberen Fricktal ja nur noch zwei Raiffeisenbanken, die Raiffeisenbank Regio Laufenburg und die Raiffeisenbank Regio Frick Mettauertal. Von daher könnte es im oberen Fricktal nur noch einen Zusammenschluss geben: eine Fusion zu einer die ganze Region umfassenden Raiffeisenbank. Derzeit werden jedoch keine Fusionsgespräche geführt.

Wie stark verändert die Digitalisierung ihre Raiffeisenbank?
Wir stellen fest, dass die Digitalisierung bereits in vollem Gange ist und unser Leben und unsere Arbeitswelt laufend beeinflusst und verändert. Das zeigt sich schon im Kleinen. Zum Beispiel daran, dass der klassische Bargeldverkehr am Bankschalter in den letzten Jahren massiv zurückgegangen ist. Dieser Trend wurde dieses Jahr durch Corona nochmals verstärkt. Die meisten Kunden haben auf bargeldlose Zahlungsmittel umgestellt und damit gute Erfahrungen gemacht. Auf der anderen Seite hat das Bedürfnis nach Beratungen stark zugenommen. Diesem veränderten Kundenverhalten trägt die Raiffeisenbank Regio Laufenburg Rechnung, indem sie derzeit den Hauptsitz in Kaisten in eine Beraterbank mit bargeldbegleitendem Service um- und die Beratungstätigkeit ausbaut.

Wie beurteilen Sie die Fricktaler Wirtschaft im Raum Laufenburg generell?
Die Wirtschaft im Raum Laufenburg zeigt sich derzeit noch als robust. Alles Weitere hängt aber auch vom zukünftigen Verlauf der Corona-Pandemie ab. Die kleinen und mittleren Betriebe in unserem Geschäftskreis, vorab das Gastgewerbe, sind derzeit wahrlich nicht zu beneiden.

Was erwarten Sie im 2021?
Für die Gesellschaft wird 2021 aufgrund der Corona-Pandemie bestimmt zu einem Prüfstein. Und da habe ich persönlich keine Erwartungen, sondern vielmehr Hoffnungen. Wer sehnt sich nicht nach einem Stück Normalität? Wer möchte nicht wieder einmal ganz banale Dinge tun, wie fein Essen gehen, mit Kollegen ein Feierabendbier geniessen, sich unbelastet mit Freunden und Familien treffen, in die Ferien fahren? Ich jedenfalls hoffe, dass uns 2021 wieder ein Stück von dieser Normalität zurückgibt.

Für die Raiffeisenbank Regio Laufenburg wird 2021mit Sicherheit ein herausforderndes Jahr. Das Kerngeschäft der Banken, das Zinsdifferenzgeschäft, wird aufgrund der tiefen Zinsen noch mehr darunter leiden. Und zu guter Letzt hoffe ich, dass unser derzeitiger Bankumbau in Kaisten gut über die Bühne geht und wir unsere neuen Bankräumlichkeiten wie geplant nach den Sommerferien offiziell eröffnen können.

(Das Interview wurde per Mail geführt.)

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