Alte Gegenstände als Lebenshilfe

Mi, 02. Dez. 2020
Es gibt viel zu entdecken in der Brockenstube von Thom Steffen. Foto: Karin Pfister

Thom Steffen wohnt inmitten von tausend Sachen

Er stehe nicht gerne im Rampenlicht, sagt Thom Steffen über sich selber. In seiner Brockenstube, dem ThoLi-Brocki in Hornussen, kann er optimal untertauchen. Es gibt so viel zu entdecken und zu schauen, dass der Besitzer zwischen den tausenden von Gegenständen fast untergeht.

Karin Pfister

«Wenn es mir nicht gut geht, komme ich einfach zu dir. Das hilft.» Solche Sätze hört Thom Steffen immer wieder von seinen Kunden. Der Grund für die beruhigende Wirkung seien meist positive Jugenderinnerungen, welche durch den Besuch im Brocki und dem Ansehen der Gegenstände wieder geweckt werden.

Auch für Thom Steffen selber war das Brocki eine positive Wendung. Der 63-Jährige ist in Selzach im Kanton Solothurn aufgewachsen. Sein Beruf als Maschinenmechaniker führte ihn über den Kanton Bern und das deutsche Lübeck nach Densbüren, wo er bei der dortigen Harley Davidson-Vertretung arbeitete, bevor er sieben Jahre lang als Brennmeister bei der Ziegelei in Frick beschäftigt war. «Als die Firma von Schweröl-Öfen auf Gasöfen umstellte, gab es meinen Job nicht mehr.» Thom Steffen war 56 Jahre alt und suchte nach einer neuen Perspektive. Auf dem RAV habe man ihm geraten, sich selbstständig zu machen.

Ehemaliges Bauernhaus renoviert
Drei Jahre vorher hatte er das ehemalige Bauernhaus an der Hauptstrasse in Hornussen gekauft. Für die geplante Brockenstube renovierte er eigenhändig das ganze Haus und baute die Scheune um und aus. Seine kleine Wohnung grenzt an sein Geschäft. Thom Steffen wohnt quasi mitten in seiner Brockenstube. Sein Arbeitsweg führt nur über eine Türschwelle. Die liebevoll gestalteten Räume sind vollgestellt mit allerlei Gegenständen – er führt alles ausser Kleider – aber nicht vollgestopft. «Es ist mir wichtig, dass die Kunden alles sehen und auch dass die Ware nicht jahrelang liegenbleibt.»

Die ersten Jahre als Geschäftsmann waren hart. Thom Steffen betrieb viel Aufbauarbeit und kam trotzdem nur knapp über die Runden. «Seit einiger Zeit läuft es besser. Es ist schön, etwas Luft zu haben.», freut er sich. Er hoffe, dass er gesundheitlich fit bleibe und noch lange weitermachen könne.

Schmuckstücke offenbaren sich oft erst nach dem Putzen
Seine Kunden kommen aus der ganzen Schweiz und aus allen Schichten. Darunter seien auch Organisatoren von grossen städtischen Weihnachtsmärkten, welche die Dekoration bei ihm kaufen oder Fotografen, welche für Bilder spezielle Gegenstände bei ihm suchen.

Grundsätzlich gebe es für alles und sei es noch so speziell einen Abnehmer. Manchmal werden ihm Sachen gebracht, die er nicht zuordnen kann, aber: «Irgendein Kunde weiss immer, was es ist.»

Thom Steffen war schon immer ein Sammler. «Wenn ich eine ganze Hausräumung machen darf, ist das für mich ein Paradies.» Man wisse nie, was man finde und oft offenbaren sich Schmuckstücke erst nach dem Putzen. Viele Leute sind froh, wenn die Sachen ins Brocki kommen. Wenn jemand stirbt oder ins Altersheim zieht, fällt es den Jungen oft schwer, alles wegzuwerfen. Vieles sei noch gut erhalten und eigentlich zu schade für die Mulde. Und so landen die alten, schön geputzten Sachen dann bei Thom Steffen im Brocki. Ein Grossteil der Arbeit passiert nach dem Fund und vor dem Verkauf. Thom Steffen verbringt viele Stunden in seiner Werkstatt oder im grossen Garten hinter dem Haus und flickt, schleift, poliert, hämmert oder schweisst.

Viel Zeit für Hobbies bleibt dem Selbstständigen darum nicht und wenn er mal weg geht, dann – zumindest in Nicht-Corona-Zeiten – am liebsten an einen Flohmarkt.

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