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Fr, 13. Nov. 2020
Foto: Ronny Wittenwiler

Wenn es bei den Archäologen piept, dann ist das für sie ein gutes Zeichen. In Schupfart jedenfalls gab der Boden einer grossen Baustelle einiges her. Dort, wo bald schon wieder Menschen wohnen, sollen vor einer halben Ewigkeit schon Menschen gewohnt haben. Das belegen jüngste archäologische Funde, unter anderem von dieser Woche. Die Kantonsarchäologie hat Geschichte gesucht und welche gefunden. (rw)


Schupfart gibt einiges her

Eine Notgrabung bringt Geschichte ans Tageslicht

In dieser Baugrube an der Eikerstrasse in Schupfart wird gegenwärtig sowohl an der Zukunft als auch an der Vergangenheit gearbeitet.

Ronny Wittenwiler

In einem Jahr sollen hier wieder Menschen wohnen, gegraben wird jetzt aber auch nach der Vergangenheit. Experten der Kantonsarchäologie holen diese Woche im Rahmen einer sogenannten Notgrabung ans Tageslicht, was Jahrhunderte verborgen geblieben war.

Lange vor der ersten Erwähnung von Schupfart
Grabungstechniker David Wälchli von der Kantonsarchäologie steht in der Baugrube. Das Gebiet über die einzelne Parzelle hinaus gilt schon länger als sogenannte Verdachtsfläche. Dass hier im Boden zünftig Schupfarter Geschichte steckt, hat die Kantonsarchäologie bei ersten Ausgrabungen vor rund fünfzehn Jahren bereits bestätigt bekommen. Die jüngsten Funde seien quasi ein weiteres Mosaiksteinchen, erklärt Wälchli; einige von ihnen würden gar deutliche Hinweise darauf geben, dass nicht erst im neunten oder zehnten Jahrhundert, sondern bereits im siebten oder achten Jahrhundert hier eine Siedlung von grösserer Ausdehnung gewesen sein muss – also eine Ewigkeit vor der ersten urkundlichen Erwähnung von Schupfart im Jahr 1259.

Es hüpft das Archäologen-Herz
Solche Dinge nimmt der Laie zur Kenntnis, den Chronisten freut’s besonders, doch es hüpft das Herz des Archäologen, wenn er ein Stück Geschichte im Boden findet. Die aktuelle Baugrube habe aussergewöhnlich viel hergegeben, sagt Wälchli. Tonscherben versehen mit Abbildungen, «Importware aus dem Strassburger Raum». Dort habe man bereits im frühen Mittelalter einen hochqualitativen Ton für Töpfereiartikeln verwendet.

Entdeckt haben die Archäologen zudem einen kleinen Kanal aus dem 16. Jahrhundert. «So etwas ist eigentlich noch nicht speziell», sagt Wälchli. Doch just von dort befreiten die Archäologen rund fünfzig Fundgegenstände aus dem Schlamm: Objekte aus Buntmetall, 16. Jahrhundert. «Da hat es durchaus einige Preziosen dabei», freut sich der Fachmann: Zierbeschläge, gut erhaltene Bronzeschalen. «Es sind ausserordentliche Funde, wie man sie eher im städtischen Raum erwarten kann. Auf dem Land sind Funde in solcher Fülle eher unbekannt.»

Während Wälchli erzählt, dass die Fundstücke inventarisiert werden und schliesslich in die Sammlung der Kantonsarchäologie aufgenommen werden, beschäftigen sich die Angestellten des Bauunternehmens weiter mit den Aushubarbeiten. Im Herbst 2021 sollen hier zwei Mehrfamilienhäuser stehen. «Die Zusammenarbeit mit den Maschinisten ist gut», sagt Wälchli. Man versucht, so gut es geht, aneinander vorbeizukommen. Antonio Fresta, der Bauleiter, schlägt wenig später in dieselbe Kerbe. Obschon klar ist: Er arbeitet an der Zukunft. Die Kantonsarchäologie versucht, vorher noch die Vergangenheit aus dem Boden zu holen.

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