Der «Schützen» bereitet sich auf die Zeit nach der Krise vor

Sa, 07. Nov. 2020
«Die Krise geht an die Substanz der Menschen. Das merken wir. Die Nachfrage nach Therapien hat stark zugenommen», erklärt Albi Wuhrmann. Foto: Valentin Zumsteg

Rheinfelder Klinik- und Hotelbetrieb rüstet sich für die Zukunft

Mitten in der Corona-Krise investiert der Rheinfelder «Schützen» gegen 20 Millionen Franken in die Erneuerung seines Stammhauses. Was wie ein grosses Risiko aussieht, soll sich als Chance erweisen. Derzeit wird zudem geprüft, ob der Neubau des Hotels «Schiff» früher als geplant in Angriff genommen werden soll.

Valentin Zumsteg

«Nein, ich hatte während des Lockdowns keine schlaflosen Nächte wegen der Finanzen des Schützens», sagt Albi Wuhrmann mit einem Lachen. Er amtet als Vorsitzender der Geschäftsleitung des Rheinfelder «Schützen» und gleichzeitig als Präsident der «Stiftung für psychosomatische, ganzheitliche Medizin Rheinfelden», welche Besitzerin dieses Rheinfelder Klinikund Hotelbetriebes ist. Derzeit investiert das Unternehmen gegen 20 Millionen Franken in die Aufwertung und Modernisierung des «Schützens» (die NFZ berichtete).

«Wir kommen gut durch die Krise»
«Das ist die grösste Investition, die wir je getätigt haben», sagt Wuhrmann. Mitten in der Bauphase hat die Corona-Krise auch beim «Schützen» ihre Spuren hinterlassen, trotzdem lässt sich Albi Wuhrmann nicht aus der Ruhe bringen. «Wenn man ein Risiko eingeht, muss man immer darauf gefasst sein, dass weitere Risiken eintreten können, die man nicht einkalkuliert hat. Wir haben im Vorfeld Eigenkapital aufgebaut und sollten deswegen gut durch die Krise kommen, auch wenn wir jetzt eine Grossinvestition tätigen.» Die Liquidität sei gewährleistet.

Im März wurde die Klinik unter Notrecht des Kantons Aargau gestellt, damit durften keine so genannt elektiven Patientinnen und Patienten mehr behandelt werden. «Wir hatten 500 000 Franken an zusätzlichen Kosten für die Bereitstellung von Corona-Betten. Hier sind wir – wie alle Gesundheitsbetriebe – in Verhandlung mit Bund und Kanton», schildert Wuhrmann. Hinzukommen Umsatzeinbussen in der Höhe von rund zwei Millionen Franken. Ein Teil davon soll laut Wuhrmann eigentlich durch die Epidemie-Versicherung getragen werden, welche der «Schützen» abgeschlossen hat. Doch die Versicherungsgesellschaft will derzeit lediglich einen kleinen Teil dieser Summe übernehmen. «Dadurch geraten wir zusätzlich unter Druck. Wir haben einen Anwalt eingeschaltet», erklärt Wuhrmann.

Dass der «Schützen» eine Epidemie-Versicherung hat, ist kein Zufall. Vor acht Jahren erarbeitete das Unternehmen ein Pandemie-Konzept. Eine Massnahme war in diesem Zusammenhang die Sicherstellung des Versicherungsschutzes. «Das Pandemiekonzept hat sich bewährt. Unsere Annahmen sind 1:1 eingetroffen», schildert Wuhrmann. Er geht davon aus, dass trotz der schwierigen Umstände das Betriebsjahr 2020 mit schwarzen Zahlen abgeschlossen werden kann. Beim Umsatz rechnet er covidbedingt und aufgrund der Modernisierung im Hotel Schützen mit einem Rückgang um rund zehn Prozent, von 40 auf 36 Millionen Franken.

Neues «Schiff» früher bauen?
Der Schützen ist eine der grössten privaten Kliniken für Psychosomatik, Psychiatrie und Psychotherapie der Schweiz. Dabei setzt das Unternehmen, das rund 400 Mitarbeitende beschäftigt, auf ein einzigartiges Klinikim-Hotel-Konzept. Neben dem Stammhaus gehören auch das «Schiff» sowie das «Eden» zum Betrieb. «Unsere Strategie bewährt sich. Dies merken wir in der aktuellen Situation. Wir haben wegen Corona bisher auf keine einzige Investition verzichtet», betont Albi Wuhrmann. Er schliesst aber nicht aus, dass es drei bis fünf Jahre dauern wird, bis das Hotel- und Seminar-Geschäft wieder das Vorkrisen-Niveau erreicht.

Was dies für den «Schützen» bedeutet, ist noch offen. «Wir prüfen verschiedene Optionen», so Wuhrmann. Eine könnte sein, dass nach Abschluss der aktuellen Modernisierung des Hotels «Schützen» der Neubau des Hotels «Schiff» so rasch wie möglich umgesetzt wird. «Wenn wir den Neubau bald realisieren, sehen wir aufgrund der zweijährigen Bauzeit gute Chancen, dass wir bereit sind, wenn die Krise vorbei ist», so die Überlegung. Ob sich dies finanzieren liesse, werde derzeit abgeklärt.

Keinen Einbruch verzeichnet der «Schützen» bei den Therapien. Die Klinik sei wieder sehr gut belegt. «Die Krise geht an die Substanz der Menschen. Das merken wir. Die Nachfrage nach Therapien hat stark zugenommen. Wir führen jetzt wieder eine Warteliste.»

Mit seinen Investitionen rüstet sich das Unternehmen für die Zukunft. «Damit stärken wir auch die Realwirtschaft und den Standort Rheinfelden», betont Wuhrmann.

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