«Positive Gedanken sind das Erste»

So, 08. Nov. 2020
Sefedin Kurto (von links) sowie Markus und Urs Müller freuen sich auf eine angenehme und erfolgreiche Zusammenarbeit. Foto: zVg

Die Dorfmetzg Gebrüder Müller aus Stein expandiert

Die Metzgerei Gebrüder Müller in Stein kann in diesem Jahr das 30-jährige Bestehen feiern. Trotz massivem Umsatzeinbruch expandiert das KMU. Im Dezember wird in Herznach die erste Filiale eröffnet.

Bernadette Zaniolo

«Bis Ende April hatten wir beim Catering einen Umsatzeinbruch von einer halben Million Franken», so Markus Müller, angesprochen auf die Auswirkungen von Corona auf das Steiner KMU Gebrüder Müller. Hochzeitsfeiern wurden abgesagt, Gastro-Betriebe mussten vorübergehend schliessen und auch mehrere grössere Anlässe von Firmen konnten nicht wie geplant stattfinden, hält der Mitinhaber im Gespräch mit der NFZ fest. Der in Obermumpf aufgewachsene Markus Müller ist es – wie seine sechs Geschwister – seit Kindheit gewohnt, anzupacken. «Ich bin mit meinem Vater oft auf Stör gewesen. Kochen, metzgen und die Mithilfe in der ‹Teilbauerei› wurde uns quasi in die Wiege gelegt», formuliert es Markus Müller. Mit Teilbauer meint er die Selbstversorgung. Auf dem Hof wurden Hühner und Hasen gehalten.

«Jetzt wird in die Hände gespuckt» oder «jetzt müssen alle zupacken», waren denn auch seine eindringlichen Worte an die Mitarbeitenden, als der Lockdown im März erfolgte und vielen Betrieben und Menschen einen Schock bescherte. Deshalb freut sich Markus Müller besonders, auf ein motiviertes und harmonisches Team zählen zu dürfen. «Wir haben den Hausliefer-Dienst seit Corona ausgebaut.»

«Die Kunden schätzen, dass sie nun auch Gemüse, Käse, Brot und Fisch nach Hause geliefert bekommen. Dies ist personalintensiver, aber gut.» Für einzelne Mitarbeitende bedeutet dies aber auch, dass sie hin und wieder abends mal ausliefern müssen.

«Positive Gedanken ist das Erste», sagt Markus Müller zur aktuellen Situation und zum Leben überhaupt. Das gebe Energie und helfe, die Herausforderungen zu meistern. Der Umsatzeinbruch konnte bis Ende Mai auf 300 000 Franken verringert werden. Müller verschweigt jedoch nicht, dass «die finanziellen Reserven deutlich geschrumpft sind.»

Erste Filiale in Herznach
Dennoch oder jetzt erst recht: «Ja, wir halten an unserem Ziel fest. Die Filiale in Herznach werden wir im Dezember eröffnen. Wir haben seitens der Gemeinde und aus der Bevölkerung sehr viele positive Reaktionen erhalten.» Der genaue Zeitpunkt ist noch nicht bekannt. Die Filiale wird von Sefedin Kurto, der bei den Gebrüdern Müller in Stein gelernt hat und heute Chefmetzger im Coop Frick ist, geleitet. In Herznach werden zum Start drei Festangestellte beschäftigt.

«Weltbeste Sandwiches»
«Wir wollen die weltbesten Sandwiches anbieten», formuliert Müller eines der Ziele für den neuen Standort in Herznach (früher Metzgerei Gasser). Dafür sind derzeit zwei Köche mit der Entwicklung von neuen, harmonischen Saucen beschäftigt. Von den 12 000 Fahrzeuglenkern, die die Staffeleggstrasse täglich befahren, erhofft er sich einige Kunden. «Ein Prozent wären 120 Kunden pro Tag», sagt Markus Müller mit freudenstrahlenden Augen. Nebst Metzgerei-Produkten werden im Laden auch Jurapark-Artikel wie Käse und Brot angeboten. Geöffnet ist jeweils ab 6 Uhr morgens und nebst dem Café to go gibt es auch frisch zubereitete Sandwiches und andere Mahlzeiten, wie etwa «Vitello tonnato», zum Mitnehmen.

In erster Linie wollen die Gebrüder Müller jedoch möglichst viele Personen aus Herznach und der Umgebung mit ihrem Sortiment begeistern. «Es ist ein Glücksfall, dass der Immobilienbesitzer auf uns zukam. Ohne Expansion hätten wir Personal entlassen müssen», verrät Müller.


Nachfolgeregelung im Gang

Die Dorfmetzg Gebr. Müller in Stein wurde 1990 von den Brüdern Rico, Markus und Urs Müller gegründet. Seit 1991 wirkt auch ihre Schwester Yvonne Müller, gelernte Charcuterie-Verkäuferin, mit. Ab diesem Zeitpunkt wurde auch der Party-Service stark ausgebaut. Das Unternehmen setzt seit Jahren auf Ökologie, mit eigener Schlachtung von Tieren aus ökologischer und naturnaher Aufzucht wie Bio-, Galloway- oder Hochlandrinder. Die Wurstwaren werden traditionell so wie auch nach neuen ernährungswissenschaftlichen Erkenntnissen hergestellt (fettreduziert). «Das Fleisch von den Galloway-Rindern von der Farnsburg ist reich an gesunden und natürlichen Omega 3-Fettsäuren», verrät Markus Müller der NFZ voller Stolz. «Ja, ich bin der Tüfftler bei uns», hält er auf die entsprechende Frage fest. Zudem ist Markus Müller im Unternehmen für die Organisation zuständig.

Der Kreis schliesst sich
Rico Müller, der 1998 nach Kanada ausgewandert ist, hat die Lehre bei Paul Brogle in Stein (am Standort der heutigen Dorfmetzg Gebr. Müller) gemacht. Urs Müller absolvierte seine Lehre bei Bernet in Obermumpf. «Und unser Vater Erhard hat bei Fritz Gasser in Herznach gelernt», sagt Markus Müller mit einem Lächeln. Somit schliesst sich also der Kreis. Die Nachfolgeregelung ist bei der Dorfmetzg in Stein auch bereits aufgegleist. Müller freut sich zudem, dass schon die Enkel «zupacken». Das Steiner KMU beschäftigt aktuell 17 Personen, inklusive Inhaber und Aushilfen. Besonders stolz ist Markus Müller auch, dass der Betrieb in Sachen Hygiene jeweils auch vom kantonalen Lebensmittelinspektorat als «vorbildlich» klassiert werde. (bz)

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