«Meerfräulein» wartet auf den Weckruf

Do, 19. Nov. 2020
Seit dem 16. Jahrhundert prägt das «Meerfräulein» das Bild an der Fischergasse in Laufenburg. Foto: zVg

Das historische Gebäude in Laufenburg steht zum Verkauf

Im 16. Jahrhundert wurde an der Fischergasse in Laufenburg ein Gebäude errichtet, welches im Laufe der Zeit immer wieder um- und angebaut wurde. Seit 1685 beheimatet das Gebäude auch das Gasthaus zum Meerfräulein. Ob das nunmehr neun Jahre geschlossene Restaurant nochmals die Türen öffnen wird, hängt von zukünftigen Eigentümern ab.

Susanne Hörth

Als der Gesamtbundesrat im Jahre 2010 zum Mittagessen ins «Meerfräulein» einkehrte, zeichnete sich bereits ab, dass das Laufenburger Speiserestaurant seine Türen in absehbarer Zukunft schliessen wird. Ein Entscheid, der dem Besitzer-Ehepaar Brigitte und Marco Gallotti nicht leichtgefallen war. Altersbedingt und nach einer über 30-jährigen Wirtetätigkeit auch etwas müde geworden, stellten sie den Restaurationsbetrieb 2011 dann endgültig ein. Ein Jahr nach der Schliessung starb Brigitte Gallotti.

Sie hatte zusammen mit ihrem Mann Marco die historische Altstadtliegenschaft «Meerfräulein» 1980 erworben, das Gebäude mit viel Liebe zum Detail saniert und den Gastrobetrieb zu einer weit über die Region hinaus bekannten Adresse für gutes Essen ausgebaut. Ende letzten Jahres ist Marco Gallotti nach kurzer Krankheit zu seiner letzten Reise aufgebrochen.

Kaufpreis eine Million Franken
Das grosse Altstadtgebäude mit dem Gastrobereich, Wohnungen, Bar im Erdgeschoss, dem riesigen ausbaubaren Dachgeschoss und diversen Nebenräumen steht nun für eine Million Franken zum Verkauf. Mit diesem Preis ist der Schätzwert von rund 1,6 Millionen Franken deutlich unterschritten. Barbara Gallotti, die zusammen mit ihrem Bruder Daniel die Liegenschaft mit einer Kubatur von 3803m3 zum Kauf anbietet, führt hier erklärend an: «Die neue Eigentümerschaft bekommt dadurch vielleicht einen finanziellen Spielraum, um das Gebäude nach ihren Vorstellungen umzugestalten.» Es ist somit den neuen Besitzern überlassen, wie das Wohn- und Geschäftshaus künftig genutzt werden soll. Von reinem Mehrfamilienhaus, einer Kombination von Wohnungen und Büros oder Restaurant, Praxis, Kindertagesstätte und so weiter ist vieles möglich.

Jahrhunderte alte Geschichte
Das Gasthaus zum Meerfräulein wurde 1685 erstmals erwähnt. Erbaut wurde die Liegenschaft an der Fischergasse, nahe der alten Rheinbrücke, im 16. Jahrhundert. Im Online-Inventar der Aargauer Denkmalpf lege geht man anhand eines Flachreliefs an der Aussenfassade von einem grösseren Umbau im Jahre 1643 aus. Bei diesem wurden aller Wahrscheinlichkeit nach zwei Häuser zur heutigen Liegenschaft zusammengelegt. Sie werden nach oben von einem einheitlichen, offenen Dachstuhl mit doppelt liegender Konstruktion abgeschlossen. 1872 erfolgte ein weiterer Anbau mit Saal und Terrasse.

Viele kleine und grössere Veränderungen, Umbauten und Sanierungen gesellten sich im Laufe der Zeit dazu. Wenn im Innenbereich auch eine stete Anpassung an heutige Wohn- und Gastrobedürfnisse erfolgte, so erinnern nach wie vor besondere Exponate an die lange Geschichte des Meerfräuleins. Laut des Kunstdenkmalbands des Bezirk Laufenburg gehören dazu unter anderem der aus dem Jahre 1735 stammende Ofen im ehemaligen Speiseraum oder die in der Gaststube auf Sandsteinpfeiler ruhenden Leibungsbogen der Fenster wie auch ein alter Wandschrank mit geschweiften Türen.

Dass sich die Haustüren unter dem historischen Wirtschild mit der Meerjungfrau darauf bald wieder öffnen, darauf hoffen die Erben. Soll das Meerfräulein doch bald wieder mit Leben und Lachen erfüllt werden.

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