Grüne, Grünliberale und CVP legen zu

Di, 20. Okt. 2020
Freude bei den Grünliberalen: Sie gehören zu den Gewinnern und trafen sich in Rheinfelden. Foto: Valentin Zumsteg

Bezirk Rheinfelden: SVP, SP und FDP verlieren Wähleranteil

Die grüne Welle schlägt auch im Bezirk Rheinfelden durch: Die Grünen und die Grünliberalen gewinnen am meisten Wähleranteil. Die CVP legt ebenfalls zu. SVP, SP und FDP verlieren.

Valentin Zumsteg

Gute Stimmung bei den Grünliberalen im Bezirk Rheinfelden. Sie stiessen am Sonntagnachmittag in der Brötlibar in Rheinfelden auf ihren Erfolg an. Die Partei gewinnt 2,33 Prozentpunkte und kommt damit auf einen Wähleranteil von 10,97 Prozent. «Ein solches Ergebnis haben wir uns erhofft. Vor allem in Kaiseraugst und Rheinfelden konnten wir kräftig zulegen. Wir sind auf gutem Weg», freut sich Parteipräsidentin Béa Bieber. «Wir stehen jetzt in der Pflicht, noch mehr Lokalpolitik zu machen», ergänzt sie. In den kommenden Jahren will die Partei vor allem auch in ländlicheren Gemeinden ihre Wählerbasis verbreitern.

«Das Ziel übertroffen»
Die Grünen konnten im Bezirk Rheinfelden am stärksten wachsen. Die Partei verbesserte sich um 3,62 Prozentpunkte und kommt damit auf 10,41 Prozent. «Das ist unser stärkstes Wahlresultat seit langem bei Grossratswahlen, super», sagt Parteipräsident Andreas Fischer. Vor vier und vor acht Jahren gehörten die Grünen noch zu den Verlierern. «Unser Ziel war diesmal ein Wähleranteil von mindestens 10 Prozent, das haben wir jetzt übertroffen.»

Ebenfalls zu den Gewinnern zählt die CVP. Sie kommt neu auf einen Wähleranteil von 13,49 Prozent, was ein Plus von 1,86 Prozentpunkten bedeutet. «Ich bin sehr zufrieden. Das ist ein hervorragendes Resultat», erklärt Parteipräsident Alfons Kaufmann. «Wir sind mit topmotivierten Leuten angetreten. Es freut mich, dass unsere Arbeit geschätzt wird», so Kaufmann.

«Froh, dass wir nicht mehr verloren haben»
Wo es Gewinner gibt, gibt es auch Verlierer. Diesmal gehört die SVP dazu, die einen Wähleranteil von 28,03 Prozent erzielt. Das ist ein Minus von 2,02 Prozentpunkten. «Ich bin froh, dass wir nicht mehr verloren haben. Es war im Vorfeld nicht klar, welche Themen die Leute bewegen. Ich habe gehofft, dass wir unseren Wähleranteil stabilisieren können. Das ist nicht gelungen», sagt Parteipräsidentin Désirée Stutz. Die SVP bleibt aber – trotz Verlust – mit grossem Abstand wählerstärkste Partei im Bezirk.

Den zweiten Platz konnte die SP verteidigen. Sie gehört mit einem Wähleranteil von 19,41 Prozent (-1,4 Prozentpunkte) aber auch zu den Verlierern. «Es tut immer weh, wenn wir Stimmen einbüssen. Ich denke, es ist ein nationaler Trend, dass GLP und Grüne zulegen. Das bekommen wir zu spüren», sagt Claudia Rohrer, SP-Vorstandsmitglied.

Ebenfalls verloren hat die FDP, die einen Wähleranteil von 14,92 Prozent erreicht (-1,94). «Das kommt nicht ganz unerwartet», sagt Parteipräsident Manuel Mauch. Die politische Grosswetterlage mit Klimadiskussion und Umwelthemen begünstige die FDP derzeit nicht. Hinzu komme noch ein zweiter Punkt: «Die Lücke, die Franco Mazzi hinterlässt, konnten wir nicht wettmachen.» Der Rheinfelder Stadtammann kandidierte nicht mehr für den Grossen Rat. Das bekam die Partei wohl zu spüren.


KOMMENTAR

Wieder auf dem letzten Platz

Es ist eine zweifelhafte Ehre, welche der Bezirk Rheinfelden auch bei den diesjährigen Grossratswahlen verteidigt. Mit 27,15 Prozent verzeichnet das untere Fricktal die tiefste Wahlbeteiligung im ganzen Kanton. Zwar sind das knapp zwei Prozentpunkte mehr als vor vier Jahren, aber immer noch eine erschreckend tiefe Zahl. Im Bezirk Laufenburg haben immerhin gut 35 Prozent gewählt, im Bezirk Aarau waren es 39 Prozent. Es scheint viele Leute überhaupt nicht zu interessieren, wer im Kantonsparlament das Sagen hat. Das ist erstaunlich, geht es dort doch um wichtige Geschäfte wie die Finanzen, das Bildungs- und das Gesundheitswesen und grosse Strassenprojekte.

Parteien, die bei künftigen Wahlen zu den Gewinnern gehören wollen, müssen sich also um die Nichtwähler kümmern. Dort steckt das grösste Potential.

VALENTIN ZUMSTEG valentin.zumsteg@nfz.ch

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