Aus dem Schandfleck ist ein Bijou geworden

Do, 22. Okt. 2020
Der westliche Eingang in die Altstadt: Das Haus «zum Wolfangel» ist grundlegend saniert und erneuert worden. Foto: Valentin Zumsteg

Historisches Gebäude in der Rheinfelder Fröschweid

Die Liegenschaft an der Fröschweid 9 in Rheinfelden machte während Jahrzehnten einen schlechten Eindruck und verfiel langsam. Jetzt ist das Gebäude saniert worden und erstrahlt in neuem Glanz.

Valentin Zumsteg

«Das Haus war ein Schandfleck, das kann man sagen», erklärt Tina Feldmann. Sie spricht von der Liegenschaft an der Fröschweid 9. Während vieler Jahrzehnte wurde an diesem historischen Gebäude, das den Namen «zum Wolfangel» trägt, kaum etwas gemacht. Entsprechend baufällig präsentierte sich das Haus.

Ganzes Haus wurde ausgehöhlt
Tina Feldmann hat 2012 im Erdgeschoss des Gebäudes ihren Blumenladen «Flora Tina» eröffnet. «Das ist eine sehr gute Lage», sagt sie. Aus der Einfrau-Firma hat sich im Laufe der Jahre ein florierender Betrieb mit drei Mitarbeiterinnen und zwei Lernenden entwickelt. «Als ich vor ein paar Jahren hörte, dass die Liegenschaft verkauft werden soll, brach für mich eine Welt zusammen», erzählt sie. Nach einigem Hin und Her hat sie sich schliesslich entschieden, zusammen mit ihrem Mann Tobias Feldmann den Schritt zu wagen und die grosse Liegenschaft zu kaufen. «Die Planung der Umbauarbeiten war kompliziert und dauerte mehrere Jahre», berichtet sie. Im September 2019 konnten schliesslich die Bauarbeiten beginnen. «Wir mussten das ganze Haus aushöhlen, vom Laden im Erdgeschoss bis hinauf unters Dach. Während vieler Jahrzehnte ist das Haus verfallen, die Statik war nicht mehr verlässlich.» Tobias Feldmann ist Schreiner, zusammen mit seiner Frau hat er viel Eigenleistung erbracht.

Während der Bauzeit hat Tina Feldmann ihren Blumenladen ins «Viererlei» an die Marktgasse 67 gezügelt. Mittlerweile sind die Bauarbeiten an der Fröschweid planmässig abgeschlossen. Am vergangenen Samstag konnte sie deswegen ihren Blumenladen am bisherigen Standort wiedereröffnen. «Wir haben sehr viele positive Reaktionen erhalten», freut sich die Floristin. Die Verkaufsfläche ist jetzt grösser, da im ersten Obergeschoss ein Arbeitsraum eingerichtet werden konnte. Daneben befinden sich zwei Mietwohnungen im Gebäude, zudem wohnen Tina und Tobias Feldmann ebenfalls in der historischen Liegenschaft.

Dank der Sanierung und Modernisierung des Hauses bietet sich den Passanten in der Fröschweid, diesem westlichen Eingang in die Altstadt, ein erfreuliches Bild. Besonders ins Auge stechen die Fassade und die Terrassen im hinteren Teil, die mit Holz verkleidet sind. Dort befand sich früher ein Schopf, der mit Efeu überwuchert war. «Das ganze Gebiet mit der Habich-Dietschy-Strasse, der Schifflände und dem Roten Haus ist in den vergangenen Jahren deutlich aufgewertet worden. Möglich wurde dies, weil der Verkehr nicht mehr über die alte Rheinbrücke geführt wird», sagt Tina Feldmann.

Im Rahmen der Planung für den Umbau hat sie sich mit der Geschichte ihres Hauses beschäftigt. Diese reicht weit zurück. So gab es bereits im 18. Jahrhundert ein Haus «zum Wolfangel» an der Fröschweid. Dieses wurde aber – wie das westlich benachbarte Gebäude von Scharfrichter Mengis – im Jahr 1813 abgebrochen, aber im Gegensatz zu diesem später wieder neu erstellt. Der Neubau erfolgte 1817, offenbar durch Schmied Joseph Senger, Besitzer des östlich benachbarten Hauses «zum Amboss». Das neue Gebäude erbte den Namen «zum Wolfangel» und wurde zum Eckgebäude, weil man auf den Wiederauf bau des Scharfrichter-Hauses verzichtete.

«Lockdown war ein Schock»
Für Tina und Tobias Feldmann sind der Kauf und die Sanierung des Gebäudes eine grosse Investition und auch ein Risiko. Sie blicken aber zuversichtlich in die Zukunft. «Der Lockdown im Frühling war ein grosser Schock. Ich machte mir Sorgen. Doch schnell zeigte sich, dass wir viel zu tun haben. Die Kurzarbeit war nach zwei Wochen vorbei. Wir konnten täglich zwischen 30 und 40 Blumensträusse ausliefern», erzählt Tina Feldmann. Nach dem Lockdown entwickelte sich der Geschäftsgang ebenfalls erfreulich. «Es gibt zwar weniger Hochzeiten und andere Events, dafür kommen mehr Leute in den Laden. Der Umsatz liegt insgesamt auf dem Vorjahresniveau.»

Wegen der aktuellen Unsicherheit im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie verzichtet sie allerdings auf den Advents-Event, der jeweils an einem Wochenende durchgeführt wurde und sehr viele Leute anzog. «Das Risiko ist zu gross. Die Gesundheit geht vor. Es wird aber während der ganzen Adventszeit eine schöne Ausstellung im Laden geben. Die Zeit von November bis Ende Jahr ist normalerweise die umsatzstärkste für uns. Wir müssen flexibel sein.»

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