Politiker ärgern sich über die SBB
10.09.2020 FricktalDie Kritik an der SBB reisst nicht ab: Verschiedene Parteien äussern sich verärgert über den temporären Leistungsabbau im Fricktal.
Valentin Zumsteg
Egal ob links oder bürgerlich: Das Unverständnis über das Vorgehen der SBB ist gross. «Die kurzfristige Aufhebung des Halbstundentakts auf der Linie Basel – Zürich (mit Halt in Rheinfelden und Frick) bedeutet für tausende Pendler eine massive Einschränkung», heisst es etwa in einer Medienmitteilung der SP-Bezirksparteien Laufenburg und Rheinfelden. Ausgerechnet in der aktuellen Pandemie würden so Ansammlungen von Reisenden gefördert, da diese sich auf eine reduzierte Anzahl Züge verteilen müssen, moniert die SP: «Vor diesem Hintergrund erstaunt es die beiden Bezirksparteien umso mehr, dass die betroffenen Gemeinden und ihre Behörden äusserst kurzfristig und über die Medien über den Wegfall der Verbindungen informiert worden sind.»
«Das ist inakzeptabel»
Wie die NFZ berichtete, streicht die SBB vom 7. September bis zum Fahrplanwechsel am 13. Dezember rund 200 Zugsverbindungen in der Schweiz. Im Fricktal ist der sogenannte «Flugzug» betroffen, der Rheinfelden und Frick direkt mit dem Flughafen Zürich verbindet und gleichzeitig eine wichtige Schnellzugsverbindung nach Basel und Zürich darstellt (die NFZ berichtete). «Der Mangel an geschultem Fahrpersonal ist ein Resultat der jahrelangen Fehlplanung der SBB. Nun lassen sie einzelne Regionen – unter anderem das Fricktal – für die Misswirtschaft der letzten Jahre bezahlen. Das ist inakzeptabel», betont die SP. Es sei befremdlich, dass die SBB die Corona-Krise als Vorwand nehme, um über die mangelhafte Personalplanung hinwegzutäuschen. «In jüngerer Vergangenheit kam es auf dieser Linie auch vermehrt zu Verspätungen und Ausfällen, was sich mit unzureichenden Investitionen in Rollmaterial und Betriebsinfrastruktur erklären lässt.»
Darum fordert die SP die SBB auf, für die personellen Engpässe beim Lokpersonal eine «gerechte und zeitlich begrenzte Lösung» ohne den Wegfall ganzer Zugverbindungen zu finden. «Es ist nicht fair, eine ganze Region dafür zu bestrafen. Weiter ist der Halbstundentakt für das Fricktal spätestens mit dem Fahrplanwechsel am 13. Dezember 2020 wieder ohne Einschränkungen zu betreiben. Dabei steht auch der Kanton in der Verantwortung bei der SBB vorstellig zu werden und eine rasche Normalisierung einzufordern.»
«Fahrgäste zweiter Klasse»
Unzufrieden mit der SBB sind auch Vertreter der Freisinnigen. Die Grossräte Titus Meier aus Brugg, Bernhard Scholl aus Möhlin und Stefan Huwyler aus Muri haben am Dienstag im Kantonsparlament eine Interpellation zum Leistungsabbau eingereicht: «Die Aargauerinnen und Aargauer fühlen sich beim Bahnangebot der SBB als Fahrgäste zweiter Klasse», halten sie fest. Schon seit längerem gebe es im Aargau betriebliche Qualitätsmängel bei der SBB. Vom Regierungsrat wollen sie unter anderem wissen, welche Sofortmassnahmen der Kanton von der SBB fordert. Ebenfalls am Dienstag haben die beiden Fricktaler CVP-Grossräte Werner Müller aus Wittnau und Alfons Kaufmann aus Wallbach eine ähnlich lautende Interpellation eingereicht (die NFZ berichtete). Die Politik scheint also nicht gewillt zu sein, das Vorgehen der SBB einfach so hinzunehmen.

