Ein starkes Fricktal

Fr, 11. Sep. 2020
Foto: Susanne Hörth

An der Abgeordnetenversammlung des Fricktaler Planungsverbandes in Ittenthal fielen auch deutliche Voten betreffend Flugzug und der beschämenden SBB-Kommunikation. Später lobte Regierungsrat Urs Hofmann in seinem Referat das Fricktal als wirtschaftlichen Top-Ligisten.

Susanne Hörth

Sich den regionalen Herausforderungen heute und in Zukunft annehmen sowie für die Interessen der 35 Verbandsgemeinden einstehen, das hat sich «Fricktal Regio Planungsverband» auf die Fahne geschrieben. Was aber gehört zu den Kernaufgaben, wie werden sie umgesetzt und wo müssen die personellen und finanziellen Ressourcen eingesetzt werden? Mit diesen und vielen weiteren Fragen hat sich der «Fricktal Regio Planungsverband» bei der Überarbeitung der Fricktal-Vision und dem Leitbild auseinandergesetzt. An der 18. Abgeordnetenversammlung vom Mittwochabend im Kaister Ortsteil Ittenthal wurde die Vision und das Leitbild von den anwesenden 29 Gemeindevertretern mit grosser Mehrheit bewilligt. Den 2018 angegangenen Überarbeitungsprozess bezeichnete Repla-Präsident Christian Fricker als herausfordernd, intensiv und sehr spannend. Für die festgelegten Aktivitätsfelder Regionalentwicklung, Wirtschaft und Arbeit, Wohnen und Zusammenleben, Bildung, Energie Natur und Umwelt sowie Mobilität wurden Leitsätze erarbeitet, die laut Fricker einerseits Grundlage für den Planungsverband aber auch Orientierungshilfe für die Gemeinden und die Öffentlichkeit sein sollen.

Kein Verständnis für die SBB
Eines der Aktivitätsfelder, die Mobilität, sorgte am Mittwochabend aus aktuellem Anlass für Diskussionsstoff. «Was gedenkt die Repla betreffend Flugzug zu tun?», wollte Gemeinderat Jos Bovens aus Gipf-Oberfrick wissen. Christian Fricker erinnerte an die Ausgangslage, in welcher es die SBB versäumt hatte, genügend Lokführer auszubilden und mangels dieser nun Züge vom Fahrplan gestrichen sind. «Das Fricktal trifft es hart», bedauerte Fricker. Mit dem Kanton Aargau habe man bereits Kontakt aufgenommen. Dazu hält Repla-Vorstandsmitglied Meinrad Schraner gegenüber der NFZ fest: «Wir haben es an der ÖV-Sitzung vom 3. September in Laufenburg mit Vertretern dem Departement Bau, Verkehr und Umwelt diskutiert und den Unmut und ‹die nicht Akzeptanz› platziert.»

Der Planungsverband stehe hinter der Intervention des Kantons. Dieser verlangt in einem Schreiben an den CEO der SBB, «dass die bestellten und vertraglich vereinbarten Leistungen im Regionalverkehr zu erbringen sind. Sollte dies nicht möglich sein, sind die getroffenen Massnahmen umgehend aufzuzeigen und allfällige Abbauten beim Angebot solidarisch über die ganze Schweiz zu verteilen». Meinrad Schraner betont: «Wir warten ungeduldig auf Massnahmen der SBB zur Verbesserung der Situation. Dazu bleiben wir im Kontakt mit dem Departement BVU.» Grossrat Bernhard Scholl sprach von einer verkehrten Kommunikation, es werde intensiv im Kantonsparlament diskutiert. Scholl bezeichnete das, was sich die SBB geleistet habe, als eine Katastrophe. Erschwerend hinzu kommt, dass aufgrund der Bauarbeiten in Effingen die Strecke Basel-Zürich und in entgegengesetzte Richtung zusätzlich von Behinderungen betroffen ist. «Es hat auf jeden Fall ein Nachspiel», so Scholl.

An der Abgeordnetenversammlung wurde vom Effinger Gemeindeammann Andreas Thommen die geplante Mittelschule im Fricktal angesprochen. «Ist das nicht eine klassische Aufgabe für den Planungsverband», wollte er wissen. Tat aber zugleich auch seine Meinung kund, dass mit einer Fricktaler Mittelschule die Gefahr bestünde, «regionale Landeier zu züchten», wenn die jungen Leute nicht in grössere Agglomerationen ihren (Bildungs-) Horizont erweitern könnten. Christian Fricker erklärte, dass man sich auf jeden Fall zum gegebenen Zeitpunkt zur Mittelschule Fricktal äussern werde. «Nicht aber jetzt, da wir uns in der Wettbewerbssituation befinden», meinte er mit Blick auf die drei Standortbewerber Rheinfelden-Möhlin, Frick und Stein. Der Planungsverband wolle neutral abwarten, bis entschieden ist.

An der Versammlung vom Mittwochabend wurden allen Sachgeschäften die Zustimmung erteilt. Neu wird die Fricktal-Konferenz nicht wie bisher am dritten Tag des Gemeindeseminars, sondern im Zuge der ordentlichen Versammlung abgehalten.

Die nächste A bgeordnetenversammlungen findet Ende Mai 2021 in Kaisten statt. Zustimmung erhielt das Budget 2021, welches mit der Erhöhung des ordentlichen Gemeindebeitrages pro Einwohner um 70 Rappen auf neu 3,50 Franken einhergeht. Die Versammlung wählte Niklaus Beck als neues Mitglied (Ersatzwahl) der Controlling-Gruppe. Vorgestellt wurde zudem die neue Regionalplanerin Dunja Kovari.

Wirtschaftsmotor Fricktal
Im zweiten Teil des Abends referierte Regierungsrat Urs Hofmann zum Thema Aargauer Gemeinden. Er zeigte deren Entwicklung, Wachstum, Fusionen und wirtschaftliche Situationen über die Jahre auf. In Bezug auf das Fricktal meinte er, dass sich das einstige Armenhaus des Aargaus nicht nur kantonal, sondern ebenfalls schweizweit zum wirtschaftlichen Top-Ligisten entwickelt hat.

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