Wie aus Sozialwohnungen ein Vereinslokal wurde

So, 02. Aug. 2020
Erzählen aus der Geschichte des Pontonier-Fahrvereins: Markus Kym (von links), Alfred Wunderlin, Robert Fürer, Peter Kym, Hans Wunderlin und Christian Schneider.

Das Depot der Rheinfelder Pontoniere dient der Geselligkeit – aber nicht nur

An bester Lage am Rhein liegt das Vereinshaus der Rheinfelder Pontoniere. Einstmals dienten die Räumlichkeiten als Sozialwohnungen, damals aber noch an einem anderen Standort. Valentin Zumsteg

Hunderte von Menschen spazieren jedes Wochenende bei schönem Wetter am Depot der Rheinfelder Pontoniere vorbei. Die wenigsten wissen aber, was sich hinter der Eingangstür des Holzgebäudes verbirgt. Dort ist eine gemütliche Vereinsbeiz untergebracht, in der beim Besuch der NFZ fünf ehemalige Vereinspräsidenten und Vorstandsmitglieder sowie der aktuelle Präsident sitzen und ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern.

Aus Baracken wurde ein Vereinshaus
Das stattliche Gebäude, das den Wassersportlern als Vereinslokal dient, hat eine bewegte Geschichte hinter sich – im wahrsten Sinn des Wortes. Denn ursprünglich stand es an der Roberstenstrasse 72. In zwei Holzbaracken waren dort Sozialwohnungen untergebracht. 1966 konnte der Pontonier-Fahrverein, der sein Hauptdepot früher beim Inseli hatte, die Baracken von der Stadt erwerben. 3 000 Franken betrug der Kaufpreis. Die Baracken mussten aber selber abtransportiert und wieder aufgestellt werden. «Das war ein grosser Umzug. Alle Vereinsmitglieder haben Fronarbeit geleistet. Wir hatten damals viele Handwerker bei den Pontonieren, fast alles wurde selber gemacht», erinnert sich der damalige Präsident Alfred Wunderlin. Hans Wunderlin war auch dabei und half tatkräftig mit: «Wir sahen nach dem Umzug aus wie Kaminfeger. Alles war staubig», erzählt er. Duschen konnten sie anschliessend beim Kraftwerk.

In unzähligen Stunden haben sie die Baracken umgebaut und daraus ihr Vereinslokal gezimmert. Die Pontoniere waren früher auch unter dem Namen «Festzelt GmbH» bekannt, weil sie immer gerufen wurden, wenn im Städtchen eine Festhütte aufgestellt werden musste, erinnern sich die ehemaligen Vorstandsmitglieder mit einem Lachen. Die Pontoniere seien auch dafür berüchtigt gewesen, gerne mal ein Bier zu nehmen. «Es gab aber immer wieder junge Mitglieder, die gar keinen Alkohol getrunken haben», betont Peter Kym, ein ehemaliger Präsident.

Im Laufe der Jahrzehnte sind die Vereinsräume immer wieder angepasst und umgebaut worden. Das ist bis heute so. «Im vergangenen Jahr haben wir die Garderoben neu gestaltet. Jetzt gibt es separate Kabinen für Frauen und Männer», erklärt der amtierende Präsident Christian Schneider. Die Geselligkeit wird in der Vereinsbeiz gepf legt, welche Gabi Pellegrino führt. Hier gibt es einen Stammtisch und in einer Wandvitrine hängt die Fahne des Vereins, der im nächsten Jahr sein 125-Jahr-Jubiläum feiern kann.

«Das Vereinslokal ist essenziell»
«Für den Verein ist das Lokal essenziell», erklärt Peter Kym. Um die Zukunft machen sich die Pontoniere allerdings einige Sorgen. Das Land, auf dem das Depot steht, gehörte früher der Kraftwerksgesellschaft. Vor einigen Jahren konnten es die Rheinfelder Ortsbürger kaufen. «Sie können uns jederzeit auf sechs Monate kündigen», erklärt Christian Schneider.

Bei den Pontonieren geht die Angst um, dass in einigen Jahren ihr Vereinslokal einer Überbauung weichen muss. «Wenn gebaut wird, dann kann man es hier wohl vergessen», fürchtet Robert Fürer, ebenfalls ein ehemaliger Präsident. Um auf ihre Bedenken hinzuweisen, haben sich die Pontoniere zum räumlichen Entwicklungskonzept (REK), das derzeit in Rheinfelden erarbeitet wird, geäussert. «Wir sind ein Traditionsverein, wir wollen hier bleiben», betont Christian Schneider. So hoffen die Pontoniere, dass ihr Vereinslokal noch lange stehen bleiben kann – und sie hier noch lange ihren Sport betreiben und unzählige gemütliche Stunden verbringen dürfen.


Der Pontonier-Fahrverein

Seit 1896 besteht der Pontonier-Fahrverein Rheinfelden. 2021 kann er sein 125-Jahr-Jubiläum feiern. Der Verein zählt aktuell 31 Aktivmitglieder, 19 davon trainieren zwei Mal pro Woche auf dem Rhein. Weiter gehören fünf Jungpontoniere (jünger als 16 Jahre) sowie 89 Passivmitglieder und Gönner zum Verein. 2020 ist wegen Corona ein schwieriges Jahr für die Pontoniere: «Am 15. Juni konnten wir zum ersten Mal auf den Rhein. Normalerweise beginnt die Saison im März», erklärt Präsident Christian Schneider. Das Fischessen musste abgesagt werden, ebenso alle Wettfahren. 2023 will der Verein in Rheinfelden die Schweizermeisterschaft der Jungpontoniere durchführen. (vzu)

www.pfvr.ch

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