Pferde unten ohne

So, 09. Aug. 2020
Christoph Müller ist von Beruf Hufpfleger. Zu seinen Pferden hat er eine innige Beziehung. Foto: Charlotte Fröse

Hufpfleger Christoph Müller setzt beim Pferdehuf auf Natürlichkeit

Pferde sind von Jugend an ständige Begleiter im Leben von Christoph Müller. Vor rund zehn Jahren machte er sein Hobby zum Beruf. Er absolvierte eine Ausbildung zum Hufpfleger. Seither bearbeitet er mit grossem Einfühlungsvermögen die Hufe unbeschlagener Pferde. Eine pferdegerechte Versorgung der Hufe ohne Eisenbeschlag ist ihm wichtig.

Charlotte Fröse

In der ganzen Region rund ums Fricktal besucht Christoph Müller Pferdehalter, um mit der richtigen Pflege der Hufe dafür zu sorgen, dass sich die Tiere möglichst lange gesund bewegen können. Innerhalb seiner Tätigkeit als Hufpfleger kam Christoph Müller schon in der ganzen Schweiz herum. Einige seiner Kunden fordern ihn sogar aus dem süddeutschen Raum an.

Im Einklang mit dem Pferd
Christoph Müller reitet selbst sehr gerne. Beim Umgang mit den Pferden legt er grossen Wert darauf, mit ihnen eine harmonische Beziehung zu haben. Intensiv beschäftigt sich der Pferdekenner mit Natural Horsemanship, bei dem der natürliche Umgang mit den Pferden im Vordergrund steht. Für seine Tätigkeit als Hufpfleger ist dies von grosser Bedeutung, um das gegenseitige Vertrauen und den Respekt zu fördern. Die Pferde werden dabei zu geistiger Mitarbeit motiviert und die Rangordnung wird auf natürliche Weise hergestellt.

Denn für eine gute Hufpf lege müssen sich Mensch und Pferd verstehen und sich durch feine Signale verständigen können. «Angst ist dabei ein schlechter Ratgeber», erklärt Müller.

Ohne Eisen für die Hufe der Pferde
Ein Hufpf leger ist wie der Hufschmied für die Pflege und die Gesundheit von Pferdehufen zuständig. Dennoch unterscheiden sich die zwei Berufe. Während der Beruf des Hufschmieds eine vierjährige Lehre voraussetzt, nur ein Hufschmied darf Pferde mit Eisen beschlagen, ist der Hufpfleger ein Fortbildungsberuf. Für den heute 51-jährigen Christoph Müller war schon vor rund zehn Jahren im Laufe seiner Ausbildung klar, dass der Beruf des Hufschmieds, obwohl ihn der Beruf sehr faszinierte, doch nicht das ist, was er sich für die Pferde vorstellt.

«Ich habe dann beschlossen, ohne Eisen für die Pferde da zu sein», betont Christoph Müller. Bis zu seinem 40. Geburtstag arbeitete er in der Chemie in leitender Position im Rohrleitungsbau. Das Interesse an einer Selbständigkeit war jedoch immer da, betont er. Pferde begeistern ihn seit seiner Jugend und die Hufe der Pferde haben ihn schon immer fasziniert und so machte er sein Hobby zum Beruf.

Die Ausbildung zum Hufpfleger, Eselhuf- und Hufschuhspezialisten absolvierte er in einer renommierten Schule in Deutschland, an der BESW Hufakademie in Heidenheim. Weiter durchlief Christoph Müller Praktika in Huftechnik und weitere für seine Tätigkeit relevante Bereiche. Damit nicht genug. Weiterbildungen stehen regelmässig auf dem Programm. Nach Kursen, Ausbildungen und Praktika ist er nun seit rund zehn Jahren hauptberuflicher Hufpfleger. Die handwerklichen Kenntnisse aus seinem Erstberuf als Maschinenmechaniker kommen ihm bei seiner jetzigen Tätigkeit, die ihn voll und ganz ausfüllt, zugute.

Vor rund vier Jahren gründete Christoph Müller zusammen mit Gleichgesinnten den heute etwa 100 Mitglieder starken Verband Schweizerischer Hufpf lege und er engagierte sich im Vorstand, aktuell als Aktuar.

Christoph Müller kommt ursprünglich aus Oberhofen. Seit 2004 lebt er zusammen mit seiner Frau Marlene, sie stammt aus Wil, und der achtjährigen Tochter Elena in einem schönen alten Bauernhaus, das er mit viel Sachverstand für seine Bedürfnisse hergerichtet hat, mitten in Hottwil. Mit von der Partie sind die beiden Quarter-Stuten Puddi und Holly, die seine grosse Leidenschaft sind. Und natürlich bewegen sich seine Pferde im Offenstall barhuf.

Barhuf, was ist das eigentlich?
Ohne Eisen an den Hufen zu laufen ist für das Pferd das Natürlichste und Gesündeste. Die intensive Nutzung der Pferde durch den Menschen machte jedoch über Jahrhunderte den Hufbeschlag notwendig, da durch die intensive Nutzung der Huf stark abgenutzt wurde. Die Erfindung des genagelten Hufeisens datieren Historiker ins frühe Mittelalter. «Heute geht es aber auch ohne Eisen», erklärt Christoph Müller. Die Pferde werden heute weniger intensiv genutzt und oft in Gruppen gehalten.

«Die Meinungen ob mit oder ohne Eisen sind gespalten», berichtet Müller. Der Trend gehe jedoch vor allem bei den Menschen, wo Pferde eher geliebte Freunde als Nutztiere sind, zur Natürlichkeit, da es dadurch praktisch keine Einschränkungen des Hufmechanismus gibt und der Huf gut durchblutet wird, betont er. Aber auch Barhuf-Pferde brauchen eine regelmässige Pflege der Hufe durch einen ausgebildeten Hufspezialisten. Für private längere Touren oder das Fahren mit der Kutsche im Freizeitbereich wird oftmals den Barhuf-Pferden ein vorübergehender Hufschutz in Form von Hufschuhen angelegt. Das Anpassen dieser Hufschuhe ist allerdings eine diffizile Angelegenheit und es braucht dazu einen Spezialisten, wie Christoph Müller. Die Auswahl an Grössen, Farben oder Ausstattung für Hufschuhe sind riesig, wie ein Blick in das Sortiment von Christoph Müller zeigt, das auch im Internet unter www.professionalhoofcare.ch einsehbar ist. «Es gibt praktisch nichts, was es nicht gibt, der Zweck ist entscheidend», betont er.

Absolute Voraussetzung für das Tragen von Hufschuhen ist ein gut gepflegter Huf. Eine Spezialität von Christoph Müller sind Sonderanfertigungen, wie das neu Besohlen von abgelaufenen Hufschuhen oder das Anbringen von Stollen für den Winter oder für rutschige Untergründe. Die Nachfrage nach einem geeigneten Stollen für Hufschuhe ist gross. Aus seinen praktischen Erfahrungen heraus, entwickelte Christoph Müller den eigenen Stollen «Horse Boot Grip», welcher patentiert ist.

Category: 

Kommentare

Neuen Kommentar schreiben

CAPTCHA
Diese Frage hat den Zweck zu testen, ob Sie ein menschlicher Benutzer sind und automatisiertem Spam vorzubeugen.

Kommende Events

Stellen

Immobilien

Diverses

Trending