«Ich möchte spürbar und sichtbar sein»

Mi, 19. Aug. 2020
Andreas Spöcker sind die Menschen wichtig: «Sie sollen spüren, dass die katholische Kirche im Fischingertal eine attraktive Kirche ist.» Foto: Birke Luu

Seit Anfang August ist Andreas Spöcker, 45, Gemeindeleiter des römisch-katholischen Seelsorgeverbands Fischingertal. Dabei bringt er seelsorgerische Fähigkeiten mit wie auch eine bunte Vielfalt an Erfahrungen aus der Privatwirtschaft.

Birke Luu

Seit Anfang August hat das Fischingertal, nach längerer Vakanz, wieder einen Gemeindeleiter. Wer aber denkt, man könne diesen in eine spezielle Schublade stecken, der hat sich geirrt. Andreas Spöcker ist weit davon entfernt, das zu sein, was man sich unter einem typischen katholischen Theologen vorstellt. Dies beweisen sowohl sein Werdegang, wie auch sein bisheriges berufliches Engagement.

Ein Weg mit Umwegen
Geboren in Freiburg im Breisgau und aufgewachsen im baden-württembergischen Oberland, entschied er sich für ein Theologiestudium in Freiburg im Breisgau. «Ich wollte erst einen technischen Beruf ergreifen, merkte dann aber, dass ich lieber mit ‘Gott und Kirche’ etwas machen wollte». Es habe ihn irgendwie dazu gedrängt, obwohl sein kirchliches Engagement in der Kindheit nicht sehr stark gewesen sei. Doch warum ist er dann nach dem Studium in die Wirtschaft gegangen? «Ich hatte einfach noch viele andere Ideen im Kopf und wollte diese auch verwirklichen», erklärt der vielseitig Interessierte. Bis 2015 arbeitete er in der Produktion eines Sanitärherstellers, war an einem Internet-Auktionsbüro beteiligt und bildete sich in der Vermögensverwaltung weiter. Nach 13 Jahren Privatwirtschaft kam dann die persönliche Wende. «Der Wunsch, die Theologie zu meinem Beruf machen zu wollen, wuchs stetig.» Er hatte seine verschiedenen Ideen in die Tat umgesetzt und wollte nun die erworbenen Fähigkeiten und Erfahrungen in einer kirchlichen Tätigkeit einbringen.

Der Weg zum Gemeindeleiter
Eine Stelle als Pfarreiseelsorger im Toggenburg kam ihm sehr gelegen. Fünf Jahre lang füllte er diese Stelle aus, dann wollte er sich beruflich weiterentwickeln. «Ich wollte gerne mehr Verantwortung übernehmen», erklärt der 45-Jährige sein Interesse an der Funktion des Gemeindeleiters. Gemeindeleiter hätten einen breit aufgestellten Tätigkeitsbereich. Sie seien die Person in einer Pfarrei oder einem Pfarreiverband, bei der das meiste zusammenlaufe, seien also Ansprechpartner für die vielfältigsten Themen.

Zu Andreas Spöckers Aufgaben gehört das Gestalten von Gottesdiensten, Taufen und Beerdigungen genauso wie das Erteilen von Religionsunterricht, Erledigen von administrativen Aufgaben wie auch das Fällen wichtiger Entscheidungen für die Pfarreien. Er entwirft gemeinsam mit den anderen Mitarbeitenden attraktive Angebote für die vier Pfarreien im Fischingertal. Dies sei überhaupt das Wichtigste: Für die Menschen da zu sein und ihnen zu zeigen, dass die katholische Kirche im Fischingertal eine attraktive Kirche ist. In den letzten Jahren habe es bei den Katholiken im Fischingertal einige Vakanzen gegeben, wodurch manche Angebote verkümmert oder eingeschlafen seien. Andreas Spöcker sieht es als eine seiner vordringlichen Aufgaben an, gemeinsam mit den anderen Mitarbeitenden die Pfarreien wieder zu vitalisieren.

Spürbar, sichtbar, in Kontakt
Andreas Spöcker bezeichnet sich als optimistisch, humorvoll, aufgeschlossen, lösungsorientiert und auch energiegeladen – «letzteres allerding nur, wenn es nicht gerade 35 Grad hat», wie er augenzwinkernd einwendet. Er freut sich auf die vor ihm liegende Arbeit. Seine ausserkirchlichen Arbeitserfahrungen empfindet er als äusserst hilfreich für die neue Tätigkeit: «Mich kann nur noch wenig schockieren, denn ich bin es gewohnt, spontan improvisieren zu müssen.» Er möchte ein guter Gemeindeleiter sein, also «einer, der spürbar ist, den man sieht, der am Dorfleben teilnimmt.»

Wie gut ein Gemeindeleiter ist, zeige sich für ihn daran, wie gut er für die Menschen da ist. Das sei sein Ziel und um es zu erreichen, brauche er die Mithilfe der Pfarreimitglieder. Von ihnen wünscht er sich, dass sie ihn offen empfangen und auch von selbst einen Schritt auf ihn zugehen. «Ich möchte hier ins Leben eintauchen. Ich möchte, dass die Menschen mich kennenlernen und umgekehrt. Ich möchte gerne erfahren, wie die Menschen hier leben. Ob einer einen interessanten Job, ein ausgefallenes Hobby hat und welche inhabergeführten Unternehmen es hier so gibt.» Einmal vielfältig interessiert, immer vielfältig interessiert.

Das zeigt sich auch an seinen bisherigen Hobbys und Engagements, von denen er aus Zeitgründen oder wegen seines Umzugs ins Fricktal momentan leider einige pausieren musste. Er war beispielsweise Mitglied des Sprecher-Teams bei TV Ostschweiz und gestaltete «Gedanken zur Zeit» in kurzen Filmbeiträgen. Ähnliches würde er gerne auch im Aargau wieder machen und zum Beispiel für einen Regionalsender ein «Wort zum Sonntag» sprechen. Seine grösste Leidenschaft neben der Theologie sind jedoch Bücher, diese zu sammeln und sich ihnen zu widmen.

Was in der Jugend begann, baute er in den letzten Jahren in der Ostschweiz immer stärker aus. Unter der Bezeichnung «Bücherretter» bewahrte er unter anderem Fachbücher, Forschungsschriften und Schweizer Literatur vor dem Altpapier. «Bücher sind mit das schönste Hobby, das ich je gefunden habe», schwärmt der Bibliophile. Zur Zeit ruhen diese allerdings in unzähligen Kisten und warten darauf, dass Andreas Spöcker Musse und Gelegenheit findet, sich wieder mit ihnen zu befassen. Momentan gehe der Job vor und an seinem freien Tag widmet er sich seiner Frau und den weiteren Familienmitgliedern, den Hunden Max und Leo.

Schon nach einem knappen Monat im Fischingertal hat Andreas Spöcker bereits sein Urteil gefällt: «Wir sind glücklich hier zu sein und möchten lange bleiben!» Das Leben auf dem Land gefalle ihm, die Region ebenso. Jetzt möchte er Alt wie Jung kennenlernen und mit Optimismus und Energie die Kirche in die Zukunft führen.

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