Schwarzer Juli

Do, 30. Jul. 2020
In Stein-Säckingen kommt es immer wieder zu schweren Badeunfällen. Foto: zVg

Immer wieder lassen Schwimmer im Rhein ihr Leben

Vor wenigen Wochen erst mahnten Experten in dieser Zeitung vor den oft unterschätzten Gefahren des Rheinschwimmens. Mindestens eine Person ist seither im Fricktal ertrunken.

Ronny Wittenwiler

Anfangs Juli sprach die NFZ mit zwei Vorstandsmitgliedern der Schweizerischen Lebensrettungsgesellschaft SLRG, Sektion Fricktal. Im Fokus standen die Schwierigkeiten wegen des Lockdowns und damit fehlende Einnahmen in der Schwimmausbildung. Der Artikel schloss aber auch mit den Worten: «Allgemein sehen die Lebensretter in der Schweiz dem ‹Corona-Sommer 2020› mit vermehrtem Aufenthalt an offenen Gewässern mit gemischten Gefühlen entgegen. Damit der Badespass nicht zum tödlichen Ereignis führt, hat die SLRG Schweiz Informationskampagnen und Präventionsprojekte lanciert.» Weniger als drei Wochen später stirbt ein 24-Jähriger beim Schwimmen in Stein-Säckingen, ob eine weitere Person ums Leben gekommen ist, bleibt offen.

Eigene Fähigkeiten überschätzt
«Solche Vorfälle machen betroffen und regen zum Denken an», sagt Martin Waldis. «Man fragt sich immer, was man tun kann, um sie zu verhindern.» Waldis ist Präsident der SLRG Fricktal. «Es ist nun mal komplett anders als in einer Badi. Oft überschätzen Schwimmer ihre eigenen Fähigkeiten in einem See oder in einem Fluss.» Letztlich bleiben Waldis und den vielen Fachleuten der SLRG vor allem die permanenten Hinweise auf mögliche Gefahren und entsprechende Sicherheitsregeln hin. Diese Appelle gleichen sich Jahr für Jahr. Doch statt lästig zu werden, haben sie eindringliche Bedeutung. Dass immer wieder Menschen ihr Leben im Rhein lassen, zeigt ein Blick zurück. Im Juli 2016 kostete ein Badeunglück in Stein-Säckingen einem 19-jährigen Flüchtling das Leben. Grosses Glück hatte dagegen ein 16-Jähriger im vergangenen Jahr: starke Strömung trieb ihn zu einem der Pfeiler der Holzbrücke in Stein. Dort klammerte er sich zwanzig Minuten lang fest, bis die Feuerwehr ihn retten konnte. Der Jugendliche trug eine Unterkühlung und Erschöpfung davon. Tage später, im Juli 2019, ertrank ein junger Mann, ebenfalls in Stein-Säckingen. Nach einem Sprung von der Holzbrücke war er ausserstande, wieder ans Ufer zu gelangen. Dessen Leiche wurde drei Tage später auf Höhe Badisch-Wallbach gefunden.

«Risiken minimieren»
Nachdem am vergangenen Sonntag ein 24-jähriger Mann tot aus dem Rhein geborgen wurde, ist nach wie vor unklar, ob eventuell noch eine zweite Person umgekommen ist. Der tödlich Verunglückte, so die Erkenntnisse nach Zeugenaussagen, sei zuvor in den Rhein gesprungen – auf der Suche nach einem verschwundenen Freund. Die Ermittlung zur Identität und dem Verbleib der mutmasslichen zweiten Person laufen. Bislang seien jedoch keine entsprechenden Vermisstenanzeigen eingegangen, halten die Polizeibehörden fest.

Für Martin Waldis ist klar: «Es gibt nie eine hundertprozentige Sicherheit. Das gilt selbst für geübte Schwimmer. Vor einem Krampf etwa ist niemand gefeit. Doch wer gewisse Regeln beachtet, kann potenzielle Risiken stark minimieren.»

Tipps der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft 


Für den Schutz menschlichen Lebens

Das Hauptziel der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft SLRG besteht darin, Wasserunfälle zu verhindern und sich für den Schutz des menschlichen Lebens am, im und auf dem Wasser einzusetzen. Laut den Ertrinkungsstatistiken der SLRG ertrinken in der Schweiz jedes Jahr rund 50 Personen. Ertrinken bleibt die zweithäufigste Unfall-Todesursache bei Kindern. Auf der Webseite der SLRG finden sich diverse Präventionsmassnahmen. Nachfolgend ein paar eindringliche Regeln:

Kinder nur begleitet ans Wasser lassen – kleine Kinder in Griffnähe beaufsichtigen.

Nie alkoholisiert oder unter Drogen ins Wasser.

Nie mit vollem oder ganz leerem Magen schwimmen.

Nie überhitzt ins Wasser springen – der Körper braucht Anpassungszeit.

Nicht in trübe oder unbekannte Gewässer springen – Unbekanntes kann Gefahren bergen.

Luftmatratzen gehören nicht ins tiefe Wasser – sie bieten keine Sicherheit.

Lange Strecken nie alleine schwimmen – auch der besttrainierte Körper kann eine Schwäche erleiden.

In freie Gewässer (Flüsse, Weiher und Seen) wagen sich nur gute und geübte Schwimmer. (mgt/nfz)

www.slrg.ch/praevention

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