Mehrwert für die Altstadt

Fr, 10. Jul. 2020
Frank Fischer vor dem Haus am Schlossberg. Fotos: Susanne Hörth

Von der Grimmer-Liegenschaft  zum Haus am Schlossberg

Das Projekt beschäftigte lange Zeit, umgesetzt wurde der Bau innerhalb eines Jahres

Ein Mann der ersten Stunde beim neuen Haus am Schlossberg in Laufenburg ist Frank Fischer. Die Idee von Hotel- oder Gästezimmern beschäftigt ihn schon seit vielen Jahren. Mit der früheren Grimmer-Liegenschaft verbinden ihn zudem viele Kindheitserinnerungen.

Susanne Hörth

«Schon als Jugendlicher habe ich mich sehr für Laufenburg engagiert.» Nach dem Warum gefragt, muss Frank Fischer nicht lange nachdenken. «Laufenburg ist ein so schöner Ort. Sich dafür einzusetzen, stimmt für mich einfach.» Die verschiedenen Funktionen und Aufgaben – politische, sportliche, touristische usw. – sind breitgefächert. Sie haben ihm über die Jahrzehnte hinweg einen gut gefüllten Rucksack an Erfahrungen, Wissen, Erfolgen, manchmal aber auch Niederlagen beschert. Das gehört dazu, weiss Frank Fischer. Und engagiert sich weiter.

Unter anderem als Mitglied der achtköpfigen Ortsbürgerkommission (OBK). Hier vertritt er insbesondere die Anliegen der Altstadt. In dieser ist er aufgewachsen. Nach Lehr- und Wanderjahren im In- und Ausland lebt er heute in jenem Gebäude, welches sein Grossvater 1924 – damals frisch nach Laufenburg zugezogen – gekauft hat. Seit etwa sechs Jahren nimmt Frank Fischer zudem interessierte Personen als Stadtführer mit auf eine Reise durch die sichtbare Geschichte der Zweiländerstadt. Voller Stolz und blitzenden Augen weist er daraufhin, dass es wohl kaum eine geschichtlich so stark verbundene und gewachsene Ortschaft gibt, wie dies bei den beiden Laufenburger Schwesterstädten der Fall ist. Die so charakter-typische Enge der Altstädte wird einzig durch den Rhein als natürliche Grenze zwischen der Schweiz und Deutschland unterbrochen.

Die Ortsbürgerkommission hat in der jüngeren Vergangenheit bei verschiedenen Projekten und bei deren Unterstützung, vor allem auch in finanzieller Hinsicht, immer mehr an Gewicht bekommen. In der paritätisch aus den beiden Ortsteilen Laufenburg und Sulz zusammengesetzten Kommission ist ebenfalls der Stadtrat vertreten. Ein Bauvorhaben, mit welchem sich die OBK in den vergangenen Jahren intensiv beschäftigt hat, wird in diesen Tagen mit der Umgebungsgestaltung abgeschlossen. Das Haus am Schlossberg mit seiner Dreifachnutzung – Regionales Zivilstandsamt, Mietwohnungen im Mittelgebäude und im ältesten, historisch bedeutsamsten Gebäudeteil ein Gästehaus – ist bereits mit Leben erfüllt.

Die Initiative zu diesem Projekt kommt von Frank Fischer, betonte in einem früheren NFZ-Gespräch Vizeammann Meinrad Schraner.

Die Grimmer-Liegenschaft
«Hier hinten», deutet Frank Fischer mit einer Kopf bewegung Richtung Altstadt, «bin ich aufgewachsen. Es war für uns der Spielplatz. 30, 40 Kinder waren wir, wenn wir uns draussen trafen.» Das Grimmer- Areal, gegenüber von Fischers Elternhaus gelegen, sei für sie immer wie eine Insel gewesen.

Bis Ende der 1940er Jahre diente das grosse Gebäude am Fusse des Schlossberges als Ökonomiebetrieb. Nachdem die Familie Grimmer-Bohrer, ehemalige Mitbesitzer der Kera-Werke AG, den Betrieb erworben hatte, liess sie mehrere Wohnungen in das Gebäude einbauen. Für die Autos der Mieterschaft wurden auf dem Vorplatz Garagen aufgestellt. Greti Grimmer, die im benachbarten Hotel Bahnhof aufgewachsen war, lebte zuerst noch mit ihrem Mann in einem Haus bei den Laufenburger Kera-Werken. Später zog sie dann in die Parterre-Wohnung ein und beobachtete ab diesem Zeitpunkt vom Küchenfenster aus das Geschehen in ihrer Nachbarschaft. «Eine Wohnung nach der anderen wurde leer. Ende der 2000er-Jahre war Frau Grimmer allein in einem Haus mit acht Wohnungen», erinnert sich Frank Fischer.

Schon länger beschäftigte ihn, dass Laufenburg durch den steten Rückgang an Hotelbetrieben kaum noch Übernachtungsmöglichkeiten für Geschäftsleute, Touristen oder Teilnehmer von grösseren Events anbieten konnte. Er brachte daher auch die Idee eines Hotels im Hinteren Wasen ein. «Daraus wurde aber nichts. In der Zwischenzeit ist dort etwas entstanden, was ich sehr gut finde.» Im neu erbauten Gebäudekomplex «Zentrum Hinterer Wasen» am Rande der Altstadt ist seit Ende 2017 der Gemeindeverband Bezirk Laufenburg mit seinen verschiedenen Abteilungen beheimatet.

Eine neue Geschichte beginnt
«Im Jahr 2012 sagte ich an einer Kommissionssitzung ‹Frau Grimmer wird 90. Wenn wir irgendwann die Liegenschaft übernehmen möchten, sollten wir langsam etwas tun›». So kam es, dass Frank Fischer kurz darauf bei der «Grande Dame» der Altstadt anklopfte. Er wusste , dass es vor der Ortsbürgergemeinde auch schon andere Bewerber für das Haus gegeben hatte. Sie alle scheiterten am Nein der Besitzerin. Die 90-Jährige hörte ihm mit wachem Verstand zu und entliess ihn mit den Worten, dass sie darüber nachdenken werde. Drei Wochen später klingelte bei Frank Fischer das Telefon. «Ich habe es mir überlegt. Rufen Sie meinen Notar an.»

Mit Greti Grimmers Einverständnis zum Verkauf, begann ein neues Kapitel in der Geschichte des Hauses. Nach einer Gebäudeschätzung, der Zustimmung der Ortsbürgergemeinde, den Verkaufsverhandlungen (durchgeführt durch Frank Fischer) wurde ein Jahr später die Ortsbürgergemeinde Laufenburg für 980 000 Franken zur neuen Besitzerin der Grimmer-Liegenschaft. Zu ihr gehört auch die grosse Matte unterhalb des Schlossberges. Letztere befindet sich ebenfalls im Eigentum der Ortsbürgergemeinde. Der Schlossberg mit der Burgruine bot 1957 die perfekte Kulisse für ein Freilichtfestspiel. Einige Jahre lang fanden auf der Grimmer-Matte auch die 1. August-Feiern der Stadt statt. Später dann nur noch die Fronleichnamsgottesdienste. Mehr liess Greti Grimmer nicht mehr zu.

Greti Grimmer hatte sich mit dem Verkauf gleichzeitig auch ein lebenslanges Wohnrecht gesichert. So wurde die weitere Zukunft des Hauses erst nach ihrem Tod im Jahre 2016 Gegenstand von vielen Überlegungen, Ideen, Abklärungen und Planungen. Mitten drin die Ortsbürgerkommission und damit auch Frank Fischer. Konkret wurde es dann, als die Ortsbürger den 4,2 Millionen Franken für den Umbau, die Sanierung sowie die Erweiterung die Genehmigung erteilten. Während die alten Garagen abgerissen wurden und Platz für das neue Zivilstandsamt machten, galt es beim Mittelhaus und insbesondere beim ältesten Gebäudeteil (heutiges Gästehaus) das Ursprüngliche und Historische zu bewahren. Gleichzeitig legte man aber auch Wert darauf, beim Innenausbau einen Wohnkomfort nach heutigem Standard zu verwirklichen.

Ein gutes Gefühl
Was er vor acht Jahren mit einem sachten Anklopfen an Frau Grimmers Wohnungstüre gestartet hat, darf Frank Fischer nun heute mit einem guten Gefühl betrachten. Er schaut auf das Haus am Schlossberg und meint: «Ich finde super, dass es gelungen ist. Ohne, dass wir dafür Steuergelder einsetzen mussten.» Jetzt hofft er, dass auch noch die letzten freien, mit Lift erschlossenen Wohnungen vor der wunderschönen Schlossberg-Kulisse Mieter finden. Als glückliche Fügung bezeichnet er zudem die Zusammenarbeit der Ortsbürgergemeinde mit Yvonne Waldburger und Roman Maier. Das einheimische Unternehmerpaar hat das Gästehaus gepachtet. Die dadurch entstehende Synergie mit dem Bäckerei- und Café-Unternehmen Maier trage zur Stärkung des Laufenburger Tourismus’ bei.

«Wir haben hier einen Mehrwert geschaffen», so ein zufriedener Frank Fischer. Er steht da, wo er als Kind mit vielen anderen Gspännli gespielt und sich einfach wohlgefühlt hat. Und deshalb: «Es ist doch nichts Falsches daran, sich für etwas zu engagieren, dem man mit Herzblut verbunden ist.»

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