Klappe zu, bevor die Ratten kommen

Di, 07. Jul. 2020
Den Stecker gezogen: Am Standort Breiti wurde die Entsorgungsstelle für Küchenabfälle aufgehoben. Foto: Ronny Wittenwiler

Küchenabfälle in Möhliner Siedlung sorgen für rote Köpfe

Die Gemeinde Möhlin zieht der Bioklappe im Quartier Breiti den Stecker, um einer Rattenplage vorzubeugen. Das Problem war der Mensch.

Ronny Wittenwiler

Es gärte schon länger. Nun hat die Gemeinde dem Treiben ein Ende gesetzt und die Bioklappe im Wohnquartier Breiti aufgehoben. Auf einer Infotafel hält die Abteilung Bau und Umwelt fest: «Das wilde Deponieren von kompostierbaren Küchenabfällen auf und neben der Bioklappe hatte ein unerträgliches Mass angenommen. Es bestand die Gefahr, dass sich in der Umgebung eine Rattenplage entwickelte.»

Fünfzig Rappen pro Klappenschlag
«Wir hatten seit Jahren immer wieder Probleme mit diesem Standort», bestätigt Peter Meyer, Leiter Aussendienste von der Abteilung Bau und Umwelt. Er spricht von einer «ewigen Schlacht», die man in der Wohnsiedlung Breiti zu schlagen versucht habe, doch selbst Aushänge und Schilder mit dem eindringlichen Hinweis aufs korrekte Entsorgen hätten keine Früchte getragen. Küchenabfälle, ob lose oder in den biologisch abbaubaren Säckchen, die man auf der Gemeinde gratis beziehen kann, landeten regelmässig auf der Tonne, neben der Tonne, aber nicht in der Tonne – fünfzig Rappen kostet das Bedienen der Klappe.

«Einzelne Leute interessiert das nicht. Wenn ihre ganze Melone nun mal nicht komplett reinpasst, wird sie halt einfach obendrauf gelegt», sagt Meyer, möchte aber festgehalten haben: «Wir reden hier vielleicht von zwei, drei Prozent aller Benutzer, die sich nicht daran halten.» Gerade deswegen ist auch das Bedauern gross, dass die Konsequenzen nun alle Benutzer zu tragen hätten. Das Zumüllen des Standorts sei aber zur Belastung für viele Anwohner geworden, Meyer spricht von einer «täglichen Schweinerei».

«Dann haben wir ein richtiges Problem»
Vor zwei Jahren sei eine Ratte rund um die Entsorgungsstelle beobachtet worden. Meyer betont: «Wir hatten bis jetzt nie ein echtes Rattenproblem in einem Siedlungsgebiet. Wir wollen aber auch keines bekommen beziehungsweise nicht erst dann reagieren müssen.» Dass sich Ratten unterirdisch in der Kanalisation aufhalten, sei nun mal unbestritten. «Wenn die ersten Tiere dann einmal merken, dass über ihnen regelmässig ein reichhaltiger Dessertteller auf sie wartet, dann haben wir wirklich ein richtiges Problem.»

Reaktionen aus der Siedlung auf die Aufhebung des Bioklappen-Standorts habe es keine einzige auf der Gemeindeverwaltung gegeben, sagt Peter Meyer, und er klingt dabei nicht sonderlich überrascht. «Ich glaube, das ist schlicht jedem aufgefallen, dass es dort so nicht mehr weitergehen konnte.» Auf ihrer Infotafel teilt die Gemeindeabteilung Bau und Umwelt mit: «Wir hoffen auf Ihr Verständnis für diese unangenehme Massnahme.» Das Fass aber, es schien voll und jetzt ist die Klappe zu. Eine Entsorgungsmöglichkeit für kompostierbaren Küchenabfall steht weiterhin im Möhliner Werkhof.

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