«Der Erhalt der Schule ist meine Hauptaufgabe»

Fr, 31. Jul. 2020
«Vielleicht können wir beweisen, dass eine kleine Schule ihre Daseinsberechtigung hat und sehr innovativ sein kann», erklärt Tom Krause. Foto: zVg

Berufsbildungszentrum Fricktal: Der neue Rektor übernimmt

Ab 1. August ist Tom Krause neuer Rektor des Berufsbildungszentrums Fricktal in Rheinfelden. Er tritt die Nachfolge von Hans Marthaler an. Im Interview mit der NFZ erklärt der 50-Jährige, wie er die Schule in die Zukunft führen will.

Valentin Zumsteg

NFZ: Herr Krause, Sie übernehmen das Rektorat zu einem Zeitpunkt, in dem die Schule in einer schwierigen Phase steckt. Durch den Wegfall der gewerblich-industriellen Berufe geht die Schülerzahl von rund 640 auf 260 zurück. Wie lange kann das Berufsbildungszentrum Fricktal (BZF) so überleben?
Tom Krause:
Das werden wir in der Zukunft sehen. Wir haben einen Businessplan light erstellt, damit wir die kommenden Jahre überleben können. Dies unter Berücksichtigung von Reserven, die wir in der Vergangenheit bilden konnten. Es braucht in Zukunft aber auch neue Ideen.

Stichwort neue Ideen: Wie wollen Sie die Schülerzahl steigern?
Die Steigerung der Schülerzahl ist mit Sicherheit ein Ziel von mir. Es ist aber schwierig, einerseits wegen der wirtschaftlichen Situation; derzeit werden wegen der Covid-Krise weniger Lehrverträge abgeschlossen. Andererseits können wir die Schülerzahl nur bedeutend steigern, wenn wir neue Berufsfelder bekommen. Da sind wir abhängig vom Kanton, der die Berufe zuteilt. Wir müssen uns bemühen, neben dem KV und dem Detailhandel, neue Berufe zu erhalten, doch der Entscheid liegt nicht bei uns. Darüber hinaus arbeiten wir noch an anderen Ideen und Visionen, wie wir die Zukunft für das BZF im Fricktal gestalten werden. Aus strategischen Gründen wollen wir diese noch nicht verraten.

Wo sehen Sie als neuer Rektor denn Ihre Hauptaufgabe?
Meine Hauptaufgabe ist es, das BZF zu erhalten. Das ist etwas, das mich in der Zukunft sehr beschäftigen wird. Es geht aber auch darum, wieder etwas Ruhe in den Betrieb zu bringen und Neues einzuführen. In den vergangenen zwei bis drei Jahren gab es viele Unsicherheiten. Wichtig ist mir ebenso der gute Start der neuen Berufsmatur-Klassen, die wir ab diesem Schuljahr erstmals anbieten können. Wir wollen auch in Zukunft als Standort für die Berufsmatur erhalten bleiben.

Was reizt Sie am Amt des Rektors?
Ich arbeite seit 2006 an dieser Schule. Sie ist mir sehr ans Herz gewachsen. Die Leitung der Schule zu übernehmen ist für mich eine grosse Herausforderung, ich sehe es aber auch als Anerkennung für meine Leistung der vergangenen Jahre. Es reizt mich, die Schule in diesen schwierigen Zeiten leiten zu können.

Sie fühlen sich nicht wie der Kapitän eines untergehenden Schiffes?
Nein, absolut nicht. Es ist mir sehr bewusst, dass die finanziellen Mittel beschränkt sind und wir nicht sicher wissen können, wie lange die Reise der Schule noch geht. Sind es fünf, zehn oder mehr Jahre? Aber vielleicht ergeben sich im Laufe der Zeit neue Möglichkeiten und die Schule hat eine grosse Zukunft vor sich. Ich will das Beste daraus machen. Vielleicht können wir beweisen, dass auch eine kleine Schule ihre Daseinsberechtigung hat und sehr innovativ sein kann.

Welche Vorgaben haben Sie vom Schulvorstand erhalten, was müssen Sie erreichen?
Der Schulvorstand hat die Vorgaben sehr konkret formuliert. Diese sind aber nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Nur so viel: Es geht ganz klar um den Erhalt der Schule. Daneben müssen wir die Kostenvorgaben einhalten und – wie schon erwähnt – wieder Ruhe in den Betrieb bringen.

Herr Krause, durch den Verlust der gewerblichindustriellen Berufe mussten am Berufsbildungszentrum Fricktal zahlreiche Lehrerstellen gestrichen und Kündigungen ausgesprochen werden. Wie ist die Stimmung im Kollegium?
Bis auf eine Lehrperson haben alle, die gehen mussten, eine Anschlusslösung gefunden. Einige haben nichts Gleichwertiges gefunden. Das gibt Unzufriedenheit bei den Betroffenen und sorgt für Bedauern im Kollegium. Insgesamt ist die Stimmung aber gut, man schaut positiv in die Zukunft. Alle hoffen auf Ruhe und Stabilität für die nächsten Jahre.

Sprechen wir noch über die Finanzen: Wird das BZF im kommenden Schuljahr ein ausgeglichenes Ergebnis erzielen können?
Nein, wir rechnen im kommenden Schuljahr noch nicht mit einem ausgeglichenen Ergebnis. Das hängt auch mit den neuen Klassengrössen zusammen. Wegen den Anmeldezahlen und Covid-19 ergeben sich kleinere Klassen. So starten wir zum Beispiel dieses Jahr im ersten Lehrjahr mit zwei Klassen in der Berufsmatur. Grundsätzlich gilt: Bildung kostet immer Geld. Wenn man eine hochwertige Bildung aufrechterhalten will, dann darf man nicht nur auf die Finanzzahlen schauen. Hinzu kommt die Covid-19-Krise, da ist es nicht sinnvoll, zu viele Schüler in eine Klasse zu stecken. Das macht sich aber finanziell bemerkbar.

Im gleichen Schulhaus wie das BZF werden künftig auch Lernende von Gesundheitsberufen unterrichtet. Dies geschieht aber unter der Führung der Berufsfachschule Gesundheit und Soziales in Brugg. Gibt es eine Zusammenarbeit mit dieser Schule?
Das wünschen wir uns. Im besten Fall können wir verwaltungstechnische Aufgaben für die Berufsfachschule Gesundheit und Soziales übernehmen, die Infrastruktur gemeinsam nutzen und dadurch für beide Schulen Kosten reduzieren. Bislang gibt es aber noch keine Zusammenarbeit. Es hängt von den Entscheidungsträgern der Brugger Schule ab.

Ab August werden also keine BZF-Lehrer die allgemeinbildenden Fächer für die Lernenden der Gesundheitsberufe unterrichten?
Leider nein.

Zum Schluss: Wo steht das Berufsbildungszentrum Fricktal in fünf Jahren?
Hoffentlich immer noch im Engerfeld in Rheinfelden; im Idealfall mit mehr Lernenden als heute.

 

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