Selbst die Meerjungfrauen haben einen Plan

Do, 21. Mai. 2020
Untergetaucht, aber vor allem richtig abgefahren: Mermaiding. Foto: istockphoto

Sportarten, von denen man vor Corona nicht einmal wusste, dass es sie gibt

Meerjungfrauen und Metallsilhouetten-Schützen wollen dem Virus das Fürchten lehren: Die NFZ hat unter einem Heer von Schutzkonzepten ein paar Randsportarten entdeckt, da sind im Vergleich dazu alle Wasserfahrer die neuen Fussballer.

Ronny Wittenwiler

Handball? Klar! Fussball? Logisch! «Mermaiding?» Bahnhof! Ja, auch sowas gibt es in der Schweiz, wie ein Streifzug durch die Coronageplagten Sportverbände zeigt.

Konzepte in Hülle und Fülle
«Seit dem 11. Mai dürfen Sportarten entsprechend den jeweiligen Schutzkonzepten wieder ausgeübt werden», schreibt «Swiss Olympic» auf seiner Webseite und verweist dabei auf einzelne Verbände, die mittlerweile ein solches Konzept erarbeitet haben. Viele dieser Konzepte sind punkto Einschränkungen äusserst einschneidend, so etwa jenes des Schweizerischen Fussballverbands, weshalb die Fricktaler Fussballvereine gleich «freiwillig» auf eine Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs verzichten (die NFZ berichtete).

Wie genau das bei den Meerjungfrauen ist, wissen wir nicht, fest steht aber: Auch sie haben ein Konzept, wie man Corona trotzen will. «Mermaiding» ist angegliedert im Schweizer Unter wasser-Sportverband, dem – auch das soll gesagt sein – ebenso die Sportarten «Unterwasserrugby» und «Unterwasserhockey» angehören.

Ein Blick in ein Heer von Schutzkonzepten offenbart: Für jeden und jede hat es in diesem Land ein Plätzchen frei in irgendeinem Verein. Beim «Mermaiding», das als Schwimmsportart durchgeht, wird versucht, sich in einem entsprechenden Kostüm mit einer Monof losse in wellenförmigen Bewegungen wie eine Meerjungfrau im Wasser fortzubewegen. Da sind einem die Rugbyspieler unter Wasser womöglich noch vertrauter. Auch sie, also die Rugbyspieler, haben in diesen Zeiten ein Konzept erarbeitet, worin unter anderem steht: «Die Spieler ziehen sich die Badehose oder das Badekleid bereits vor dem Training zuhause an.» Und: «Ausrüstung darf untereinander nicht ausgeliehen werden» – wir gehen nun mal davon aus, dass das auch für die Badehose gilt.

Bloss halbe Sachen
Selbstverständlich gilt auch für die Rugbyspieler unter Wasser, was für ihre Kollegen über Wasser gilt: Abstand wahren. Der Verband teilt mit: «Durch die Einschränkung, ohne Körperkontakt zu trainieren, ist das Risiko, sich zu verletzen, was sowieso selten der Fall war, noch geringer als sonst.» Ob das wirklich eine grandiose Nachricht ist, bleibt offen, sie zeugt aber davon, dass die aktuellen Einschränkungen nicht nur die Fuss- und Handballer tangieren. Oder, um es mit einem schiefen Sprachbild zu formulieren: Der fehlende Körperkontakt trifft die Sportler hart. «Das Bootsmaterial ist nach jeder Benützung abzutrocknen. Paddel sind abzutrocknen, mit sauberem Wasser und Seife abzuwaschen oder zu desinfizieren. Schwimmwesten sind gründlich mit Wasser und Seife zu waschen.» Bleibt da überhaupt noch Zeit für die eigentliche Sportart? Es wäre Drachenbootfahren. Auch sie haben eine Lobby beziehungsweise einen nationalen Verband, jetzt mit einem Schutzkonzept. Genauso wenig zu beneiden ist die Vereinigung Schweizer Wanderleiter, die ebenfalls auf «Swiss Olympic» ihr Schutzkonzept publizierte. «Das Social Distancing muss jederzeit gewährleistet sein (ohne enge Passagen, wo alle an einem Ort stehen) und ohne Passagen mit Ketten oder Seilen. Wenn unerwartet solche Passagen vorhanden sind, Hände vor und nach dem Passieren desinfizieren.» Hände putzen beim Wandern? Da vergeht des Müllers Lust, und wie sehr übrigens Metallsilhouetten-Schützen aktuell Spass haben an ihrem Hobby – nein, auch das wissen wir nicht. Fest steht aber: «Es gibt in der Schweiz nur zirka zehn aktive Metallsilhouetten-Schützen und es existiert nur eine Anlage zum Metallsilhouetten-Schiessen.» Das steht im Schutzkonzept, das die – Achtung, nochmals – Metallsilhouetten-Schützen erarbeitet haben, und wer nun glaubt, das sei die Krönung der sportlichen Vielfalt und Exotik, der hat bestimmt noch nicht das Konzept für jene gelesen, die Ganzkörper-Elektromyostimulationstraining betreiben. Sachen gibt’s, hier in der Schweiz. Da bleibt nur die Hoffnung, dass sie alle bald wieder ihren geliebten Sport mit vollem Herzen und in absoluter Reinkultur aufnehmen können – das gilt für Metallsilhouetten-Schützen, deren einzige Anlage übrigens im Muotathal steht, das gilt für Meerjungfrauen, Fussballer, Ganzkörper-Elektromyostimulationskonsumenten, den Schweizer Rock’n’Roll Bund, die vereinigten Minigölfler, genauso wie für den Schweizer Tauziehverband.

PS: Die Liste ist vollständig unvollständig.

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