«Den persönlichen Kontakt vermissen alle»

So, 03. Mai. 2020
Videokonferenzen sind sehr hilfreich, können jedoch den persönlichen Kontakt nicht ersetzen. Archiv-Foto: zVg

Ein Blick hinter den aktuellen Schulalltag

Der erste Gesamt-Elternabend per Videokonferenz der Schule Mettauertal hat gut funktioniert. Auch der Fernunterricht klappt gut. Schüler und Lehrer vermissen jedoch den persönlichen Kontakt.

Bernadette Zaniolo

Seit 16. März ist der ordentliche Unterricht an der Aargauer Volksschule ausgesetzt. Und Fernunterricht ist seit dem Corona-Lockdown in aller Munde. Die Kommunikation per Videokonferenz ist jedoch fordernd. Dennoch: «Die Schüler finden es cool», sagt Walter Schwarb von der Schule Mettauertal. «Altersbedingt» sind seine Schüler – er unterrichtet die 6. Klasse – schon ein bisschen IT-affin (mit Internettechnologien vertraut) und kamen so schnell mit Programmen wie Zoom oder der Schulcloud klar. Schwarb investiert pro Woche 15 bis 20 Minuten innerhalb der ordentlichen Onlinelektionen für Fragen und Problemlösungen, sowie für Anleitungen, wie die verschiedenen Tools, die an der Schule gebraucht werden, optimal genutzt werden können.

Am Montagmorgen wird jeweils der Wochenplan mündlich besprochen. Bis Ende Woche müssen die Schüler die Aufgaben gelöst haben und in die Dateiablage hochladen. Alle Eltern der verschiedenen Klassen haben einen separaten Channel in der Schul.Cloud für die Kommunikation mit den Lehrpersonen.

Der Stundenplan ist so gestaltet, dass nicht jede Klasse gleichzeitig am PC sitzt. Je älter die Schüler seien, desto früher am Tag werde der Unterricht per Zoom angesetzt. Zudem relativiert Schwarb: «Die Schüler arbeiten nicht dauernd online. Ein Grossteil der Aufgaben kann zuhause offline gemacht werden.» Bei Überschneidungen werde den Familien ein zusätzlicher PC zur Verfügung gestellt. Zudem ist man sich bewusst, dass je jünger ein Kind ist, desto mehr sind die Eltern gefordert beziehungsweise braucht das Kind die Unterstützung eines Elternteils.

«Auf Dauer möchte dies niemand»
Obwohl die Schüler den Fern-Schulunterricht cool finden, hält Schwarb fest: «Er ist für sie anstrengender und sie müssen sich beim Fernunterricht mehr konzentrieren. Auf Dauer möchte dies jedoch niemand. Sowohl den Schülern als auch uns Lehrern fehlt der persönliche Kontakt sehr.»

Das bestätigt auch Kindergärtnerin Theres Blondel. Die erste Woche nach dem Lockdown sei der Unterricht für die Kindergärtler ausgefallen und man habe sich überlegt, wie man diese, dem Alter entsprechend beschäftigen könne. So sei eine Übungsideensammlung entstanden. Zum Beispiel zuhause helfen, etwa beim Kochen, Zimmer aufräumen, putzen oder anderen Aufgaben im Haushalt. Als Mathematik-Aufgabe haben sie das «Tischdecken» erhalten, wo sie zählen, wie viele Gabeln, Löffel und Messer bereit gemacht werden müssen. Den Fünf- und Sechsjährigen habe man dann auch Ideen für Bewegung geben. «Viele Eltern konnten ihre Kinder gut beschäftigen», sagt Theres Blondel. Seit dem 20. April wird an der Schule Mettauertal nach einem neuen Stundenplan unterrichtet, denn die Anzahl Lektionen pro Fach können im Fernunterricht nicht gemäss geltender Stundentafel eingehalten werden.

Zudem, so Blondel: «Man kann die kleineren Kinder nicht drei bis viermal pro Woche an den Bildschirm holen». Die jüngeren Kinder seien sehr mitteilungsfreudig («was schön ist), wissen aber nicht, wie sie vor die Kamera sitzen müssen und hampeln herum. Deshalb bekommen sie einen Wochenplan mit Erklärungen und Material wie Blätter, Schere usw. nach Hause und bekommen ein Zeitfenster, innert welchem sie die Lösungen und Ergebnisse zurückbringen können. Für die Unterstufenschüler gilt dasselbe. Auch für den Werkunterricht müssen die Kinder teilweise in die Schule kommen, um Material abzuholen oder zurückzubringen. Und die Lektionen der fremdsprachigen Kinder erfolgen punktuell an der Schule.

«Die Krise findet draussen statt…»
Angesprochen darauf, ob die Lehrpersonen jetzt gestresst seien, weil sie auch während den Frühlingsferien viel gearbeitet hatten, sagt Blondel: «Nein, wir probieren unser Bestes zu machen. Wir unterstützen einander gegenseitig.» Grosses Lob zollen Blondel und Schwarb dem Schulleiter, der Sekretärin, den Klassenassistentinnen sowie der Schulpf lege. «Sie hatten die grosse Arbeit und waren sehr speditiv und effektiv», sagt Theres Blondel. Walter Schwarb stimmt dem zu. «Die Krise findet draussen statt, nicht bei uns. Und Hut ab, vor den Eltern, die so unkompliziert sind», hält Blondel, die trotz Fernunterricht sehr oft, wie die Kolleginnen auch, in der Schule ist, fest.

Wie Walter Schwarb gegenüber der NFZ sagt, sei seine Präsenzzeit am Bildschirm weniger, als in der Schule. Er beginne jedoch am Morgen früher und beantworte auch noch abends Fragen der Schüler und Eltern und korrigiere Aufgaben. «Das Umschalten ging relativ schnell. Der Arbeitsweg fällt weg. Ich finde es spannend, aber ich bin froh, wenn wieder im Schulzimmer unterrichtet werden darf.»


Elternabend Schule Mettauertal

Die Schule Mettauertal führte letzte Woche erstmals einen Gesamt-Elternabend per Videokonferenz (die NFZ berichtete) durch. Gemäss Schulpflegepräsidentin Sandra Hauri waren es 111 Teilnehmer und «alles lief gut». Es sei bequem, man brauche keinen Babysitter und man müsse keinen Parkplatz suchen. Hauri war es ein grosses Anliegen, dass die Eltern nicht erst «5 vor 12» über die Änderungen auf das neue Schuljahr informiert werden. Dazu gehört unter anderem, dass alle Klassen einzeln geführt werden. Zudem sollen die Kinder zwei Jahre von der gleichen Lehrkraft unterrichtet werden.

An der Videokonferenz sensibilisierte Patrick Zingg, Leiter Verkauf Nord von Postauto AG, worauf Schüler und Eltern bei der Nutzung des Busses achten sollten. Wie Sandra Hauri zur NFZ sagte, entfällt die Schulschlussfeier. Stattdessen mache jede Klasse einzeln einen kleinen Abschluss. «Jedes Kind bekommt jedoch einen Examenweggen.» Die Schule Mettauertal sucht per 1. August eine Klassenlehrperson (5. Klasse) (bz)

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